Typograf

Der Typograf (auch Typograph) leitet sich etymologisch von dem Wort »Typo-« (altgriechisch »typos«) her, das eigentlich »Schlag, Stoß«, später auch »Eindruck, Bild« bedeutet. Der Zusatz »-graph« hat seinen Ursprung von griechisch »gráphein« für »ritzen, schreiben«. Wörtlich interpretiert: »Schreiben mit Druckformen« oder »Zeichnung durch Druck«.

Früher gab es eine Zeilen-Setzmaschine mit Tastatur, die Typograph hieß.

Heutige Bedeutung

Mediengestalterin Digital und Print

Ein Typograf ist eine Person, die sich beruflich mit der Gestaltung, Anwendung und Analyse von Schrift und Schriftbildern beschäftigt – sowohl im Druck als auch in digitalen Medien. Dies sind beispielsweise Architekten, Buchgestalter, Grafikdesigner, digitale Mediendesigner, Type Designer, Webdesigner oder Kunstwissenschaftler.

Ein Typograf ist somit jemand, der sich gestalterisch/künstlerisch oder handwerklich/technisch oder philologisch/theoretisch mit Typografie befasst. Dazu gehören u. a.:

Historischer Ursprung

Johannes Gutenberg (Fantasiebild im 17. Jh.) als Graveur einer Druck-Type

In gedruckter Form ist das Wort »Typografus« erstmals 1488 nachweisbar. Der Fachbegriff »Typograf« hat seine Bedeutung seit dem 15. Jahrhundert mehrmals verändert. Im ursprünglichen Sinn der Renaissance bedeutet »Typografus« ein »Buchdruckkünstler«. Er wurde als eine Art »Künstler-Techniker« verstanden, der die »Schwarze Kunst« beherrschte, um einen Text/Schriftsatz in großer Stückzahl herzustellen. Der erste Typograf war der Inkunabeldrucker Johannes Gutenberg (um 1400–1468).

In den frühen deutschen und venezianischen Inkunabeln findet sich dagegen überwiegend die vom lateinischen »imprimere« (für »ein-, hinein-, aufdrücken«) abgeleitete neulateinischen Bezeichnung »impressor« für »Drucker, Buchdrucker«. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts taucht in einem Impressum unmittelbar neben dem Namen des Druckers der »Typografus« als konkrete Berufsbezeichnung auf.

Ab dem 17. Jahrhundert ist diese aus dem Humanismus stammende Wortschöpfung Bestandteil des Gelehrten-Vokabulars: »typografus« für Buchdrucker, »typografium« für Buchdruckerey, »typografia« für die Drucker-Kunst und »typotheta« für den Buchstabensetzer.

Technischer Wandel

Schriftsetzer bei der Auswahl einer Schriftart für ein Titelblatt

Es gab bereits seit dem Anfang der Typografie den Spezialisten, der sich auf einen handwerklichen Teilbereich konzentrierte, um seine Kunstfertigkeit darin zu perfektionieren. In der frühen Typografie wurde u. a. zwischen Schriftgestaltern, Stempelschneidern, Schriftgießern und Typografen unterschieden: Schriftgestalter, Schriftschneider und Schriftgießer stellten eine Schrift her, Typografen nutzten und druckten diese. Diese Differenzierung ist heute so nicht mehr zutreffend.

Mit zunehmender Technisierung und Spezifizierung während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand eine neue Definition des Begriffs »Typograf«. Über 150 Jahre lang verstand man darunter nur noch den Beruf des »Schriftsetzers«. Mit dem digitalen Wechsel ab den 1990er Jahren verlor der Begriff Typograf bzw. Typografin seine alte Bedeutung. Der Beruf des »Druckers« wird nicht mehr damit in Verbindung gebracht.

Der »Beruf« des Typografen war bis Ende des 20. Jahrhunderts in der Regel nur Männern vorbehalten. Dies hat sich an den Hochschulen und Fachhochschulen erst seit den 1930er bis 1970er Jahren geändert.

Schriftgestalter

Schriftarten im Fotosatz von ITC

Umgangssprachlich wird die Bezeichnung Typograf oft fälschlicherweise als Synonym für Schriftgestalter verwendet. Allerdings gestaltet nur der Schriftgestalter (englisch »Type Designer«) Schriftarten. Die Erstellung von Schriftzeichen ist ein Handwerk, das Elemente von Kunst und Technik verbindet. Früher waren es die Stempelschneider für die Bleibuchstaben (Lettern). Danach waren es Schriftdesigner (Kalligrafen oder Typografen), die für die Schriftgießereien neue Schriftarten gestalteten. Für den Fotosatz entwarfen die ITC-Typedesigner neben den klassischen Schriftarten auch verspielte und avantgardistische Schriftarten (Fonts).

Die heutige Ausbildung von Typedesignern erfolgt an entsprechenden Hochschulen, so z. B. an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Darüber hinaus werden in anderen Ausbildungsstätten im Rahmen des Kommunikationsdesigns Kurse im Typedesign angeboten. Der Typodesigner (auch: Type Designer, Schriftgestalter) ist ein hochspezialisierter Gestaltungsfachmann, der Schriftzeichen und komplette Schriftfamilien entwirft, digitalisiert und für die Verwendung in Print- und Digitalmedien aufbereitet.

Ein Typograf dagegen benutzt in der Regel vorgefertigte Schriften für seine grafischen Gestaltungen. Es gehört zur Aufgabe des Typografen (oder früher des Schriftsetzers), eine Seite so zu gestalten, dass eine passende Schrift für das zu druckende oder digitale Werk verwendet wird. Eine Person kann auch gleichzeitig Typograf und Schriftgestalter sein, z. B. der Grafikdesigner.

Quellen

Siehe auch