Ulf Hagen Manhenke (* 21. Mai 1964 in Oranienburg, Bezirk Potsdam, DDR) ist ein deutscher Schauspieler und Schauspiellehrer.
Ulf Manhenke wurde als Sohn des Naturwissenschaftlers und Politikers Volker Manhenke in Oranienburg geboren.
1985 gründete er mit dem Musiker Stephan König das „Jazztheater Leipzig“ und führte bei dessen erster Premiere, Leb wohl, Judas von Ireneusz Irediński, Regie. Seit dieser Zeit wurde er durch das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) innerhalb einer Operativen Personenkontrolle beobachtet. Ab 1986 studierte Manhenke an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Außenstelle Rostock, Schauspiel. Dort veröffentlichte Manhenke 1989 mit einigen Kommilitonen eine politisch unerwünschte Wandzeitung, in der sie die Haltung der DDR-Regierung zum kurz zuvor in Peking verübten Tian’anmen-Massaker kritisierten. Die Dozenten Bernd Röther, Thomas Vallentin und Karlheinz Adler verhinderten ihre Exmatrikulation, indem sie ihre Unterschrift unter Bertolt Brechts Gedicht Lob des Zweifels setzten und am zuvor geräumten Wandzeitungsbrett der Hochschule anbrachten und sich damit solidarisch mit den Studierenden erklärten, worauf die ermittelnde Stasi das Schulgebäude verließ. Davon und von Manhenkes Erlebnissen während der historischen ersten Massendemonstration, die von der Staatsgewalt der DDR nicht mehr aufgelöst werden konnte (am 7. Oktober 1989 auf dem Theaterplatz in Plauen), erzählt das letzte Kapitel seines Buches Kein Phönix ohne Asche – Schauspielschule. Faxentempel. Von Sinnenmotten und Eulenspiegeln. Vom Spielen.
Manhenke arbeitete als Schauspieler, Theaterregisseur, Autor und Schauspiellehrer u. a. am Volkstheater Rostock, am Theater Plauen, am Mecklenburgischen Landestheater Parchim, am Theater und Orchester Heidelberg und am Deutschen Staatstheater Temeswar. Bis 2000 war er Direktor des Theaters der Hansestadt Wismar, bevor er nach Leipzig wechselte, wo er als Professor für Schauspiel an die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ berufen wurde. Von 2002 bis 2024 war Ulf Manhenke Senator dieser Hochschule. In dieser Zeit gelang es ihm, u. a. mit Unterstützung des damaligen Rektors Robert Ehrlich, die Gründung des Schauspielinstituts „Hans Otto“ an der HMT zu initiieren. Damit erlangte die Leipziger Schauspielausbildung den Ehrennamen der 1992 abgewickelten Theaterhochschule Leipzig zurück. Mehrere Jahre war Manhenke stellvertretender Studiendekan dieses Instituts.
Von Manhenke mit Hilfe von Studierenden in einem vielbeachteten Buch zusammengetragene Beobachtungen bestätigen nach Hans-Joachim Maaz (Vorwort), dass Schauspiel zu studieren ein befreiender, psychotherapeutischer Prozess sein kann, da die Chance, Rollen zu spielen, es ermöglicht, unerweckte, tabuisierte oder gar verbotene Persönlichkeitsanteile ins Leben zu holen und zu entfalten. In einem Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk bezeichnete Manhenke seine Arbeit und den Umgang an der Leipziger Schule untereinander als „Gegenmodell zu Welt“.
„Ich glaube, kein neueres Buch über die Ausbildung von Schauspielern hat das Ineinanderfließen von menschlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Prozessen besser beschrieben als „Kein Phönix ohne Asche“… Es ist ein Plädoyer für die Freiheit der Kreativität von kommerziellen und ideologischen Zwecken und… vor allem dafür, zu sich selbst zu stehen und sich zu entwickeln.“
„Dieses Buch eröffnet einen poetischen Dialog… Es lässt sich als Liebeserklärung an die Sehnsucht des Menschen nach Selbsterkenntnis und an die darin vermutete Selbstbestimmung lesen wie auch als Provokation. Es beschreibt Spielen und Theater als gewaltfreien Konfliktraum, in dem sich der originäre Mensch allen Widersprüchen seiner Existenz stellen kann, ohne von ihnen vernichtet zu werden. Es liest sich wie ein Gedicht und hallt nach wie ein Manifest.“
Verschiedene Texte Manhenkes wurden von Olaf Hilliger und Frank Raschke vertont und von der Künstlergemeinschaft „apluso“ und der Leipziger Schauspielbrigade veröffentlicht.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Manhenke, Ulf |
| ALTERNATIVNAMEN | Manhenke, Ulf Hagen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 21. Mai 1964 |
| GEBURTSORT | Oranienburg, Bezirk Potsdam, DDR |