Value Management ist ein Managementverfahren, das auf die Befriedigung bestehender Kundenbedürfnisse bei möglichst geringen Ressourceneinsatz zielt. Das Value Management ist aus Vorläufermethoden entstanden, die auf dem Wert- und Funktionenansatz basieren. VM kann auf unterschiedlichen Organisationsebenen umgesetzt werden; auf Führungsebene sichert es eine wertorientierte Organisationskultur und auf Ausführungsebene verbessert es Produkte und Dienstleistungen im Hinblick auf die Kundenbedürfnisse. Die europäische Norm DIN EN 12973 und die VDI-Norm 2800 definieren das Value Management und regeln die Implementierung und Durchführung.
Ein zentrales Instrument des Value Managements ist die Wertanalyse als ein organisierter und kreativer Ansatz für Projekte zur Wertverbesserung. Einer ihrer Wegbereiter war Lawrence D. Miles, der in den 1940er und 1950er Jahren die Wertanalyse für bestehende Produkte entwickelte. Anfänglich wurde die Wertanalyse angewendet, um unnötige Kosten zu identifizieren und zu eliminieren. Sie erweist sich als gleichermaßen erfolgreich bei der Verbesserung der Funktionenerfüllung und anderer Ressourcen als der Kosten. Im Laufe der Zeit erweiterten sich die Wertanalyse-Anwendungsbereiche von Produkten auf Dienstleistungen, Projekten und Verwaltungsabläufen. Gleichzeitig entstanden andere auf dem Wert- und Funktionenkonzept beruhende Methoden und Managementtechniken.
Value Management ist ein Querschnittsansatz, eine allgemein angewandte Art und Weise mit unterschiedlichen Managementkonzepten in einzelnen Unternehmensbereichen (wie menschliche Verhaltensweisen, Technologien, Kosten etc.) umzugehen. Die Norm DIN EN 12973 definiert Value Management wie folgt:
"Value Management ist ein Managementstil, der besonders geeignet ist, Menschen zu mobilisieren, Fähigkeiten zu entwickeln, sowie Synergie und Innovation zu fördern, jeweils mit dem Ziel, die Gesamtleistung einer Organisation zu maximieren."
Es vereint somit einen Managementstil, positive menschliche Verhaltensweisen, die Beachtung externer und interner Umfeldfaktoren sowie den wirksamen Einsatz von Methoden und Werkzeugen in einem System. Dabei basiert es auf Grundsätzen, die das Management der Organisation anwenden soll. Diese lauten:
Dabei steht das Wertkonzept im Mittelpunkt, um spezifische Strategien zu definieren und operationale Ziele zu überprüfen.
Im Kontext des Value Managements wird "Wert" als Verhältnis von befriedigten Bedürfnissen zu den dafür eingesetzten Ressourcen beschrieben. Gemäß DIN EN 12973:2000 lautet die Definition:
| Befriedigung von Bedürfnissen | ||
| Wert | = | -------------------------------------------- |
| Einsatz von Ressourcen |
Das zugrundeliegende Wertkonzept ist daher subjektiv und der Wert somit relativ, d. h. er kann von verschiedenen Beteiligten unterschiedlich eingeschätzt werden. Für Kunden bedeutet Wert das Ausmaß, zu dem das Angebot ihre Erwartungen erfüllt, im Verhältnis zu dem Betrag, den sie aufwenden müssen, um das Produkt oder die Dienstleistung zu erwerben und zu nutzen. Für den Unternehmer ist der Wert umso höher, je weniger Ressourcen aufgewendet werden müssen, um den externen Kunden zufriedenzustellen.
Allgemein erfordert ein „guter“ Wert das Abwägen einer Anzahl miteinander in Konflikt stehender Parameter. Innerhalb einer Organisation kann Wertverbesserung durch die Veränderung in der Abwicklung von Prozessen dargestellt werden, so z. B. durch Durchlaufzeit- oder Ressourcenminimierung eines Auftrags.
VM als strukturierter Ansatz erfordert, dass sich das Management eine auf dem Wert aufbauende und an die Organisation angepasste Einstellung zu eigen macht:
Value Management bedeutet die Einbeziehung und Verpflichtung jedes Organisationsmitgliedes. Veränderungen in den Verhaltensweisen können notwendig werden. Alle Mitglieder einer Organisation müssen:
Alle Mitglieder einer Organisation, sollten für ihre Verantwortlichkeiten und Aufgaben geeignete Wertkonzepte kennen:
Diese Bedingungen sind durch Schaffung einer Rahmenstruktur erreichbar, die definiert, wie und von wem die VM-Politik zusammen mit der Schulung des Personals in den entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten eingeführt wird.
Um die Elemente – Managementstil, menschliche Dynamik, Umfeldfaktoren sowie Methoden und Werkzeuge – wirksam und einheitlich anwenden zu können, muss eine VM-Rahmenstruktur vorgesehen werden, die nachfolgend beschrieben wird. Sie ist die Verbindung zwischen den Schlüsselprinzipien und der praktischen Anwendung.
In der Management-Rahmenstruktur werden die o. a. Schlüsselprinzipien zusammengefasst. Folgende Elemente sind hierin enthalten und bauen die Wertkultur in der Organisation mit auf:
Der Managementstil gliedert sich in folgende fünf Unterpunkte:
Das Zielmanagement, also die Setzung und Überprüfung von Zielen, liegt in der Verantwortung des Managements oder der Projektorganisation. Das Erreichen der Ziele ist dagegen Aufgabe des zuständigen Teams innerhalb des VM-Ansatzes. Ein erfolgreiches Zielmanagement setzt drei Zielhierarchien voraus:
Das Umfeld einer Organisation, muss bei jeder Managementaktivität berücksichtigt werden. VM berücksichtigt das weitere Umfeld, wie Kunden und Lieferanten der Organisationen, Gesetzes- und Verwaltungsvorgaben, ökologische Erwägungen. Beispiele für externe Umfeldfaktoren:
Beispiele für interne Umfeldfaktoren:
In beiden Gruppen liegt die Wahrnehmung der Chancen und Vorgaben wahrscheinlich außerhalb des Bereiches von VM-Studien, dennoch müssen die Umweltbedingungen beachtet werden.
Die Umsetzung von VM erfordert eine etablierte VM-Politik, die alle VM-Aspekte in der Organisation anspricht. VM-Politik richtet sich an den Organisationszielen auf der strategischen, taktischen und operativen Ebene aus. Aus den Zielen leiten sich alle Aktivitäten ab. Das Topmanagement muss die nach außen gerichtete Politik berücksichtigen, um die Erwartungen der Anspruchsgruppen (Stakeholder), der externen Kunden und der Finanz-Analysten zu erfüllen. Das mittlere Management konzentriert sich auf interne Fragen und liefert unterstützende Ergebnisse für das Topmanagement. Beide Politikrichtungen müssen sich in der VM-Politik widerspiegeln. Die VM-Politik sollte auf der Ebene des Topmanagements entschieden werden, die Verantwortung dafür sollte einem Manager oder einem Steuerungsausschuss übertragen werden.
VM-Programme sind geplante und strukturierte Aktivitäten, welche die Art und Weise der Einführung, Entwicklung und Aufrechterhaltung einer nachhaltigen VM-Politik zum Ausdruck bringt. Die Aufgabe der Planung, Entwicklung und Einführung eines VM-Programms sollte in die Verantwortung eines Value Managers übertragen werden. Der Value Manager berichtet direkt an die obersten Managementebenen und kann der Vorsitzende eines Steuerungsausschusses sein. Seine Pflichten umfassen:
In kleinen und mittleren Organisationen kann auch ein Belegschaftsmitglied oder der Eigentümer mehrere jener Rollen übernehmen, die in größeren Organisation verschiedenen Personen zugeordnet wurden. Die in VM-Studien eingebundenen Gruppen können klein sein, doch sollten multidisziplinärer Teams eingesetzt und menschliche Dynamik zur Anwendung kommen. Internes Know-how kann durch Inanspruchnahme Externer durch Übungsstudien und/oder Schulungen ergänzt werden.
Das VM-Programm enthält:
| Jahr | Benennung | Quelle | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| 1947 | Value Engineering | Lawrence D. Miles | Entwickelte die Methode (USA), Ziel: Kostensenkungsmöglichkeiten für Massenteile des Einkaufs [MIL67]. |
| N.N | Value Engineering | M.D. Barrows (Mitarbeiter von Miles) | Entwickelt den ersten Arbeitsplan mit Ablaufphasen und rundete damit die Methode ab. |
| 1953 | Value Engineering | Beispiel | Methode wurde von der US-Marine übernommen |
| 1959 | Wertanalyse | Oehm, O.: Wertanalyse-Grundseminar | Methode wird nun auch vom US-Verteidigungsbereich eingesetzt. |
| 1961 | Wertanalyse | Oehm, O.: Wertanalyse-Grundseminar | Einführung im deutschsprachigen Raum insbesondere bei Unternehmungen der Kraftfahrzeug- und Elektroindustrie |
| 1967 | Wertanalyse | Oehm, O.: Wertanalyse-Grundseminar | Gründung des VDI-Gemeinschaftsausschusses Wertanalyse |
| 1973 | Methode Wertanalyse | DIN 69910 1. Auflage [DIN73] | Entwickelt für Kostensenkungsmaßnahmen mit Einzelkostecharakter in der Wirtschaft |
| 1983 | Methode Wertanalyse | DIN 69910 Teil 3 [DIN73] | Erweiterung für Wertanalysen in Wirtschaft und Verwaltung mit Einzel- und Gemeinkostencharakter |
| 1987 | System Wertanalyse | DIN 69910 Ersatz für 1973 [DIN87] | Konzipiert für Wertanalysen für den Bereich Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung mit Einzel- und Gemeinkostencharakter |
| 1993 | System Wertanalyse | DIN 69910 Ersatz für 1973 | WA wird seitens des VDI im Bereich Technik und Wissenschaft in der Fachgliederung und dem Kompetenzfeld: Systementwicklung und Projektgestaltung (GSP) integriert |
| 1995 | Value Management | Wert-Management-Handbuch, Report-EUR 16096 | Wertanalyse reift zum Wertmanagement heran und wird in einem europäischen Kontext integriert |
| 1997 | System Wertanalyse | VDI 2800 [VDI97] | Ersatz für DIN 69910 wegen EN-Norm. Bedürfnisse der Kunden werden stärker berücksichtigt |
| 1997 | Value Management | EN 12973 | Diese europäische Norm ist eine - seit 1992 - Weiterentwicklung vorangehender Wertanalyse-Normen |
| ab 2000 | Value Management | Value Management, Europäische Norm | Umsetzung der europäischen Norm |
Wird ein VM / WA-Projekt gestartet, muss nach den gültigen Arbeitsplänen vorgegangen werden. Erfolgt dies nicht, kann eine solche Vorgehensweise nicht als VM / WA-Projekt bezeichnet werden.
Die Bearbeitung eines VM-/ WA-Projektes muss gemäß Arbeitsplan nach EN 12973 bzw. VDI2800 erfolgen. Der Arbeitsplan ist in weiteren Teilschritten untergliedert, welche iterativ abgearbeitet werden. Es ist für die im VM/WA-Arbeitsplan festgelegte Vorgehensweise grundsätzlich unerheblich, ob sich das gewählte VM-Projekt bzw. WA-Objekt noch in der Phase der Planung, Entwicklung, Konstruktion ("Entwicklungsbegleitende(s) Value Management / Wertanalyse") bzw. ("Wertgestaltung") befindet, oder ob es sich um ein bereits fertiges VM-Projekt bzw. gefertigtes Objekt handelt, ("Wertverbesserung"). Unerheblich ist auch die Art des VM-Projekt bzw. WA-Objektes. Dies können administrative Abläufe in der Verwaltung, Herstellungsprozesse von Produkten oder einzelne Erzeugnisse bzw. Dienstleistungen sein. Beispielsweise kann ein VM-Projekt auf einem wertorientierten Ansatz (wertorientierte Unternehmensführung) basieren bzw. ein Wertanalyse-Objekt kann auch ein Kennzahlensystem, eine Bilanz und die dazugehörige Gewinn- und Verlustrechnung sein.
Bei der Durchführung ist die Einhaltung der Schrittfolge des Arbeitsplanes (EN 12973 oder VDI 2800) unerlässlich. Die Bearbeitungstiefe in den Grund- bzw. Teilschritten muss sich an dem gegebenen quantifizierten Ziel, z. B. dem Kostenziel, Umsatzziel, dem ROI, den Liquiditätszielen etc. orientieren. Zeigt sich, dass das Ziel mit der gewählten Bearbeitungsintensität nicht zu erreichen ist, so wird ggf. die Aufgabenstellung selbst nochmals überdacht, überprüft oder das VM bzw. die WA von dem Grundschritt an wiederholt werden müssen, der in Bezug auf die Zielsetzung angemessen erscheint (Rückkopplung).
Für den Europäischen Raum wurde die EN 12973 entwickelt, um ein gemeinsames Vorgehen mit einheitlichen Begriffen auf hohem Sachkenntnisniveau bei der wirksamen Anwendung in ganz Europa zu gewährleisten. Sie integriert die Vornormungsarbeit, die von der Europäischen Kommission gefördert wurde, mit der Normungsarbeit des CEN/TC 279 und bezieht sich insbesondere auf die Norm EN 1325 „Value Management, Wertanalyse, Funktionenanalyse Wörterbuch“. Die Basis für VM bilden verschiedene Normen. Diese wurden vom Technischen Komitee (TC) 279 des CEN, des Europäischen Komitees für Normung erarbeitet.
EN 12973 beschreibt einleitend den Anwendungsbereich und die Grundsätze für das Management. Sie richtet sich an drei Anwendergruppen:
Sie fährt fort mit der Anwendung der Grundsätze und der Rahmenstruktur von VM. Am Ende der Norm werden die Methoden und Werkzeuge beschrieben, die im Rahmen des VM angewendet werden können.
Im deutschsprachigen Raum werden die Richtlinien zur Wertanalyse und zum Value Management vom Fachbereich Value Management und Wertanalyse des VDI in Düsseldorf entwickelt. Diese erscheinen als VDI-Richtlinienreihe 2800 ff. beim Beuth-Verlag und gelten als methodischer Standard in Industrie, Verwaltung und Beratung.
Die wichtigsten Richtlinien im Überblick:
Diese Richtlinien bilden gemeinsam das methodische Rückgrat für systematische, funktionsorientierte und kreative Problemlösungen im Sinne der Wertanalyse. Neue Ausgaben und Ergänzungen erscheinen regelmäßig.