Ulrike Felt (* 1957) ist eine österreichische promovierte Physikerin und Wissenschaftsforscherin. Sie war von 1983 bis 1988 am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf tätig, ab 1989 an der Universität Wien: zunächst an deren Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung. Von 2004 bis 2021 war sie im Vorstand des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung (Bezeichnung von 2004 bis 2012: Institut für Wissenschaftsforschung) der Universität Wien mit einer Unterbrechung von 2014 bis 2018, als sie Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Wien war.
Felt studierte Physik, Mathematik und Astronomie und promovierte 1983 in theoretischer Physik an der Universität Wien. Anschließend forschte sie von 1983 bis 1988 am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf. In dieser Zeit vertiefte sich ihr Interesse an der sozialwissenschaftlichen Forschung; sie kehrte 1989 an die Universität Wien zurück und war am Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung tätig. 1997 habilitierte Felt, seit 1999 ist sie Professorin für Wissenschafts- und Technikforschung an dem von Helga Nowotny gegründeten Institut. Sie wurde 2004 Institutsvorständin des neu gegründeten Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung.
Felt war Gastprofessorin an der Université du Québec à Montréal, am Maison des Sciences de l’Homme in Paris, an der Universität Straßburg, am Collegium Helveticum der ETH Zürich und an der Universität in Antwerpen. Von 1994 bis 1999 war sie Mitglied im Vorstand der European Association for the Study of Science and Technology (EASST), sowie von 2002 bis 2004 in der Society for the Social Studies of Science (4S). Von Juli 2002 bis Juni 2007 war sie Herausgeberin des internationalen peer-reviewten Journals Science, Technology, & Human Values. Felt war Mitgründerin des 2009 gestarteten Masterprogrammes Science – Technology – Society an der Universität Wien. Von 2014 bis 2018 war sie Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften dieser Universität.
Zu Felts Forschungsinteressen zählen die Entstehung und Interaktion verschiedener Wissensformen, Wissenschaftskommunikation, Partizipation und Governance von Technowissenschaften mit dem Schwerpunkt Biomedizin, Lebenswissenschaften und Nanotechnologien, Wissenspolitik und die Beziehungen von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft.
2019 wurde sie zum Mitglied der Academia Europaea gewählt.
Ulrike Felt ist international bekannt für ihre Arbeiten in der Wissenschafts- und Technikforschung, insbesondere in den Bereichen der Wissenschaftsgovernance, der Wissensproduktion sowie der Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sie untersucht, wie wissenschaftliches Wissen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten entsteht, bewertet und genutzt wird. Ein zentraler Fokus ihrer Forschung liegt auf den sozialen, politischen und kulturellen Dimensionen von Wissenschaft und Technologie.
Seit 2022 leitet Felt das ERC-Projekt „Innovation Residues: Modes and Infrastructures of Caring for our Longue-durée Environmental Futures“, das durch einen Advanced Grant des European Research Council (ERC) gefördert wird. Das Projekt untersucht die Hinterlassenschaften großer wissenschaftlicher und technologischer Innovationen und analysiert, wie diese „Innovation Residues“ – seien es physische Objekte, Daten, institutionelle Strukturen oder Governance-Modelle – zukünftige Umweltverantwortung und langfristige gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen können. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, wie diese Relikte bewahrt und genutzt werden, um nachhaltige und gerechte Zukünfte zu gestalten.
Ulrike Felt hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel und Bücher veröffentlicht, die sich mit Themen wie der partizipativen Wissenschaft, der gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft sowie der Dynamik wissenschaftlicher Disziplinen beschäftigen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Felt, Ulrike |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Physikerin, Wissenschaftsforscherin |
| GEBURTSDATUM | 1957 |