Ulrich Bausch

Ulrich Bausch (2020)

Ulrich M. Bausch (* 15. Oktober 1959 in Bönnigheim) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler. Bausch war 28 Jahre lang Geschäftsführer der Volkshochschule Reutlingen.

Werdegang

Von 1979 bis 1981 war Bausch Sozialarbeiter in Los Angeles und betreute Drogenabhängige, die er auch vor Gericht als Gutachter vertrat.

Nach seinem Studium der Politikwissenschaften, Empirischen Kulturwissenschaft und Rechtswissenschaften arbeitete er von 1986 bis 1990 als Filmemacher für den Süddeutschen Rundfunk (SDR). Vor allem drehte er regionalgeschichtliche Features und Porträts über Philosophen. Seine Arbeiten über Schopenhauer und Nietzsche wurden bundesweit ausgestrahlt.

1991 promovierte er bei Hermann Bausinger und Hans-Georg Wehling mit der Doktorarbeit „Die Kulturpolitik der US-amerikanischen Information Control Division in Württemberg-Baden von 1945 bis 1949. Zwischen militärischem Funktionalismus und schwäbischem Obrigkeitsdenken“, verlegt bei Klett-Cotta. In der Folge war Bausch verschiedentlich für das amerikanische Militär als Dozent tätig.

1998 übernahm er die Geschäftsführung der Volkshochschule Reutlingen, die er bis 2025 leitete. Er erweiterte deren Geschäftsfeld. Mit rund 100.000 Unterrichtseinheiten pro Jahr ist sie heute eine der größten Volkshochschulen Deutschlands.

Um die Erwachsenenbildung jenseits des klassischen VHS-Publikums voranzubringen, entwickelte er gemeinsam mit der VHS Reutlingen ein Sub-Marken-Konzept. In der Folge gründete Bausch das Business & Management Institut Reutlingen, die Reutlinger Gesundheitsakademie und die Design+Kunst Akademie Reutlingen.

Als Geschäftsführer des Vereins für Volksbildung war er verantwortlich für die die Musikschule Reutlingen, die Sternwarte Reutlingen und das Reutlinger Abendgymnasium. Er war ebenfalls Vorsitzender des Netzwerkes für berufliche Fortbildung Reutlingen/Tübingen und Sprecher der baden-württembergischen Netzwerke im Ministerium für Wirtschaft und Finanzen.

2005 gründete Bausch gemeinsam mit dem Reporter Philipp Maußhardt und der Agentur Zeitenspiegel die Reportageschule Reutlingen.

Gemeinsam mit der Reportageschule und der Fotoagentur Magnum kuratierte Bausch mehrere Ausstellungen. „Wunden der Welt“ thematisierte 2012 die Krisen- und Kriegsfotografie der Agentur Magnum. 2015 folgten Buch und Ausstellung zum Thema „Odyssee Europa“, die Flüchtlingsbewegungen in Europa seit 1945 nachspürte. Die Ausstellung wurde in zahlreichen deutschen Städten sowie in Zürich und Paris gezeigt.

Kontrovers werden sein Verhalten und seine einleitenden Worte anlässlich eines Vortrages von Gabriele Krone-Schmalz am 14. Oktober 2022 bei der VHS Reutlingen diskutiert. Osteuropa-Experte Klaus Gestwa äußerte in einem Interview Kritik an diesem Vortrag, anschließend wurde ihm von Seiten Bauschs mit juristischen Schritten gedroht.

Politik

Bausch ist Mitglied der SPD und kandidierte bei der Bundestagswahl 2021 als Direktkandidat der SPD im Bundestagswahlkreis Reutlingen. Bausch gehört innerparteilich zu den Kritikern des Kurses von Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius im Ukraine-Krieg. Zusammen mit dem damaligen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und dem Tübinger Politikwissenschaftler Thomas Nielebock gehört er zu den Gründern der Initiative Aufbruch zum Frieden, die sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und eine Verständigungslösung mit Vladimir Putin ausspricht. Er wendet sich gegen höhere Ausgaben für die Bundeswehr. Bei einer seiner Rede auf dem Ostermarsch im April 2026 in Alpirsbach sprach er den USA und der NATO-Osterweiterung eine Teilverantwortung für den Ukraine-Krieg zu. „Das amerikanische Streben nach Weltherrschaft“ bezeichnet Bausch als eigentliche Ursache des Angriffs Russlands auf die Ukraine.

Ehrenämter

Bausch ist Mitgründer der Kinogenossenschaft Kamino und ist Aufsichtsratsvorsitzender des Programmkinos Reutlingen

Ebenfalls seit 1999 ist er Stiftungsvorstand der Dr. Rainer Märklin Stiftung, die Kinder fördert, die ein Musikinstrument lernen oder Malkurse besuchen wollen.

Seit 2014 ist er Vorsitzender des Beirats für Gesellschaft, Politik, Soziales der Evangelischen Akademie Bad Boll.

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. ↑ https://www.gea.de/reutlingen_artikel,-reutlinger-spd-w%C3%A4hlt-mit-dr-ulrich-bausch-ihren-bundestagskandidaten-_arid,6415612.html Reutlinger SPD wählt mit Dr. Ulrich Bausch ihren Bundestagskandidaten
  2. 1 2 Ulrich M. Bausch: Die Kulturpolitik der US-amerikanischen Information Control Division in Württemberg-Baden von 1945 bis 1949 : zwischen militärischem Funktionalismus und schwäbischem Obrigkeitsdenken. Klett-Cotta, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-91369-6.
  3. ↑ https://www.gea.de/reutlingen_artikel,-reutlinger-vhs-chef-dr-ulrich-bausch-freundschaftlich-verabschiedet-_arid,7036050.html Reutlinger VHS-Chef Dr. Ulrich Bausch freundschaftlich verabschiedet
  4. ↑
  5. ↑ Julia Spiegl: Das Netzwerk für berufliche Fortbildung Reutlingen / Tübingen. Abgerufen am 19. Februar 2021.
  6. ↑ Menschen in Fotos erklären. Südwest Presse Online-Dienste GmbH, 15. März 2012, abgerufen am 19. Februar 2021.
  7. ↑ Odyssee Europa – Flucht und Zuflucht seit 1945. Abgerufen am 19. Februar 2021.
  8. ↑ "Odyssee Europa". Südwest Presse Online-Dienste GmbH, 26. Juni 2015, abgerufen am 19. Februar 2021.
  9. ↑ Gabriele Krone-Schmalz geht mit Anwälten gegen Kritikerin vor. 8. November 2022, abgerufen am 13. November 2022.
  10. ↑ Kritik an "Putin-Versteherin" Russland-Experten entsetzt über Vortrag von Krone-Schmalz. 31. Oktober 2022, abgerufen am 7. Dezember 2022.
  11. ↑ https://www.aufbruch-zum-frieden.de/ Internetauftritt Aufbruch zum Frieden
  12. ↑ https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026/reden/ulrich-bausch-alpirsbach Redebeitrag für den Ostermarsch Alpirsbach am 4. April 2026
  13. ↑ Zur Genossenschaft | KAMINO // Programmkino Reutlingen eG. Abgerufen am 19. Februar 2021.
  14. ↑ Dr. Rainer Märklin Stiftung // Nutzen. Abgerufen am 19. Februar 2021.
  15. ↑ Kuratorium/Beiräte: Ev. Akademie Bad Boll. Abgerufen am 19. Februar 2021.
  16. ↑ Schöngerechnet. Abgerufen am 19. Februar 2021.
  17. ↑ Reinhold Weber: Baden-württembergische Erinnerungsorte : [zum 60. Jahrestag der Gründung des Landes Baden-Württemberg am 25. April 1952]. Kohlhammer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-17-021739-3.