Uwe Danker

Uwe Danker 2013

Uwe Danker (* 14. Januar 1956 in Westerland auf Sylt) ist ein deutscher Historiker.

Leben

Uwe Danker begann nach seinem Abitur eine Lehrerausbildung mit u. a. den Fächern Geschichte und Soziologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die er 1981 mit dem Staatsexamen für das Höhere Lehramt abschloss. Danach setzte er seine Studien im Fach Geschichte fort und wurde 1986 mit einer Arbeit über das Thema Räuberbanden im Alten Reich promoviert. Seine Dissertation wurde summa cum laude bewertet und mit einem Preis der Universität ausgezeichnet. Anschließend arbeitete Danker ab 1986 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Von dort wechselte er im Juni 1988 auf die Position des Pressesprechers der SPD-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein.

Im Jahr 1994 wurde Danker als Professor an das Institut für Geschichte und ihre Didaktik der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg berufen. Verbunden war diese Position mit einem der drei Direktorenposten am 1992 neu gegründeten „Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte“ (IZRG) mit Sitz in Schleswig. Danker selbst hatte sich in den vorausgegangenen Jahren u. a. im „Beirat für Geschichte“ für die Gründung dieses Instituts eingesetzt, das sich vor allem der Aufarbeitung der NS-Geschichte in Schleswig-Holstein widmen sollte. Um das Verfahren zur Fortsetzung der zunächst befristeten Professur gab es (unter anderem aufgrund der fehlenden Habilitation) Differenzen zwischen Universität und Kultusministerium sowie innerhalb des IZRG, die mit der Verlängerung von Dankers Vertrag ihr Ende fanden. Zusammen mit Robert Bohn prägte Danker dann wesentlich die ersten Jahrzehnte der Arbeit des Instituts, das 2019 in „Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History (frzph)“ umbenannt wurde.

Seit 1985 ist Danker Vorstandsmitglied bzw. Vorsitzender der SPD-nahen Gesellschaft für Politik und Bildung Schleswig-Holstein und Mitherausgeber des regionalgeschichtlichen Jahrbuchs Demokratische Geschichte. Am 15. Juni 2022 wurde Uwe Danker nach 28 Jahren Forschung und Lehre an der Europa-Universität Flensburg im Rahmen eines Festaktes in den Ruhestand verabschiedet. Zu diesem Anlass erschien die Festschrift Wortmeldungen zur Zeit- und Regionalgeschichte. Danker lebt mit seiner Familie in Kronshagen bei Kiel. Er gilt in Schleswig-Holstein als einer „der angesehensten Historiker des Landes.“

Werk

Schwerpunkte von Dankers Arbeit bilden u. a. – vor allem mit Bezug auf Schleswig-Holstein – die regionale Zeitgeschichte, die Zeit des Nationalsozialismus mit ihrer Vor- und Nachgeschichte, historisches Lernen außerhalb der Schule sowie Geschichte in neuen Medien. Große Resonanz fand ab 1997 das Projekt Jahrhundertstory der Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages, des NDR-Hörfunks und –Fernsehens sowie des IZRG. Bürgerinnen und Bürger, insbesondere auch Schülerinnen und Schüler, sollten dazu ermutigt werden, regionale Geschichte und regionale Geschichten in Schleswig-Holstein zu erforschen. Ausgangspunkt waren insgesamt 40 Zeitungsartikel Uwe Dankers, in denen er über ausgewählte Ereignisse des 20. Jahrhunderts schrieb. Bei den jeweiligen reichbebilderten Artikeln waren Angaben über Quellen zu dem jeweiligen Thema zu finden, so dass es den Schülern möglich war, in ihrer Region darüber zu forschen. Der Verlag stellte eine Homepage zur Verfügung, in denen die jeweiligen Schüler-Projekte ihrer Erkenntnisse erst einmal online darstellen konnten. Gleichzeitig griffen NDR-Hörfunk und -Fernsehen einzelne Themen auf. An dem Projekt beteiligten sich 200 Projektgruppen von vielen Schulen Schleswig-Holsteins. Die Artikel Dankers und das Echo der Schüler wurden in einem dreibändigen Werk Die Jahrhundertstory festgehalten, das von 1998 bis 2000 erschien. Themen des ersten Bandes waren unter anderem „Die Jahrhundertwende“, „Der Erste Weltkrieg“, „Die Erste Landtagswahl 1947“, die „Auseinandersetzungen um das Kernkraftwerk Brokdorf“ und die „Schneekatastrophe“ des Winters 1978/79. Danker war fachlicher Berater und Interviewpartner der 2001 erschienenen NDR-Dokumentation Der Führer ging – die Nazis blieben – Nachkriegskarrieren in Norddeutschland.

Uwe Danker veröffentlichte 2007 – zusammen mit Astrid Schwabe – das Buch Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus, das für seine thematische Bandbreite, überregionale Einbindung sowie starke didaktisierende Struktur gelobt wurde. Der Band fand entsprechend seiner Konzeption weite Verbreitung, zum einen als Lehrbuch für den Geschichtsunterricht an den Schulen des Landes, zum anderen im Programm der Landeszentrale für politische Bildung sowie über den Buchhandel. 2012 erschien der zusammen mit Robert Bohn und Sebastian Lehmann-Himmel herausgegebenen Tagungsband Reichskommissariat Ostland. Tatort und Erinnerungsobjekt mit einem Beitrag Dankers über Hinrich Lohse, NSDAP-Gauleiter, Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein und Reichskommissar in den besetzten Ostgebieten im Baltikum und Weißrussland.

Eine Studie über die NS-Vergangenheit des politischen Führungspersonals in der Anfangszeit des Landes Schleswig-Holstein, die 2014 vom Schleswig-Holsteinischen Landtags in Auftrag gegeben und 2016 abgeschlossen wurde, erhielt bei ihrer Präsentation durch Danker vor dem Landtag „parteiübergreifend viel Lob.“ Die Ergebnisse publizierte er 2017 zusammen mit Sebastian Lehmann-Himmel in dem Band Landespolitik mit Vergangenheit. Eine anschließende Studie mit vergleichbarer Fragestellung widmete sich „anderen Trägergruppen aus der Kommunalpolitik, Landessozialverwaltung, Polizei sowie den Justizjuristen und Siedlungsexperten“ und wurde in zwei Bänden unter dem Titel Geteilte Verstrickung. Elitenkontinuitäten in Schleswig-Holstein veröffentlicht.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaften

Aufsätze in Zeitschriften

Literatur

Commons: Uwe Danker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Frank Omland: Akens-Vorstand – Der Streit am und über das IZRG. In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte. Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS), Heft 36, Oktober 1999, S. 71–72. Online-Version, abgerufen am 16. Januar 2018.
  2. ↑ Jörn Eckert: Berufungsszenen in Deutschlands Norden. "Keine Alternative zu transparentem Verfahren". In: Hochschulpolitik aktuell. 1/1999, S. 30–31.
  3. ↑ Trägerverein. Gesellschaft für Politik und Bildung Schleswig-Holstein e. V. In: heinemann-bildungsstaette.de. Abgerufen am 31. Dezember 2023.
  4. ↑ Die Herausgeber des regionalgeschichtlichen Jahrbuchs "Demokratische Geschichte". Abgerufen am 13. April 2013.
  5. ↑ „Ich spüre Konsens“ – Abschied von Uwe Danker. In: geschichte-s-h.de. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 16. Juni 2022, abgerufen am 31. Dezember 2023.
  6. ↑ Jürgen Küppers: Der Revolutionsstadt fehlt die Revolutionsstimmung. In: Kieler Nachrichten. 14. Dezember 2011.
  7. ↑ Prof. Dr. Uwe Danker (Seniorprofessor). Europa-Universität Flensburg, Institut für Gesellschaftswissenschaften und Theologie, Seminar für Geschichte, abgerufen am 2. Januar 2024.
  8. ↑ Friedhelm Caspari: 100 Jahre im Norden. In: Die Tageszeitung. 26. Januar 2000, ISSN 0931-9085, S. 24 (taz.de).
  9. ↑ Frank Omland: Großer Anspruch – und wie sieht es in der veröffentlichten Wirklichkeit aus? In: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte. Nr. 36, 1999, S. 107–111 (akens.org).
  10. ↑ Frank Bajohr: U. Danker u. a.: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Rezension. In: H-Soz-Kult. 14. März 2006, abgerufen am 1. Januar 2024.
  11. ↑ Joachim Szodrzynski: Rezension zu: Danker, Uwe; Schwabe, Astrid: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Neumünster, Wachholtz, 2005. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Band 92, 2006, ISSN 0083-5587, S. 171–174 (uni-hamburg.de).
  12. ↑ Uwe Kulm: NS-Vergangenheit. Schleswig-Holsteins Landtag und sein schweres Erbe. Schleswig-Holstein arbeitet die NS-Vergangenheit seiner Parlamentarier nach 1945 auf. Wie waren die Abgeordneten, aber auch Regierungsmitglieder in die NS-Zeit verstrickt? Eine nun veröffentlichte Studie belegt ein bislang nicht bekanntes Ausmaß und versucht zu erklären, wie es zu diesen Zahlen kam. In: Deutschlandfunk. 19. Januar 2017. (deutschlandfunk.de).
  13. ↑ Heike Stüben: Verdrängt statt aufgearbeitet. NS-Studie zum Landtag. In: Kieler Nachrichten. 27. April 2016 (archive.org).
  14. ↑ Ana Lena Werner: Rezension von: Uwe Danker / Sebastian Lehmann-Himmel: Landespolitik mit Vergangenheit. Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive nach 1945, Husum 2017. In: sehepunkte. Band 19, Nr. 4, 2019 (sehepunkte.de).
  15. ↑ Yves Müller: Rezension von: Uwe Danker (Hrsg.): Geteilte Verstrickung. Elitenkontinuitäten in Schleswig-Holstein, Husum: Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 2021. In: sehepunkte. Band 23, Nr. 7/8, 2023 (sehepunkte.de).
Personendaten
NAME Danker, Uwe
KURZBESCHREIBUNG deutscher Historiker
GEBURTSDATUM 14. Januar 1956
GEBURTSORT Westerland