Underground Comix

Underground Comics oder Comix sind ab den 1960er Jahren in US-amerikanischen und dann auch europäischen Klein- oder Selbstverlagen entstandene Comic-Books und von deren Tradition und Ästhetik geprägte Comics. Man kann Vorläufer der amerikanischen Comix-Bewegung am Anfang der 1960er Jahre ausmachen. Ihre Magazine und Verlage entstanden in den späten 1960er Jahren. Die Ursprünge waren vor allem in der Hippie-Metropole San Francisco, in Chicago – wo Skip Williamson und Jay Lynch die Bijoux Funnies produzierten – und in New York City.

Geschichte

Anfang 1968 erschien die erste Zap Comix-Ausgabe in San Francisco. Robert Crumb, S. Clay Wilson, die Künstler Robert Williams, Rick Griffin und Victor Moscoso veröffentlichten in Zap. Gilbert Shelton hatte schon in Texas satirische Comics veröffentlicht. Seine bekannten Figuren – Freak Brothers und Wunderwarzenschwein – entstanden nach dem Umzug nach San Francisco im Sommer 1968. Bill Griffith, der in New York für die East Village Other und Screw gearbeitet hatte, ging 1970 nach San Francisco. Er gab später mit Art Spiegelman „Arcade“ heraus, in der auch Justin Green Werke publizierte. Kim Deitch, Manuel „Spain“ Rodriguez und Vaughn Bodé arbeiteten in New York für die „EVO“. Bei der „EVO“ arbeitete auch Trina Robbins, bevor sie nach San Francisco zog. Viele Underground-Comickünstler beschäftigten sich nicht nur mit ihren eigenen Serien, sie trugen auch zu Comic-Anthologien bei. So enthielt zum Beispiel die von Terry Zwigoff herausgegebene „Funny Aminals“-Anthologie Arbeiten von Crumb, Griffith, Lynch, Spiegelman und Shary Flenniken.

Underground Comics behandelten Themen, die der Gegenkultur der 1960er wichtig waren. Sie waren generell gegen das Establishment gerichtet und befürworteten Themen wie die Selbstverwirklichung, die Anwendung bewusstseinsverändernder Drogen und das Brechen sexueller sowie jeglicher vorstellbarer Tabus. Die Schreibweise Comix wurde etabliert, um sich von den normalen Zeitungsstrips und Comic-Books abzuheben, die damals nur für Kinder gedacht waren. Im Gegensatz zu den Mainstream-Comics richteten sich Comix mit der expliziten Darstellung von Sex und Gewalt eindeutig an Erwachsene.

Die Bezeichnung „Underground Comics“ wurde zum ersten Mal vom Autor und Redakteur Bhob Stewart auf der New Yorker Comics-Convention 1966 verwendet. Während einer Diskussion mit Ted White und Archie Goodwin prophezeite Stewart die Geburt einer neuen Art von Comic: „I want to say that just as mainstream movies prompted underground films, I think the same thing is going to happen with comics. You will have underground comics just as you have had underground films.“

In Deutschland wurden Comix zuerst von Bernd Brummbär bei März und Melzer verbreitet. Auch durch die von Raymond Martins Volksverlag veröffentlichten „U-Comix“ verbreiteten sich diese Art Comics in Deutschland. Später wurde diese Entwicklung auch von dem Verlag „Zweitausendeins“ unterstützt. G. Shelton war im ersten U-Comix-Heft (1969) zeichnerisch vertreten. Robert Crumb brachte das erste Buch in Deutschland auf den Markt und war in allen Brumm Comix-Sammelbänden vertreten. Theo van den Boogaards „Anne und Hans kriegen ihre Chance“, das aus dem Niederländischen stammt, ist eine Porno-Graphic Novel (1970). Alle anderen wichtigen Künstler erschienen in Anthologien und in den U-Comix. Deren Sonderbände und „Extra-Hefte“ stellten in den 1970er Jahren das ganze Spektrum des amerikanischen Comix vor.

In den Vereinigten Staaten wurden Comix vor allem von den Headshops vertrieben, die Underground-Zeitungen, psychedelische Poster und Zubehör für den Drogenkonsum verkauften. Nach dem Ende des Vietnamkriegs und nach dem Ende eines starken gegenkulturellen Movements wurde der Verkauf von Drogenzubehör in weiten Teilen der Vereinigten Staaten verboten, und viele Head Shops wurden geschlossen. Dadurch versickerten die Vertriebskanäle der Comix. Das Jahr 1976 wird generell als das Ende des Underground Comics Booms gesehen, obwohl auch danach noch viele Künstler Werke erstellten. In den frühen 1980er Jahren begannen unabhängige Comicverlage, die sich nicht dem Comics Code unterwarfen, mit der Veröffentlichung von Comics, die an Erwachsene gerichtet waren und als alternative Comics die Nachfolge der Underground Comics antraten. Das sorgfältig produzierte großformatige RAW von Art Spiegelman und seiner Frau Françoise Mouly trat ab 1980 die Arcade Nachfolge an.

Das Etikett „Underground“ erhalten heute „alternative“ Comics, die den ursprünglichen Comix am ähnlichsten sind.

Liste von Underground Comics (Auswahl)

Verlage

US-Comix-Übersetzungen und deutsche Comix vor 1980

Einige Künstler der Sonderbände und Extrahefte (E+Nummer) waren: Vaughn Bodē (8,E6); Ron Cobb (5, 21, E1); Richard Corben (3, in7, E3); Robert Crumb (1). Rick Geary (28); Bill Griffith (23); Rand Holmes (22, E2); Jack Jackson (Jaxon) (10); Jay Kinney (32); Paul Kirchner (31); George Metzger (2, E9); Trina Robbins (13); Manuel „Spain“ Rodriguez (19); Dave Sheridan (6); Larry Todd (29); Larry Welz (35); S. Clay Wilson (20). Deutsche Künstler waren Mali [Beinhorn] und Werner [Büsch] (12, in 24, E4): Tomas M. Bunk (27); Bernd Pfarr u. Volker Reiche, Winfried Secker, Ingo Stein (in24); Niederländer: Theo van den Boogaard (25, E5); Harry Buckinx (34) und Evert Geradts (14, E7).

Die U-Comix-Sonderbände waren

U-Comix Extra

März Verlag

Brumm Comics im Melzer Verlag

Zweitausendeins

Rotbuch

Stroemfeld Verlag/Roter Stern

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Auch politische Karikaturen. Es gab zwei Bücher und ein Extraheft von Ron Cobb. Der hatte früh für die Los Angeles Free Press und andere Underground Zeitungen gearbeitet und war gegen den Vietnam-Krieg und manchmal für Ghetto-Aufstände zuhause. Nicht als Comic angesehen, aber formal und inhaltlich comicartig, war die Propagandakunst des Black Panther Party Kaders Emory Douglas für die Parteizeitung The Black Panther. Seine verstörenden Botschaften verzierten auch in Deutschland alle möglichen Publikationen. Das Huey P. Newton Taschenbuch im Frankfurter Verlag Roter Stern enthält Illustrationen von ihm.
  2. ↑ Theo van den Boogaard, ein profilierter Künstler lambiek.net wurde in Deutschland später vom Volksverlag veröffentlicht. Ans en Hans krijgen de Krans wurde 1970 bei P. J. Muller, in Amsterdam als Buch verlegt. Der Comic war in Aloha (vormals Hitweek) und im Kontaktmagazin Chick erschienen. Die Pornohefte Chick und Candy hatten in jedem Heft Comics, oft von interessanten Künstlern, wie Hans Borrebach.