
Ulrich Jumar (* 9. August 1959 in Magdeburg) ist ein deutscher Ingenieur und Professor für Prozessautomatisierung. Er gehört zu den Pionieren des praxisorientierten Regelungsentwurfs für Mehrgrößensysteme mit innovativen Anwendungen und ist Mitbegründer, Vorstandsvorsitzender und Leiter der außeruniversitären Forschungseinrichtung „Institut für Automation und Kommunikation“ (ifak) in Magdeburg.
Ulrich Jumar ist als einziges Kind des promovierten Chemikers Alfred Jumar und der Apothekerin Marie-Luise Jumar, geb. Balzer in Magdeburg geboren und aufgewachsen. Hier besuchte er eine Polytechnische Oberschule und anschließend die Erweiterte Oberschule Humboldt, an der er 1978 das Abitur erworben hat. Unmittelbar nach dem Abitur folgte eine vorübergehende Tätigkeit in der Abteilung Mess- und Regeltechnik der Chemischen und Pharmazeutischen Fabriken „Fahlberg-List“ Magdeburg, die für seine spätere Studienorientierung mitbestimmend war.
Von 1978 bis 1983 absolvierte er ein Hochschulstudium in der Grundstudienrichtung Elektroingenieurwesen, Fachrichtung „Technische Kybernetik und Automatisierungstechnik“, an der Technischen Hochschule „Otto von Guericke“ Magdeburg (THM), Sektion Technische Kybernetik und Elektrotechnik (TK/ET). Er wählte die Vertiefungsrichtung Regelungstechnik, die an der THM bereits seit 1960 existiert (Gründer: Heinrich Wilhelmi).
Seine Studienzeit am Wissenschaftsbereich „Regelungstechnik und Prozesssteuerung“ fällt mit größeren personellen Veränderungen zusammen durch das Ausscheiden von vier Hochschullehrern: Herbert Ehrlich (1975 nach Leipzig), Heinz Töpfer (1978 nach Dresden), Werner Kriesel (1979 nach Leipzig), Siegfried Rudert (1980 verstorben). Als neue Professoren wurden berufen: zunächst 1978 Ulrich Korn auf den Lehrstuhl „Regelungstechnik“ und später 1981 Peter Neumann auf den Lehrstuhl „Geräte und Anlagen der Automatisierungstechnik“. Die Leitung des Wissenschaftsbereiches wechselte 1978 von Heinz Töpfer auf Siegfried Rudert. Zwischen 1980 und 1985 war dann Ulrich Korn in der Nachfolge des unerwartet verstorbenen Siegfried Rudert zugleich als Leiter des Wissenschaftsbereiches tätig; danach übernahm Peter Neumann diese Funktion.
1983 beendete Jumar sein Studium als Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) an der THM unter dem Rektorat von Reinhard Kurt Probst in der Sektion Technische Kybernetik und Elektrotechnik mit dem Sektionsdirektor Reinhold Krampitz. In seiner Diplomarbeit hat er sich unter der wissenschaftlichen Anleitung des Professors für Regelungstechnik Ulrich Korn mit Algorithmen zur Mehrgrößenregelung befasst.
Hieran schloss Jumar ein Forschungsstudium am Wissenschaftsbereich Regelungstechnik und Prozesssteuerung an, sein wissenschaftlicher Betreuer war Ulrich Korn. Die Forschungen richteten sich auf das Gebiet der Theorie robuster und selbsteinstellender Regelungen. Die praktische Erprobung seiner Forschungsergebnissen hat Jumar bei einer Industrietätigkeit vorgenommen, die er in dem Betrieb „Petrochemie und Kraftstoffe“ in Schwedt an der Oder durchführte, einem Zentrum der petrochemischen Großindustrie mit Anschluss an eine Erdölpipeline aus der damaligen Sowjetunion, die aus dem heutigen Russland weiterhin gespeist wird.
Im Jahr 1986 erfolgte seine Promotion mit einer unter der Betreuung von Ulrich Korn angefertigten Dissertation über „Robuste Tuning-Mehrgrößenregler mit PI-Charakter“; Verleihung des akademischen Grades Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.) und Erteilung des Gesamturteils „Mit Auszeichnung - summa cum laude“ durch die Fakultät für Technische Wissenschaften der TH Magdeburg (Dekan: Manfred Strümke).
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Wissenschaftsbereich Regelungstechnik und Prozesssteuerung unter Mitwirkung von Peter Neumann und Ulrich Korn in das „Institut für Automatisierungstechnik“ (IFAT) überführt und weiter ausgebaut auf etwa 30 Mitarbeiter bei 4 Lehrstühlen.
Im Zeitraum von 1985 bis 1992, der insbesondere auch durch die Wiedervereinigung gekennzeichnet war, erfolgte die Lehr- und Forschungstätigkeit von Jumar als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, zuletzt in dem von Peter Neumann und Ulrich Korn neu gegründeten „Institut für Automatisierungstechnik“ (IFAT) der Fakultät für Elektrotechnik an der Technischen Universität „Otto von Guericke“ Magdeburg. Diese Phase konnte Jumar im Jahr 1992 abschließen mit einem Forschungs- und Studienaufenthalt am King’s College der University of London, Department of Electronic and Electrical Engineering. Hier konzentrierte sich seine Arbeit auf die Thematik „Neue Konzepte zur automatischen Einstellung von Prozessreglern mit Hilfe Künstlicher Neuronaler Netze und Methoden der Fuzzy Logic“, und er führte weiterhin Forschungen zu wissensbasierten Systemen durch.
Der anschließende Zeitraum von 1992 bis 2005 war durch seine wissenschaftliche Tätigkeit und leitende Funktionen im außeruniversitären Forschungsinstitut ifak e. V., Magdeburg geprägt:
Mit Jahresbeginn 2005 wurde Jumar als Vorstandsvorsitzender und Institutsleiter des ifak gewählt und trat in diesen Funktionen die Nachfolge von Peter Neumann an. In beiden Funktionen wurde Christian Diedrich der Stellvertreter von Jumar. Seit April 2005 ist Jumar gleichzeitig als Honorarprofessor für Prozessautomatisierung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wirksam. Als Leiter des An-Instituts ifak wurde Jumar mit der Bestellung zum Honorarprofessor auf Beschluss des Senats der Universität die korporationsrechtliche Stellung eines beamteten Professors in der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik übertragen.
Jumar hat nahezu 100 Publikationen zum Fachgebiet Regelungs- und Automatisierungstechnik sowie durch Mitautorenschaft in Fachbüchern veröffentlicht. Langjährig wirkt Jumar in der wissenschaftlichen Leitung von Tagungsreihen und Kongressen: VDI-Kongress AUTOMATION in Baden-Baden, DWA-Tagung Mess- und Regelungstechnik in abwassertechnischen Anlagen, EKA – Entwurf komplexer Automatisierungssysteme, KOMMA Jahreskolloquium Kommunikation in der Automation, SIMBA-Treffen der deutschsprachigen Simulationsanwender im Bereich abwassertechnischer Systeme.
Im ifak haben neben Ulrich Jumar noch weitere Professoren ihre Wurzeln: Rudolf Mecke (Hochschule Harz, Wernigerode), Anatoli Makarov (Hochschule Magdeburg-Stendal), Stephan Kühne (Hochschule Zittau/Görlitz), René Simon (Hochschule Harz, Wernigerode), Jörg Auge (Hochschule Magdeburg-Stendal), Martin Wollschlaeger (Technische Universität Dresden), Bernd Henning (Universität Paderborn), Robert Hoyer (Universität Kassel), Jürgen Jasperneite (Hochschule OWL, Lemgo) sowie Christian Diedrich (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg).
Ulrich Jumar ist seit 1986 mit der Ärztin Michaela Jumar, geb. Seefeldt verheiratet. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Kinder: Tochter Agnes (geb. 1987) und Sohn Richard (geb. 1989).
Die Lehrtätigkeit von Ulrich Jumar an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg umfasst (Stand 2015):
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jumar, Ulrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ingenieur und Professor für Prozessautomatisierung |
| GEBURTSDATUM | 9. August 1959 |
| GEBURTSORT | Magdeburg |