
Als Zulieferer, Zulieferant oder Unterlieferant werden Unternehmen und Betriebe bezeichnet, die materielle oder immaterielle Vorleistungen verschiedener Art herstellen oder liefern, die entlang einer Wertschöpfungskette von anderen Unternehmen bezogen, ggf. weiterverarbeitet und in Endprodukte integriert werden. Dabei spielt die Fertigungstiefe eine Rolle.
Zulieferer sind Unternehmen innerhalb der Produktwirtschaft und Teil einer Zulieferpyramide, die meist keine Endprodukte herstellen, sondern ihre Vorprodukte oder Vorleistungen an andere Unternehmen liefern, die diese weiterverarbeiten. Ein Beispiel: Die chemische Industrie bezieht einen Teil der Rohstoffe aus der Erdölindustrie (Erdgas, Raffineriegas, flüssige Kohlenwasserstofffraktionen, Schwefel) und verarbeitet diese zu Petrochemikalien weiter. Ein weiteres Beispiel: In der Halbleiterindustrie liefern Wafer-Hersteller an Halbleiterhersteller. Zulieferer treten damit als Lieferanten auf; zwischen den Unternehmen bestehen in der Regel Kundenbeziehungen. Schließlich gibt es auch Zulieferer von Zulieferern entlang der Zulieferpyramide oder als Teil der Lieferkette.
Zu den Zulieferunternehmen zählen beispielsweise Komponentenlieferanten für Markenhersteller und solche, die direkt die Erstausrüster (OEM) beliefern. Diese Abgrenzung ist jedoch unscharf, da auch große Unternehmen, die selbst Endprodukte verkaufen, in Teilen als Zulieferer agieren. Beispielsweise ist der Industriekonzern Panasonic seit etwa 2009 ein Zulieferer von Lithium-Ionen-Batterie-Technologie für den Elektroautohersteller Tesla. Aus Sicht Panasonics ist eine solche Vereinbarung eine Investition: Das Unternehmen kann als Fertigungsdienstleister seine Expertise in dieser Technologie gezielt weiterentwickeln und die Produktion beherrschen, während das Abnehmerunternehmen die Technologie in einem Endprodukt integriert und vermarktet.
Zu die Vorleistungen oder Vorprodukten zählen Rohstoffe, Grundchemikalien, Werkstoffe sowie Einzelteile, Bauteile, Apparate, Geräte und Teilsysteme zur Integration in spätere Produkte. All diese Waren und Leistungen werden gehandelt. Als Teil eines Prozess, spricht man auch von einer Beschaffung dieser Vorprodukte. Zulieferer sind jedoch primär produzierende Unternehmen, nicht reine Handelsunternehmen. Ein Stahlhersteller ist beispielsweise ein Zulieferer der Bauindustrie; umgekehrt bezieht die Bauindustrie Produkte von einem Stahlhersteller. Große Stahlkonzerne agieren jedoch oft in einem eigenen Wirtschaftssegment mit eigenen Zulieferern und Markenherstellern. Dies gilt auch für andere große Wirtschaftsbranchen. Zu den Zulieferer zählen beispielsweise:
Zwischen Zulieferern herrschen in der Regel hoher Wettbewerb und starker Kostendruck. Dieser kann innovationsgetrieben oder rein kostenorientiert sein, etwa wenn der Käufer den Lieferanten wechselt oder der Lieferant Produktion auslagert (Outsourcing und/oder Offshoring). Zulieferer befinden sich meist in räumlicher Nähe zu ihren Abnehmern. Durch die Globalisierung hat sich jedoch ein weltweites Netzwerk gebildet, das in Form von Lieferketten in Erscheinung tritt. Das Gegenteil wäre eine Nationalisierung oder Regionalisierung von Lieferanten, also Verlagerung der Beschaffung ins Inland oder in nahe Regionen.
Die Gesamtheit der Zulieferer nennt man aus Sicht der Produktionsplanung die Lieferkette. In der modernen Produktion machen die zugelieferten Teile meist einen Großteil sowohl des gesamten Produkts wie auch der Wertschöpfung aus. Die Lieferkette stellt sich im Allgemeinen stark verschachtelt dar und verzweigt sich international, was im Qualitätsmanagement und der Beschaffung eine besondere Herausforderung darstellt. In diesem Fall kommt das Lieferkettenmanagement als Methodik und Prozess zum Einsatz.
Abnehmer stellen daher meist hohe Anforderungen an die Qualität der Produkte der Zulieferer und verfolgen eine Beschaffungsstrategie und praktizieren ein Lieferantenbeziehungsmanagement. Dies gilt auch im Hinblick auf die Gesetze in diesem Umfeld, beispielsweise das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.
Zulieferer sind daran interessiert, ihre Vorprodukte an verschiedene Abnehmer zu verkaufen. Das ist jedoch nicht immer ohne Weiteres möglich, da Vorprodukte häufig kundenspezifisch für ein bestimmtes Endprodukt ausgelegt und hergestellt werden. Hinzu kommen vertragliche Vereinbarungen, die Abnehmer und Lieferant(en) einen geschäftlichen Rahmen vorgeben.
Beinahe jede Industrie besteht aus Zulieferern bzw. ist auf diese angewiesen. Einige bekannte Beispiels sind die Automobilindustrie (Automobilzulieferer), Bauwirtschaft, Luftfahrtindustrie, Chemieindustrie, Rüstungsindustrie, Computerindustrie bzw. Unterhaltungselektronik, Softwareindustrie, Lebensmittelindustrie uvm.