Ulrich Stutz

Ulrich Stutz um 1900

Ulrich Stutz (* 5. Mai 1868 in Zürich; † 6. Juli 1938 in Berlin) war ein schweizerisch-deutscher Rechtshistoriker und Kirchenrechtler.

Leben

Ulrich Stutz gilt als einer der bedeutendsten Kirchenrechtshistoriker des 20. Jahrhunderts. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Zürich und Berlin und wurde 1892 in Berlin promoviert. 1894 erhielt er die Venia Legendi für Rechtsgeschichte an der Universität Basel. 1896 wurde er Professor für Recht und Kirchenrecht in Freiburg. Von 1904 bis 1917 lehrte er an der Universität Bonn, baute das Kirchenrechtliche Institut an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät auf und legte die Grundsteine der Entwicklung der historischen Kanonistik. Von 1917 bis zu seiner Emeritierung 1936 lehrte er als ordentlicher Professor an der Berliner Universität Deutsches Recht und Kirchenrecht. Er leitete das Institut für Kirchenrecht; von ihm stammt die Charakterisierung des noch immer geltenden Staatskirchenrechts aus der Weimarer Reichsverfassung als „hinkende Trennung“. Des Weiteren ist er Urheber des Begriffs Eigenkirche; Stutz hat wesentlich zum Verständnis der frühmittelalterlichen Verflechtung von fränkisch-weltlicher und weströmisch-kirchlicher Macht beigetragen. Zu seinen Schülern zählen u. a. Johannes Heckel, Adalbert Erler und Detmar Philippi sowie der Kirchenrechtshistoriker Franz Gescher, dessen Dissertation von 1919 Stutz als 95. Heft seiner Reihe Kirchenrechtliche Abhandlungen publizierte.

Politisch exponierte Stutz sich trotz seiner Schweizer Herkunft als „rabiater deutscher Nationalist“ (Gustav Mayer). Er blieb auch nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs Monarchist und brachte diese Überzeugung alljährlich am 27. Januar (dem Geburtstag Wilhelms II.) in seiner Vorlesung mit einer Huldigung an den im Exil lebenden Kaiser zum Ausdruck.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Ehrungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Commons: Ulrich Stutz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Ulrich Stutz: Die päpstliche Diplomatie unter Leo XIII. Nach den Denkwürdigkeiten des Kardinals Domenico Ferrata (= Abhandlungen der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Jg. 1925, Nr. 3/4, ZDB-ID 210015-0). de Gruyter u. a., Berlin 1926, S. 54.
  2. ↑ Reimund Haas: „Gescherianum“ – Rheinische Kirchenrechtsgeschichte des Mittelalters in Köln und Breslau. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013 (2014), S. 311–325.
  3. ↑ Georg May: Franz Gescher nach seinen Briefen an Ulrich Stutz. In: Zeitschrift für Rechtsgeschichte. Band 99, Kanonistische Abteilung 68, 1982, S. 419–440.
  4. ↑ Michael Grüttner u. a.: Die Berliner Universität zwischen den Weltkriegen 1918–1945. Berlin 2012 (= Geschichte der Universität Unter den Linden, Bd. 2), S. 19 f. und 154 f.
  5. ↑ Mitgliedseintrag von Ulrich Stutz bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 25. Januar 2026.
  6. ↑ Mitglieder – historisch: Ulrich Stutz. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 25. Januar 2026.
  7. ↑ Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 236.
Personendaten
NAME Stutz, Ulrich
KURZBESCHREIBUNG deutsch-schweizerischer Jurist und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 5. Mai 1868
GEBURTSORT Zürich
STERBEDATUM 6. Juli 1938
STERBEORT Berlin