Universal Automatic Calculator

Der Universal Automatic Computer oder UNIVAC ist ein Computer aus dem Jahr 1951, der von J. Presper Eckert und John W. Mauchly (beide aus der ENIAC-Gruppe) konstruiert und schließlich als erster in Serie hergestellter Computer entwickelt wurde. Er war damals mit einer Million Dollar für normale Bürger aber wohl kaum zu bezahlen. Der UNIVAC nutzte erstmals als externen Speicher ein Magnetband. Der Ausdruck UNIVAC wurde 1951 stellvertretend für Computer verwendet. Bis heute wird die UNIVAC-Serie weiterentwickelt und betreut.

Univac I Factronic im Deutschen Museum in München

Allgemeines

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur wenige Menschen der Ansicht, dass Computer eine Zukunft haben würden. Die 1946 von J. Presper Eckert und John W. Mauchly gegründete Eckert-Mauchly Computer Corporation (EMCC) war eine der wenigen Firmen, welche überzeugt war, dass elektronische Rechenanlagen universell eingesetzt werden können, also nicht nur für spezifische Berechnungen von komplexen mathematischen Problemen, sondern dass diese ‚universellen‘ Rechenmaschinen auch in der Wirtschaft einen Verwendungszweck finden werden.

Die Eckert-Mauchly Computer Corporation arbeitete am BINAC, einer kleineren Version des ENIAC, welche für die Northrop Corporation gebaut wurde. 1948 bekam EMCC den Auftrag, einen Rechner für das US Census Bureau zu bauen, der für die Volkszählung 1950 bereit sein sollte. Wegen finanzieller Schwierigkeiten konnte der Termin nicht gehalten werden, und die Eckert-Mauchly Computer Corporation wurde am 15. Februar 1950 von Remington Rand übernommen. Die EMCC wurde als Geschäftseinheit UNIVAC in die Remington Rand Organisation eingebunden.

Als 1951 die UNIVAC I dem US Census Bureau übergeben wurde, läutete sie die Ära kommerzieller elektronischer Rechenanlagen ein, und für einige Jahre wurde die Bezeichnung UNIVAC stellvertretend für alle Computer benutzt. Die UNIVAC war nach der Zuse Z4 der zweite kommerziell gebaute Computer weltweit. 1956 wurde die erste UNIVAC in Europa in Kooperation mit dem Battelle-Institut in Frankfurt am Main installiert und für Rechendienstleistungen angeboten, bis sie 1960 stillgelegt wurde.

Berühmt wurde der UNIVAC nach der Präsidentschaftswahlnacht im Jahr 1952. Mit ihm wurde eine Hochrechnung erstellt, basierend auf 7 % der ausgezählten Stimmen. Als Ergebnis sagte er um 9 Uhr abends einen Erdrutschsieg für Eisenhower voraus, im Widerspruch zu konventionell ermittelten Prognosen eines Kopf-an-Kopf-Rennens. Die Auftraggeber trauten der UNIVAC-Prognose nicht und beschlossen, sie nicht zu veröffentlichen. Später stellte sich heraus, dass sie recht genau war: Die vorausgesagte Wahlmännerverteilung von 438 für Eisenhower und 93 für Stevenson kam nah an die tatsächliche Verteilung von 442:89 heran. Dieses Ergebnis machte den UNIVAC weltweit bekannt.

1955 fusionierte Remington Rand mit der Sperry Corporation zu Sperry Rand. Die Geschäftseinheit Univac blieb unverändert bei Sperry Rand bestehen. Alle ausgelieferten Rechner wurden weiterhin als UNIVAC bezeichnet. Erst im Jahre 1982 wurde der Name UNIVAC durch die Bezeichnung Sperry abgelöst. 1986 fusionierte Sperry mit der Burroughs Corporation zu Unisys. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Rechnerserie in Unisys umbenannt.

Über all die Jahre wurde die Rechnerarchitektur weiterentwickelt. Angefangen bei Vakuumröhren über Transistoren bis zu CMOS wurde die für UNIVACs spezifische Prozessorarchitektur beibehalten, auch die ab der UNIVAC-1100/2200- und OS2200-Serie gebräuchliche Eigenschaft, dass 1 Zeichen = 9 Bits = 1 Byte ist.

Modelle

UNIVAC I (1951/52)
UNIVAC 120 (Foto vom Department of Interior, Bureau of Mines, 1961)
Univac Solid State (im Technischen Museum Wien)
UNIVAC 1103 (1961)

UNIVAC Systeme von Sperry Rand / Sperry Univac basierend auf Transistoren. Noch heute werden diese Prozessoren durch die Unisys Clearpath Modelle unterstützt.

1975 wurde das Speichersystem ausgetauscht und eine neue Namenskonvention eingeführt, wobei die letzten Zahlen der maximalen Anzahl Prozessoren oder CAU (Command Arithmetic Unit), respektive CPU, entsprach.

1982 wurde die Bezeichnung UNIVAC fallen gelassen und die Rechner wurden mit Sperry bezeichnet.

Nach der Fusion 1986 von Sperry und Burroughs Corporation zu Unisys wurden die Rechner mit der Bezeichnung Unisys 2200 später mit der Marke Unisys Clearpath betitelt.

Zeitliche Betrachtung

Folgende Grafik gibt Auskunft über die zeitliche Entstehungsgeschichte der Univac Rechner.

ClearpathUNISYS 2200/3800UNISYS 2200/900UNISYS 2200/500UNISYS 2200/100UNISYS 2200/600UNISYS 2200/400UNISYS 2200/200SPERRY Integrated Scientific ProcessorSperry 2200/100UNIVAC 1100/90UNIVAC 1100/70UNIVAC 1100/60UNIVAC 1100/80UNIVAC 1100/40UNIVAC 1100/20UNIVAC 1100/10UNIVAC 1110UNIVAC 9400UNIVAC 1106UNIVAC 418UNIVAC 9300UNIVAC 9200UNIVAC 494UNIVAC 1005 IIIUNIVAC 1005 IIUNIVAC 492UNIVAC 491UNIVAC 1108 IIUNIVAC 1005UNIVAC 418UNIVAC 418UNIVAC 1108UNIVAC 1004 IIUNIVAC 418UNIVAC 1050UNIVAC 1107UNIVAC 1004UNIVAC IIIAN/USQ-20AN/USQ-20UNIVAC 490UNIVAC SOLID STATEUNIVAC LARCAN/USQ-17AN/USQ-17XU-72UNIVAC 1105UNIVAC SOLID STATEUNIVAC BOGARTUNIVAC AthenaUNIVAC 1104FILE 1UNIVAC IIFILE 0UNIVAC 1103Remington Rand 409UNIVAC 1102UNIVAC 1103Remington Rand 409UNIVAC IUNIVAC 1101en:Template:Timeline History of Computingmeta:EasyTimeline

Das Unternehmen

UNIVAC als Unternehmen entstand durch die Zusammenlegung verschiedener Bereiche von Remington Rand, nämlich dem Bereich Tabelliermaschinen, dem Bereich für wissenschaftlich genutzte Computer und dem Bereich der kommerziell genutzten Computer (dieser stellte die UNIVAC her). Remington Rand wurde 1955 mit der Sperry vereint und wurde Sperry Rand. Der Geschäftsbereich Computer wurde in Sperry UNIVAC umbenannt. 1978 verschwand der Begriff UNIVAC aus dem Firmennamen, das Unternehmen hieß nur noch Sperry.

Sperry wurde 1986 mit Burroughs verschmolzen und erhielt nach einem firmeninternen Wettbewerb zur Namenssuche den Namen Unisys.

UNIVAC gehörte in den 1960er Jahren neben IBM, Burroughs, Scientific Data Systems, Control Data Corporation, General Electric, RCA und Honeywell zu den acht großen Computerfirmen.

Literatur

Commons: UNIVAC – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Corinna Schlombs: Der Univac - Ein internationales Meisterwerk der Datenverarbeitung. (PDF; 9,34 MB) In: Deutsches Museum. 1. Januar 2008, abgerufen am 7. August 2020.
  2. ↑ Joseph M. Heiser: Logistic Support: Vietnam Studies. 1974, S. 37, abgerufen am 17. Oktober 2024 (englisch).