
Die Unidad Popular (UP) war ein Wahlbündnis von linken chilenischen Parteien und Gruppierungen, das am 17. Dezember 1969 gegründet wurde. Im Bündnis vertreten waren die Sozialistische Partei Chiles (PS; Partido Socialista de Chile), die Kommunistische Partei Chiles (PCCh; Partido Comunista de Chile), die Radikale Partei (Partido Radical), die Sozialdemokratische Partei Chiles (PSD; Partido Social Democracia de Chile), die „Bewegung der einheitlichen Volksaktion“ (MAPU; Movimiento de Acción Popular Unitaria), die MAPU/OC, MAPU Arbeiter Bauer (ab 1972; MAPU Obrero Campesino), die „Unabhängige Volksaktion“ (API; Acción Popular Independiente) und die Christliche Linke Partei Chiles (IC, ab 1971; Partido Izquierda Cristiana de Chile).
Bei den Präsidentschaftswahlen am 4. September 1970 bekam der UP-Kandidat Salvador Allende mit 36,3 % die meisten Stimmen. Am 24. Oktober 1970 wurde Allende vom Nationalkongress in einer Stichwahl zum chilenischen Präsidenten gewählt, mit den Stimmen der Christdemokraten.

Die geplanten „vierzig ersten Maßnahmen“ der Regierung der Unidad Popular in Chile bildeten das Sofortprogramm der Regierung Salvador Allendes. Sie reflektieren die damals von der Linken getragene und teils auch in der Mitte des politischen Spektrums des Landes populäre Idee eines notwendigen Wandels im Staat. Das Programm umfasst zum Teil nur kosmetische Maßnahmen, aber auch tiefe Umwälzungen. Es entstand während der (vierten) Kandidatur Allendes zur Präsidentschaftswahl 1970 und wurde für den Wahlkampf in 40 Punkte gefasst.

Bei den Kommunalwahlen 1971 kam die UP auf 49,7 % der Stimmen.
Die bedingte Unterstützung durch die Christlichdemokratische Partei Chiles, welche die Bestätigung Allendes als Staatspräsidenten ermöglichte, verlief sich unter den Bedingungen einer zunehmenden politischen Polarisierung bald im Nichts. Die MIR stieß mit den konservativen Kräften zusammen und agitierte im Lande für gewaltsame Enteignungen der Latifundien. Die rechten Kräften besaßen eine Parlamentsmehrheit und konnten Allendes Gesetzesinitiativen bremsen oder gar blockieren.
Die Regierungskoalition Unidad Popular selber durchlebte innere Meinungsverschiedenheiten. Es sollte beachtet werden, dass sich während dieser Zeit sowohl die Sozialisten als auch Kommunisten zum Marxismus bekannten, die Sozialisten aber radikalere Politik trieben. Salvador Allende, sowie eine Minderheit der Sozialisten, unterstützte mäßigere und parlamentarische Politik, wobei er mit dem radikalsozialistischen Generalsekretär Carlos Altamirano der Sozialistischen Partei in Konflikt geriet. Im Allgemeinen beförderten die Kommunistische Partei, die Radikale Partei und die spätere (prokommunistische) Splittergruppe MAPU Obrero Campesino eher legalistische Politik und schrittweise Reformen, wobei sie auch einen Ausgleich mit der Christlichdemokratischen Partei anstrebten. Im Kontrast zu diesem Kurs stand die Linie der radikalen Mehrheit der Sozialistischen Partei und des radikalen Flügels der marxistisch-leninistischen MAPU und der Izquierda Cristiana, die einen revolutionären Durchbruch verlangten, der Parlamentsarbeit skeptisch gegenüberstanden und gewaltsame Aktionen nicht ausschließen.
Unter der Regierung der UP wurden grundlegende soziale Reformen in Chile eingeführt, die vor allem den bis dahin unterprivilegierten Schichten der Bevölkerung zugutekamen. Die Rechte der Arbeiter und der von Großgrundbesitzern abhängigen Landbevölkerung wurden gestärkt. Das Gesundheitswesen wurde reformiert und die medizinische Versorgung und allgemeine Grundversorgung mit lebensnotwendigen Gütern auch für Mittellose erleichtert. Die Alphabetisierung wurde forciert. Wichtige Schlüsselindustrien Chiles wie etwa die Kupferindustrie, bis dahin mehrheitlich in den Händen US-amerikanischer Konzerne, wurden verstaatlicht. Nachdem die USA daraufhin ein Handelsembargo über Chile verhängt hatten, kam es zu einer Wirtschaftskrise mit einer Inflationsrate bis über 60 %. Allende rief infolgedessen 1972 den Notstand aus.
Bei den Parlamentswahlen am 4. März 1973 kam die UP auf einen Stimmenanteil von 43,9 %. Die Volksfront blieb weiter in der Minderheit, konnte aber der Opposition zwei Sitze im Senat und sechs im Abgeordnetenhaus abnehmen. Die von den Oppositionsparteien erhoffte Zweidrittelmehrheit, die ihnen ermöglicht hätte, Allende vom Amt abzusetzen, kam damit nicht zustande. Die Sozialisten, die 1969 weniger Sitze erzielt hatten, als ihre kommunistischen und radikalen Alliierten, konnten diesmal ihre Sitze im Abgeordnetenhaus von 15 auf 27 fast verdoppeln, womit die Sozialistische Partei die stärkste Partei des linken Blockes wurde. Ihr Generalsekretär Altamirano meinte, „wir verweigern jede Konzession an die Bourgeoisie“.
Nach einem Aufruf des Parlaments zur drastischen Änderung der Politik der Regierung wurde die Regierung Allendes am 11. September 1973 durch das Militär unter Führung des von den US-amerikanischen Geheimdiensten unterstützten General Augusto Pinochet durch einen Putsch gestürzt. Bei dem Staatsstreich nahm sich Allende das Leben. Nach dem Militärputsch errichtete Pinochet eine Militärdiktatur unter seiner Führung, die die meisten Reformen der UP wieder rückgängig machte und auch die wirtschaftliche Dominanz der US-Konzerne über die chilenischen Schlüsselindustrien weitgehend wiederherstellte. Anhänger der Unidad Popular wurden zu Tausenden ermordet. Viele, die der Verfolgung durch Militärs und DINA entgehen konnten, mussten sich zur Rettung ihres Lebens ins Ausland absetzen.
Zeitgenössische Politiker wie auch marxistische Politikwissenschaftler und Historiker bezeichnen diese Koalition oft als „Volksfront“. In mindestens zwei Aspekten unterscheidet sich die Unidad Popular jedoch fundamental von der Frente Popular von 1936.