Tuotilo von St. Gallen, manchmal auch Tutilo genannt (* um 850; † 27. April (? auch 28. März) 913 (? auch 915) in St. Gallen), war ein Mönch im Kloster St. Gallen.


Über das Leben Tuotilos ist nicht viel Fundiertes bekannt. Zum einen gibt es eine eher anekdotisch-literarische Quelle in den Schilderungen von Ekkehard IV. in der Geschichte des Klosters St. Gallen, den Casus Sancti Galli. Darin wird Tuotilo gemeinsam mit Notker Balbulus und Ratpert als Schüler Isos in den Sieben Freien Künsten genannt. Die drei Mönche waren nach Ekkehard enge Freunde. Tuotilo wird als ein muskulöser Mann mit einer klaren Stimme geschildert. Er wird ebenso als Dichter, Musiker, Maler, Goldschmied und Erschaffer von feinen Schnitzereien insbesondere der Elfenbeintafeln des Evangelium Longum hervorgehoben.
Zum anderen finden sich in den Urkunden des St. Galler Klosters neun Erwähnungen Tuotilos in verschiedenen Funktionen.
Zur Herkunft Tuotilos gibt es unterschiedliche Angaben. E. G. Rüsch legt gestützt auf den Bericht Ekkehards nahe, dass Tuotilo alemannischer Abstammung ist.
In der englischen Literatur, der englischen Wikipedia und anderen englischen Internetquellen wird der Namens- und Todestag zumeist als der 28. März angegeben. In der deutschsprachigen Literatur wird allerdings der 27. April als Namens- und Todestag genannt und zumeist 913 als Todesjahr.
Tuotilo ist nie seliggesprochen oder kanonisiert worden, wurde aber bis etwa ins 17. Jahrhundert in St. Gallen und Umgebung im Wege einer vom Kloster beförderten Volkskanonisation als Heiliger verehrt. Noch heute findet man in der St. Galler Stiftskirche eine Darstellung von Tuotilo als Mönch mit Palette und Pinsel. Die Kapelle St. Katarina hatte den Beinamen St. Tutilo oder St. Güetelen, was nach Rüsch eine Variante von Tutilo ist.
Bei Gustav Schwab findet sich eine Anekdote über eine Auseinandersetzung Tuotilos mit Sindolf, die auf Ekkehards Bericht basiert: Als Spitzel des Bischofs Salomo von Konstanz belauscht Sindolf vor dem Fenster heimlich ein Gespräch zwischen den drei befreundeten Mönchen Tuotilo, Notker und Ratbert. Als die drei dies bemerken, entfernt sich Notker in die Kirche und Ratpert geht vor das Haus, um Sindolf mit einer Peitsche zu schlagen. Zwischenzeitlich hat Tuotilo das Fenster geöffnet und zieht Sindolf kräftig an den Haaren. Den aufgrund des Geschreis herbeieilenden Mönchen, die Sindolf für das Opfer halten, erklärt er ironisch: Weh mir, daß ich meine Hand an des Bischofs Vertrauten gelegt habe.
Ekkehard beschreibt vielfältige Reisen Tuotilos in Klosterangelegenheiten. Er sei unter anderem als Einkäufer von Stoffen in Mainz und als Künstler in Metz tätig gewesen.
In den Codices sangallenses finden sich noch heute einige Werke, die ganz oder in Teilen Tuotilo zugeschrieben werden.
Hier eine Auswahl:
Tuotilo ist nach Ekkehard in vielfältigen künstlerischen Bereichen tätig gewesen.
Er hebt ihn insbesondere als einen bedeutenden Verfasser von Tropen hervor. Da Tropen, anders als die Sequenzen, in aller Regel nicht mit einem Verfassernamen verbunden wurden, ist es meist nicht einfach, Tuotilo mit einem bestimmten Tropus in Zusammenhang zu bringen. Deshalb sei hier nur stellvertretend auf den Weihnachtstropus Hodie cantandus verwiesen, der allgemein zumindest in Teilen Tuotilo zugeschrieben wird. Tuotilo hat nicht nur Tropen geschrieben, sondern lt. Ekkehard selber musiziert (Harfe und Gesang) und Schülern Musikunterricht erteilt.
Ekkehard rühmt Tuotilo ferner als Maler und sculptor (Bildhauer, Schnitzer). Neben seinen bis heute noch erhaltenen Schnitzarbeiten an den Elfenbeintafeln des Evangelium Longum soll er einen Altar in Mainz ausgeschmückt und in Metz eine ganz ähnliche Arbeit erledigt haben. Keines der letztgenannten Werke ist jedoch erhalten.
Kaiser Karl III. soll laut Ekkehard sehr bedauert haben, dass solch ein Talent hinter Klostermauern versteckt ist, lieber hätte er Tuotilo in seinem Gefolge gehabt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tuotilo von St. Gallen |
| ALTERNATIVNAMEN | Tuotilo |
| KURZBESCHREIBUNG | Mönch im Kloster St. Gallen |
| GEBURTSDATUM | unsicher: 850 |
| STERBEDATUM | unsicher: 27. April 913 |
| STERBEORT | St. Gallen |