Rodolfo Vantini

Rodolfo Vantini (* 17. Januar 1792 in Brescia; † 17. November 1856 ebenda) war ein italienischer Architekt des Neoklassizismus. Zentrum seines Schaffens waren die Stadt Brescia und die Lombardei, die ab 1815 beide zum Königreich Lombardo-Venetien gehörten. Zu den bedeutendsten Arbeiten Vantinis zählen der nach ihm benannte Cimitero Vantiniano in Brescia sowie sein Entwurf für die Zollgebäude an der damaligen Porta Orientale (heute Porta Venezia) in Mailand.

Leben und Werk

Domenico Vantini, Vater von Rodolfo Vantini, Selbstporträt, um 1815–1819.

Vantini wurde 1792 in Brescia als Sohn des Baumeisters und Kunstmalers Domenico Vantini (1765–1825) und dessen Frau Olivia (Oliva) Leonesio († 1835) geboren. Sein Vater führte ihn früh an das künstlerische und technische Zeichnen heran. 1808 begann Vantini an der Universität Pavia Ingenieurwesen und Architektur zu studieren. Das Studium schloss er 1810 ab.

Nach einem Aufenthalt in Mailand kehrte er 1812 in seine Heimatstadt zurück. Im April 1813 erhielt er die Zulassung als Architekt und Bauingenieur. Bereits in jungen Jahren unterrichtete er Zeichnen und Mathematik am humanistischen Gymnasium von Brescia, dem heutigen Liceo Classico Statale Arnaldo. Nachdem er 1818 den Wettbewerb um die Stelle als Zeichenlehrer gewonnen hatte, legte Vantini am 26. Mai 1819 den Amtseid ab.

Nordseite der Kirche San Michele auf dem Cimitero Vantiniano in Brescia, 1816–1824 nach Plänen Rodolfo Vantinis errichtet.

Einen entscheidenden Schritt in seiner beruflichen Laufbahn stellte der Wettbewerb der Stadt Brescia für einen neuen städtischen Friedhof dar. Vantini erhielt 1815 den Auftrag für die Anlage und beschäftigte sich bis zu seinem Tod mit deren Ausführung. Der später nach ihm benannte Cimitero Vantiniano gilt zwar nicht als der älteste Monumentalfriedhof auf der italienischen Halbinsel; war jedoch einer der frühesten vollständig als monumentale Friedhofsanlage neu konzipierten Friedhöfe des Landes.

Zu Vantinis weiteren Arbeiten in Brescia gehörten Eingriffe an verschiedenen Kirchen und öffentlichen Bauten. Er war unter anderem an Arbeiten an San Clemente, Santa Maria dei Miracoli, San Francesco und San Nazaro beteiligt. Auch am Duomo Nuovo war Vantini tätig. Die große Kuppel der Kathedrale wurde 1825 nach einem Entwurf des Mailänder Architekten Luigi Cagnola fertiggestellt; Vantini war an ihrer Ausführung beteiligt und entwarf zudem mehrere neoklassizistische Ausstattungsstücke für die Kirche, darunter den Marmorfußboden (1834) sowie den Altar (1842–1846).

Altar des Allerheiligsten Sakraments im Duomo Nuovo in Brescia; Altarbild von Michelangelo Grigoletti (1801–1870).
Die von Rodolfo Vantini 1826 entworfenen Zollgebäude an der Porta Venezia in Mailand.

Ein weiteres bedeutendes Projekt war die neue Zollanlage an der damaligen Porta Orientale in Mailand. Die Mailänder Stadtverwaltung schrieb 1826 einen Wettbewerb für die Neugestaltung des Stadttores und der Zollgebäude aus. Vantinis Entwurf wurde ausgewählt und in den folgenden Jahren ausgeführt.

Neben seiner architektonischen Tätigkeit beschäftigte sich Vantini intensiv mit Kunst und Literatur. Er war Mitglied des Ateneo di scienze, lettere ed arti di Brescia und wurde in mehrere italienische Kunstakademien aufgenommen.

Vantini starb am 17. November 1856 im Alter von 64 Jahren in seiner Heimatstadt Brescia. Er wurde auf dem von ihm selbst entworfenen Cimitero Vantiniano beigesetzt.

Werke (Auswahl)

Die Datierung einzelner Bauten ist in der Literatur nicht einheitlich. Dies gilt insbesondere für die Villa Frizzoni in Bellagio: Treccani nennt für Vantinis Umbau die Jahre 1844 bis 1847, während andere kunsthistorische Publikationen die Errichtung beziehungsweise Ausführung der Villa in die Jahre 1851 bis 1856 datieren.

Privatleben

Vantini heiratete 1816 Elena Lera, die bereits 1820 starb. In den folgenden Jahren hatte er Beziehungen zu der Schauspielerin Carlotta Marchionni, zu Cecilia Bucchia und zu Camilla Fè. 1844 heiratete er die 24-jährige Caterina Amistani, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte.

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau 1820 war Vantinis Privatleben von mehreren Schicksalsschlägen geprägt: 1821 starb sein Vater Domenico, 1835 seine Mutter Olivia und 1839 seine Schwester Carolina.

Trivia

Die Zuschreibung des Grand Hotel Bellagio ist in der architekturhistorischen Literatur nicht einheitlich. Der ursprünglich 1850–1854 als Villa Frizzoni erstellte Bau wird in italienischen Quellen Vantini zugeschrieben, der 1836–1841 für die Familie auch den Palazzo Frizzoni in Bergamo realisiert hat.

In der schweizerischen Architekturgeschichtsschreibung wird das Grand Hotel Bellaggio dagegen als Werk des Bündner Architekten Johannes Ludwig (1815–1888) geführt. Der Architekturhistoriker Leza Dosch nennt den Bau unmittelbar vor Ludwigs Villa Planta in Chur als eines seiner Werke. Daneben ist auch die Beteiligung des italienischen Architekten Giovanni Ceruti (1842–1907) für den Umbau der Villa Frizzoni in ein Grand Hotel überliefert.

Literatur

Commons: Rodolfo Vantini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Alessio Costarelli: Vantini, Rodolfo. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Istituto dell’Enciclopedia Italiana, 2020, abgerufen am 8. September 2026 (italienisch).
  2. ↑ Vantini Rodolfo. In: SIAS – Sistema informativo degli Archivi di Stato. Ministero della Cultura, abgerufen am 8. September 2026 (italienisch).
  3. ↑ Alessio Costarelli: Vantini, Rodolfo. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Volume 98. Istituto dell’Enciclopedia Italiana, 2020, abgerufen am 8. September 2026 (italienisch).
  4. ↑ Vantini Rodolfo. In: SIAS – Sistema informativo degli Archivi di Stato. Ministero della Cultura, abgerufen am 8. September 2026 (italienisch).
  5. ↑ Leza Dosch: Ludwig, Johannes. In: Isabelle Rucki, Dorothee Huber (Hrsg.): Architektenlexikon der Schweiz – 19./20. Jahrhundert. Birkhäuser, Basel 1998, ISBN 3-7643-5261-2, S. 350–351.
  6. ↑ Leza Dosch: Die Villa Planta aus architekturhistorischer Sicht. Bündner Kunstmuseum Chur, abgerufen am 8. September 2026.
  7. ↑ La genesi: 1882–1892. In: Lombardia Beni Culturali. Regione Lombardia, abgerufen am 8. September 2026 (italienisch).