Valentin Clastrier

Valentin Clastrier (* 1947 in Nizza, Frankreich; eigentlich Gérard Clastrier) ist ein französischer Musiker und Komponist, der auf zeitgenössische Musik und Avantgarde-Jazz für die Drehleier spezialisiert ist. Er spielt elektro-akustische Alto-Drehleier und wurde für seine Musik mehrfach ausgezeichnet.

Leben und Karriere

Clastrier wurde 1947 in Nizza in eine musikalische Familie geboren – sein Vater war Bariton. Ursprünglich klassisch ausgebildeter Gitarrist, spielte er in den 1960er Jahren für Künstler wie Jacques Brel und Ricet Barrier. Um 1970 entdeckte er die Drehleier und wandte sich dem Instrument zu, ohne die traditionelle Volksmusikpraxis zu übernehmen.

In Zusammenarbeit mit dem Instrumentenbauer Denis Siorat entwickelte er 1987 eine elektroakustische Drehleier mit 27 Saiten – weit mehr als die traditionell üblichen sechs Saiten des Instruments. 2006 schuf er mit Wolfgang Weichselbaumer eine neue Version seines Instruments, die akustische und digitale Techniken kombiniert und eine völlig neue Klangdynamik und Spieltechnik ermöglichte.

Musikalischer Stil und Innovationen

Clastriers Stil integriert asiatische Einflüsse, insbesondere auf dem Album La vielle à roue de l’imaginaire (1982), für das er den Grand Prix du Disque der Académie Charles‑Cros erhielt. Später wandte er sich experimentellen Klangformen zu, etwa auf Hérésie (1992), und verband das Drehleierspiel mit Elementen des Jazz und zeitgenössischer Musik.

Clastrier hat zahlreiche Auftritte und Aufnahmen in ganz Europa absolviert. Seine Originalkompositionen für das Instrument in akustischer und elektroakustischer Darbietung wurden in Zusammenarbeit mit anderen zeitgenössischen europäischen Musikern aufgenommen, darunter der Tuba- und Serpentenspieler Michel Godard, dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier, den Klarinettisten/Saxophonisten Michael Riessler, Steven Kamperman und Louis Sclavis sowie den Perkussionisten Gérard Siracusa und Carlo Rizzo aufgenommen. Seine Aufnahmen umfassen Avantgarde, Jazz und Alte Musik und sprengen dabei die traditionellen Genregrenzen.

Musikwissenschaftler wie Piotr Nowotnik sehen Clastrier als zentrale Figur in der Modernisierung der Drehleier im 20. Jahrhundert, die neue Artikulationen, mikrotonale Techniken und expressive Klangfarben einführte. Sein Ansatz basiert auf zeitgenössischer klassischer Musik, Free Jazz und modalen-Traditionen und wurde von der Kritik als "ein auf ein einziges Instrument komprimiertes Orchester" beschrieben.

Clastrier gilt heute dank seiner Virtuosität und spieltechnischen Innovationen als Meister des Instruments. Er ist seit 1984 Träger des durch das französische Kulturministerium verliehenen Ordens Chevalier des Arts et des Lettres.

Lehre und Einfluss

Clastrier wirkt in Workshops, Meisterkursen und im Austausch mit experimentellen Ensembles wie La Nòvia, einem Kollektiv, das sich durch Borduntöne geprägten, modal‑orientierten Klangformen widmet. In seinem Buch La vielle & l'univers de l'infinie roue-archet, entwickelt er eine neue Spielweise für die Drehleier, wobei er seine Technik der Tastatur und des Strichs bzw. der rechten Hand, sowie ein Schriftsystem zur vollständigen Notation beschrieb. Diese „nicht-methodische Methode“ ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung, während der Clastrier im Kontakt mit zeitgenössischer Musik (etwa von Olivier Messiaen) eine neue Praxis des Instruments entwickelte.

Auszeichnungen

Diskografie (Auswahl)

Veröffentlichung

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Valentín Clastrier - Le Guess Who? Abgerufen am 21. Juli 2025 (englisch).
  2. 1 2 Piotr Nowotnik: The Hurdy-Gurdy: New Articulations. Kingston University, 2016 (englisch).
  3. 1 2 Clastrier Valentin. In: Europe Jazz Network. 23. September 2012, abgerufen am 21. Juli 2025 (englisch).
  4. ↑ K. Hellerstedt: Hurdy-gurdies from Hieronymus Bosch to Rembrandt. University of Pittsburgh, 1981 (englisch).
  5. ↑ Philippe Imbert: Vielle à roue: Territoires illimités. Galerie Internationale, 1996, ISBN 978-2-910432-06-5 (französisch).
  6. ↑ Fabuloseries: Valentin Clastrier & Steven Kamperman. In: Homerecords.be. Abgerufen am 21. Juli 2025.
  7. ↑ Angel Romero: Avant-Garde Hurdy Gurdy | World Music Central. In: worldmusiccentral.org. 6. November 2016, abgerufen am 21. Juli 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. ↑ The Nitty Gritty of the Hurdy-Gurdy. In: All About Jazz. 2010, abgerufen am 21. Juli 2025 (englisch).
  9. ↑ The Quietus: The Strange World Of… France, La Nòvia & Friends. 31. August 2021, abgerufen am 21. Juli 2025 (britisches Englisch).
  10. ↑ Jean-Pierre Goffin: Valentin Clastrier et Steven Kamperman - Fabuloseries. In: jazzhalo.be. 2016, abgerufen am 17. März 2026 (französisch).
Personendaten
NAME Clastrier, Valentin
KURZBESCHREIBUNG französischer Musiker
GEBURTSDATUM 1947
GEBURTSORT Nizza