Upekkhā (Pali; Sanskrit: Upekṣā; wörtlich „Gleichmut“, auch „Gelassenheit“) ist ein zentraler Begriff der buddhistischen Geistesschulung. Der Terminus bezeichnet eine kultivierte innere Haltung ausgeglichener Nicht-Reaktivität, die von Weisheit getragen wird und sich von bloßer Gleichgültigkeit grundlegend unterscheidet.
Upekkhā nimmt im Lehrgebäude des Theravāda-Buddhismus eine herausragende Stellung ein: Es ist zugleich eines der Vier Unermesslichen (Brahmavihāra), eines der Sieben Erleuchtungsglieder (Bojjhanga), eine der zehn Vollkommenheiten (Pāramitā) sowie ein Glied der vierten meditativen Vertiefung (Jhāna).
Das Pali-Wort upekkhā leitet sich von upa (Annäherung, Nähe) und ikkhati (sehen, schauen) ab und bedeutet wörtlich „aus der Nähe hinschauen“.
Das Bedeutungsspektrum des Begriffs umfasst:
Als vierter der Vier Unermesslichen stellt Upekkhā die Vollendung des Geistes in grenzenloser Ausgeglichenheit dar. Gleichmut soll die „Weisheit der Gleichheit“ zum Ausdruck bringen: die Fähigkeit, alle Wesen als gleich zu betrachten und keine Unterschiede zwischen sich selbst und anderen zu machen.
Die Kommentartradition unterscheidet für jeden Brahmavihāra zwei Arten von Hindernissen:
Echter Gleichmut ist in Pañña verwurzelt, während Gleichgültigkeit aus Desinteresse oder Abneigung entspringt.
Als siebtes der Sieben Erleuchtungsglieder nimmt Upekkhā eine balancierende Rolle ein. Während die Achtsamkeit als vermittelndes Glied agiert, gehört Gleichmut zur beruhigenden Gruppe der Erleuchtungsfaktoren.
Upekkhā ist eine heilsame Geistesformation (saṅkhāra-kkhandha). Durch die Entfaltung von Gleichmut wird die vierte meditative Vertiefung (Jhāna) erreicht. In dieser Stufe sind lediglich Gleichmut und Sammlung (samādhi) anwesend. Sie bildet die Grundlage (pādaka-jjhāna) zur Erreichung der Höheren Geisteskräfte (Abhiññā).
Im Theravāda zählt Upekkhā als zehnte und letzte der Vollkommenheiten (dasa pāramī). In der Kommentartradition wird sie auf drei Ebenen unterschieden: als gewöhnliche, mittlere und höchste Vollkommenheit (upekkhā-paramattha-pāramī).
Im Mahāyāna entspricht Upekkhā dem vierten Brahmavihār. In der dortigen Liste der sechs Vollkommenheiten wird Gleichmut üblicherweise nicht als eigenständige Kategorie aufgeführt.