Ulrich Engelmann ist 1944 in Meiningen geboren und aufgewachsen. Sein Interesse für Theater entdeckte er früh: Als Grundschüler besuchte er ein Puppentheater-Gastspiel in der Aula der Theo-Neubauer-Schule (heute: Schule am Pulverrasen) und inszenierte anschließend für seine Geschwister regelmäßig eigene Puppentheatervorstellungen. Sein Bühnendebüt hatte er 1959 als Statist bei Fidelio am Meininger Theater (Musikalische Leitung: Rolf Reuter, Regie: Alexander Reuter).
Nach seinem Abitur bewarb sich Engelmann an der Theaterhochschule Leipzig um einen Studienplatz. Da er die Aufnahmeprüfung im ersten Anlauf nicht bestand, arbeitete er zunächst als Beleuchter. Im zweiten Anlauf bestand er die Aufnahmeprüfung.
Im September 1965 fand im GST-Lager Tambach-Dietharz eine Luftschutzbelehrung für Studenten der Theaterhochschule Leipzig und des Pädagogischen Institutes Mühlhausen statt. Diese geriet nach einer Viertelstunde durch den Protest der Studenten aus der Bahn, führte zu einer Diskussion über sozialistische Demokratie und zu einem von 138 Studenten unterschriebenen Brief an die Studentenzeitschrift „Forum“. Als einer der Wortführer wurde Engelmann daraufhin zum Grundwehrdienst der NVA einberufen, mitten im Studium und außerhalb der beiden in der DDR üblichen Termine.
Ende der 1960er-Jahre wurde Engelmann von Wolfgang Heinz ans Deutschen Theater zunächst als Regieassistent und Schauspieler engagiert, später als Regisseur. Er fertigte Probennotate zu Prozess in Nürnberg von Rolf Schneider (Regie: Wolfgang Heinz), das 1967 am Deutschen Theater als erstes Dokumentartheaterstück der DDR uraufgeführt wurde. Engelmann selbst inszenierte in den 1970er-Jahren hauptsächlich Komödien, die beim Publikum und bei der Kritik beliebt waren: So wurden von 1972 bis 1980 allein 300 Vorstellungen seiner Inszenierung Das Pflichtmandat von John Mortimer gespielt.
Parallel zu seiner Regietätigkeit am Deutschen Theater Berlin unterrichtete Ulrich Engelmann an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (später: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) und inszenierte zahlreiche Studioinszenierungen mit Schauspielstudierenden am bat-Studiotheater. Mehrere seiner Inszenierungen wurden als Fernsehspiele aufgezeichnet und im DDR-Fernsehen gesendet.
Nach der Wende inszenierte Ulrich Engelmann seltener und hauptsächlich Musiktheater (u.a. am Bremer Theater), wurde zum Professor berufen und unterrichtete weiterhin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. 1990 lud Giorgio Strehler zu einer einwöchigen Konferenz über Schauspielausbildung nach Mailand ein, auf der Engelmann einen der Hauptvorträge hielt.
1974: Die falsche Münze von Maxim Gorki, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele
1975: Provinzanekdoten–Die Geschichte mit dem Metteur–Zwanzig Minuten mit einem Engel von Alexander Wampilow, Deutsches Theater Berlin – Kleine Komödie
↑Ulrich Engelmann:"Prozeß in Nürnberg" von Rolf Schneider. Stoff, Genre, Stück. In: Theater der Zeit. Nr.24. Berlin 1967, S.27f.
↑Klaus H. Hilzinger:Die Dramaturgie des dokumentarischen Theaters (=Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte. Band15). Tübingen 1976, S.144.
↑Zweimal Jubiläum. In: Neue Zeit. Nr.269. Berlin 14.November 1980, S.4.
↑Achim Klünder:Lexikon der Fernsehspiele 1978-1987 = Encyclopedia of television plays in German speaking Europe 1978-1987 (=Bild- und Tonträger-Verzeichnisse. BandIII, Nr.20). München 1991, S.240.