Varnhagen

Bürgerwappen der Varnhagen
Karl August Varnhagen von Ense (1785–1858), Zeichnung von Samuel Friedrich Diez
Rahel Varnhagen von Ense (1771–1833) zugeschriebenes, nicht authentisches Porträt von unbekannter Hand
Friedrich Ludwig Wilhelm Varnhagen (1784–1842), Ritter des Christus­ordens, des Hausordens vom Goldenen Löwen, und des Ordens des Heiligen Benedikt von Avis, unbekannter Künstler
Francisco Adolfo de Varnhagen, 1. Visconde de Porto Seguro (1816–1878), Porträt von Federico de Madrazo y Kuntz

Varnhagen ist der Name eines deutschen Gelehrten- sowie preußischen und brasilianischen Adelsgeschlechts. Über mehrere Jahrhunderte wirkte die Familie als lutherische „Pfarrerdynastie“ in Iserlohn und ging aus den ritterbürtigen von Ense genannt Varnhagen hervor. Im 19. Jahrhundert spielte sie mit Rahel Varnhagen von Ense, Karl August Varnhagen von Ense und dem Visconde de Porto Seguro eine bedeutende Rolle in der europäischen und südamerikanischen Geistes- und Kulturgeschichte.

Wappen

Das bürgerliche Stammwappen der Varnhagen (dem der von Ense gen. Varnhagen) zeigt in Gold eine schwarze Pferdebremse mit rotem Riemen; der offene goldene Flug auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ist jeweils mit der Pferdebremse gezeichnet. Die Korbacher Linie führte des Weiteren ein silbernes Kreuz zwischen dem Flug.

Wappen Varnhagen von Ense (1826): In Gold eine gestürzte, innen gezahnte schwarze Pferdebremse mit rotem Riemen, der drei Schlingen bildet (eine nach rechts, eine nach links, eine nach unten). Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein offener goldener Flug, dessen jeder Flügel mit der Bremse belegt ist; dazwischen ein sechsstrahliger goldener Stern.

Personen

Töchternachkommen

Da die Genealogie der Varnhagenschen Gesamtfamilie bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht, ist auch die Töchternachkommenschaft entsprechend ausgebreitet. In diesem Zusammenhang soll auf die Verflechtung der Varnhagen in weiblicher Linie hingewiesen werden.

Johann Adolph Varnhagen (* 1645) war Bürgermeister und promovierter Arzt in Altena. Seine Tochter Anna Maria Varnhagen war mit Eberhard Schmidt aus Altena verheiratet, dessen Mutter vermutlich auch eine geborene Varnhagen aus Iserlohn war. Der gemeinsame Sohn war Johann Adolf Schmidt, der nach dem frühen Tod seines Vaters zu seinem Onkel, dem Apotheker Johann Moritz Varnhagen (* 1687), geschickt wurde, um die „Apothekerkunst“ zu erlernen. Im Varnhagenschen Haushalt scheint es aber danach zu Spannungen gekommen zu sein, da die Tante in dem jungen Schmidt eine Konkurrenz für ihre eigenen Kinder sah. Schmidt begründete in Korbach die Hirsch-Apotheke, die sich bis ins 20. Jahrhundert im Familienbesitz befand. Schmidt war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Friederike Freiin Forstmeister von und zu Gelnhausen. Eine Enkeltochter aus dieser ersten Ehe war die Pädagogin und Schriftstellerin Wilhelmine Halberstadt. Aus der zweiten Ehe des Johann Adolf Schmidt stammte eine Tochter, die ihrerseits gleichsam die Stammmutter der Waldecker Varnhagen ist, da zwei ihre Töchter Varnhagen-Vetter heirateten. Zu ihren Nachkommen gehören u. a. der Visconde de Porto Seguro, Hermann Varnhagen, Rektor der Universität Erlangen, und Hermann Kümmell, Mitbegründer der Hamburger Universität, Erster Dekan der medizinischen Fakultät und Rektor ebenda.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Ersch et al.: Allgemeine Literatur-Zeitung auf das Jahr 1823, S. 24 (Google Books).
  2. ↑ Sommer: Deutsche Charakterbilder aus der brasilianischen Geschichte, S. 96.
  3. ↑ Im Gelehrten Teutschlandsind sechs Angehörige der Familie Varnhagen verzeichnet, was ihre Einordnung als Gelehrtenfamilie im frühen 19. Jahrhundert stützt. Gelehrtes Teutschland, 1827, 187 ff.; digitale-sammlungen.de
  4. ↑ Reininghaus: Die Stadt Iserlohn und ihre Kaufleute, S. 83.
  5. ↑ Medding: Korbach. S. 409.
  6. ↑ Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien. S. 432 f.
  7. ↑ Leichenpredigt für Dr. med. Johann Bernhard Varnhagen, Leibarzt der schwedischen Königinwitwe. In: Böhmer: Leichenpredigten im Stadtarchiv Schwelm. S. 119 f.; lwl.org (PDF; 4,1 MB).
  8. ↑ Johann Adolph Theodor Ludwig Varnhagen: Grundlage der Waldeckischen Landes- und Regentengeschichte. Speyersche Buchhandlung, Arolsen 1853; Band 2. books.google.de
  9. ↑ Stosch: Düsseldorfs „öffentliche Bibliotheque“ 1770–1809, S. 44.
  10. ↑ Zwei Briefe an seine Nichte Rosa Maria Assing 1812 und 1814. In: Familienbuch Euregio, Sammlung Varnhagen („Franz Varnhagen“ in Suchmaschine eingeben).
  11. ↑ Lindemann: Arnold Friedrich Christoph Varnhagen. In: Neuer Nekrolog der Deutschen, S. 690–693. google.de/books
  12. ↑ Franz: Hessische Entdecker, S. 14 (Fallakte: HStAD).