Urteilstest

Urteilstests, Urteilsmethoden oder Urteilsverfahren sind solche psychologischen Tests, wo die Beantwortung in der Abgabe einer Einschätzung, eines Urteils besteht. „Urteilsmethoden sind Methoden, die ein Urteilsverhalten auslösen.“ „Dem paradigmatischen Methodensystem entsprechend können vier Datentypen unterschieden werden, Leistungsdaten, Urteilsdaten, Gestaltungsdaten und Deutungsdaten.“ Im Unterschied zu Leistungstests gibt es keine richtigen oder falschen Antworten, sondern es ist in der Regel die für einen Sachverhalt (eigenes Befinden, Selbstbild) zutreffendste Antwort auszuwählen. Die einzelnen Antworten können sich nach dem Grad der sozialen Erwünschtheit unterscheiden, das Zugeben sozial unerwünschterer Erlebens- und Verhaltensweisen (z. B. Symptome oder kleine menschliche Schwächen) kann bei Urteilsverfahren nur unter bestimmten Bedingungen erwartet werden (Die Beurteilungsbereitschaft muss vorliegen).

Beispiele

Beispiele für Items:

Typische Beurteilungsanforderungen sind

Die Beurteilung kann zweistufig (dichotom) oder mehrstufig sein. Beispiele für letzteres sind „nie – selten – manchmal – oft“ oder „trifft nicht zu – trifft etwas zu – trifft genau zu“.

Beurteilungsgegenstände können sehr mannigfaltig sein. (Persönlichkeitsmerkmale, Beschwerden, Interessen, Einstellungen, stimmungsbeschreibende Eigenschaften u. a.).

Abgrenzung

Beurteiler

Wichtig ist die Perspektive der zu diagnostizierenden Person. Unterschieden wird weiterhin, wer beurteilt. Eine „Selbstbeurteilung“ liegt vor, wenn die zu diagnostizierenden Person selbst über sich urteilt. Diese kann man anwenden, wenn die Bereitschaft und Fähigkeit zur adäquaten und unverzerrten Beurteilung vorhanden sind. Fremdbeurteilungen erfolgen hingegen durch Dritte. Das kann etwa bei Kindern durch Eltern, Lehrer, anderen Erziehungspersonen; Arbeitskollegen, Verhaltensbeurteilungen durch den Diagnostiker erfolgen. Widersprüche zwischen Selbst- und Fremdbeurteilung in Tests können gezielt diagnostisch zur Aufdeckung von Unterschieden genutzt werden. Etwa der Gießen-Test ermöglicht einen Vergleich des Selbstbildes in der Partnerschaft mit dem jeweiligen Fremdbild durch den Partner.

Arten von Urteilsmethoden

Urteilstendenzen und -fehler

Antworttendenzen können inhaltlich oder formal sein:

Inhaltliche Antworttendenzen

Formale Antworttendenzen

Beurteilungsfähigkeit

Für die Anwendung von Urteilstests muss auch eine ausreichende Beurteilungsfähigkeit vorhanden sein (Urteilsvermögen). Bei Kindern und Jugendlichen entwickelt sich die Fähigkeit zur Selbstreflexion erst ab einem bestimmten Alter („gelebtes – erlebtes – reflektiertes Leben“). Auch intellektuelle Fähigkeiten müssen ausreichend entwickelt bzw. nicht abgebaut sein (bei einem Einsatz im Rahmen der Diagnostik von Demenz). Pragmatisch setzen einige Tests einen Intelligenzquotienten von 80 voraus, der ggf. mitgetestet werden sollte.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Lothar Sprung, Helga Sprung: Methodenlehre der Psychologie: System und Geschichte. In: Zeitschrift für differentielle und diagnostische Psychologie. Beltz, 2000, S. 42, doi:10.1024//0170-1789.21.1.31 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. ↑ Lothar Sprung, Helga Sprung: Eine kurze Geschichte der Psychologie und ihrer Methoden. Profil Verlag, 2010, ISBN 978-3-89019-649-7, S. 178 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. ↑ Friedrich Sixtl: Messmethoden der Psychologie: theoretische Grundlagen und Probleme. 2. Auflage. Beltz, 1982, ISBN 3-407-54611-4, S. 32 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).