



Ursula Wiltshire Goodenough (* 1943) ist eine US-amerikanische Zellbiologin und Autorin. Sie ist insbesondere für ihre Forschung an einzelligen Eukaryoten sowie für ihre Beiträge zum spirituellen Naturalismus bekannt.
Ursula Goodenough studierte Biologie und schloss ihr Studium 1965 ab. Anschließend promovierte sie 1969 an der Harvard University im Bereich Biologie. Im Verlauf ihrer akademischen Karriere war sie Professorin für Biologie an der Washington University in St. Louis, wo sie über viele Jahre hinweg lehrte und forschte. Sie wurde dort 2017 emeritiert.
Sie untersuchte die molekularen Grundlagen und die Evolution der Lebenszyklusübergänge der begeißelten Grünalge Chlamydomonas reinhardtii. Sie hat Gene kloniert, die die Übergänge zwischen vegetativem Wachstum, Gametendifferenzierung und Zygotenentwicklung steuern. Dazu gehören Gene, die für die Gametendifferenzierung, die Partnererkennung und die uniparentale Vererbung der Chloroplasten-DNA verantwortlich sind. Sie hat auch Studien zur Lipidkörperbildung in Chlamydomonas begonnen, um einen Beitrag zu den internationalen Bemühungen zur Herstellung von Algenbiodiesel als Kraftstoff zu leisten. Sie und ihre Kollegen haben Bedingungen gefunden, die eine 60-fache Steigerung der Triacylglycerin-Biosynthese bewirken, und sie versuchen, die molekularen Signalwege und Umweltbedingungen zu identifizieren, die an diesem Stimulus beteiligt sind. Sie wollen die Produktion durch genetische Manipulation weiter steigern.
Ursula Goodenough zählt zu den bekanntesten Stimmen des religiösen Naturalismus. Ihr Kernanliegen ist es, ein wissenschaftliches Weltbild (Naturalismus) mit tiefen religiösen Emotionen wie Ehrfurcht, Dankbarkeit und Sinnstiftung zu vereinen, ohne dabei auf übernatürliche Erklärungen zurückzugreifen.
Sie ist Autorin des Buches Die heiligen Tiefen der Natur, das Kosmologie, Evolution und Zellbiologie untersucht, das Staunen und Ehrfurcht für die Natur und das Leben bekundet und vorschlägt, dass diese Haltung als Grundlage für eine globale Ethik dienen könnte, die sich auf Wissenschaft und Religion stützt.
Eckpunkte ihrer Philosophie sind:
Goodenough schlägt vor, die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Entstehung des Universums (Urknall) und die Evolution des Lebens als gemeinsamen Gründungsmythos der Menschheit zu betrachten. Diese Geschichte dient als Anker für das Verständnis unserer Existenz.
Obwohl sie als Molekularbiologin reduktionistische Methoden anwendet, betont sie, dass aus einfachen Bausteinen völlig neue, komplexe Eigenschaften entstehen (Emergenz).
Sie trennt das Religiöse von Dogmen und Gottglauben. Stattdessen definiert sie es über drei Achsen:
Für Goodenough benötigt das Heilige keinen Schöpfer. Die Fortführung des Lebens an sich bildet für sie einen heiligen Kreis, der keiner weiteren Rechtfertigung bedarf.
Für Goodenough ist das Bewusstsein nicht einfach da, sondern das Ergebnis einer langen Kette von Emergenzstufen. Jede Stufe nutzt die Bausteine der vorherigen, erzeugt aber völlig neue Eigenschaften:
In Zusammenarbeit mit dem Anthropologen Terrence Deacon argumentiert sie, dass das menschliche Bewusstsein durch die Emergenz von symbolischer Sprache und Kultur transformiert wurde. Während wir biologisch nur ein weiterer Affe sind, hat die Sprache eine mentale Welt erschaffen, die uns zu einer völlig neuen Form von Organismen macht.
1995 erhielt Goodenough den Founder's Day Distinguished Faculty Award der Washington University. Bereits 1986 und 1994 wurde sie von derselben Universität mit dem Faculty Teaching Award ausgezeichnet. 1999 erhielt sie den Senior Career Recognition Award der American Society for Cell Biology und wurde 2009 zum Fellow der American Women in Science und der American Academy of Arts and Sciences ernannt. 2013 wurde sie zudem Fellow der American Academy of Microbiology und 2017 Fellow der American Society for Cell Biology. 2022 verlieh ihr die Meadville School of Theology die Ehrendoktorwürde (Doctor of Letters Honoris Causa) und 2023 wurde sie Mitglied der National Academy of Sciences.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Goodenough, Ursula |
| ALTERNATIVNAMEN | Goodenough, Ursula Wiltshire (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Zellbiologin und Autorin |
| GEBURTSDATUM | 1943 |