Germer (Gattung)

Germer

Weißer Germer (Veratrum album)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Germergewächse (Melanthiaceae)
Gattung: Germer
Wissenschaftlicher Name
Veratrum
L.

Die Germer (Veratrum) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Germergewächse (Melanthiaceae). Die 25 bis 40 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet.

Beschreibung

Illustration von Veratrum lobelianum aus Köhler’s Medizinalpflanzen
Blüten im Detail von Veratrum viride
Geflügelte Samen des Weißen Germers (Veratrum album)

Vegetative Merkmale

Germer-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden als Überdauerungsorgane senkrechte Rhizome, die an der Oberseite mit Resten der Blattscheiden bedeckt sind. Die kräftigen Stängel sind einfach und beblättert. Die zahlreichen wechselständig und schraubig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die einfachen Blattspreiten sind schmal bis breit-kreisförmig oder breit-elliptisch. Sie sind längs gefaltet, mehradrig.

Generative Merkmale

In rispigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen. Die dreizähligen Blüten sind meist zwittrig, die oberen eines Blütenstandes manchmal rein männlich. Die sechs haltbaren Blütenhüllblätter sind ausgebreitet, nicht verwachsen und von weißer, grünlicher, rötlich-brauner oder schwarzer Farbe. Es gibt sechs Staubblätter. Die drei freien Griffel sind kurz und haltbar.

Die septiziden, dreifächrigen Kapselfrüchte enthalten in jedem Fruchtfach einige Samen. Die Samen sind abgeflacht und schmal geflügelt.

Die Chromosomengrundzahl ist x = 9.

Inhaltsstoffe

Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind verschiedenste Cerveratrum- und Jerveratrum-Alkaloide.

Systematik und Verbreitung

Blütenstand von Veratrum maackii var. japonicum
Schwarzer Germer (Veratrum nigrum)
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Veratrum oxysepalum
Veratrum stamineum
Veratrum viride

Die Gattung Veratrum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 1044 aufgestellt. Der Gattungsname Veratrum leitet sich von den lateinischen Wörtern vere für echt und ater für schwarz ab, dies bezieht sich auf die schwarzen Rhizome mancher Arten. Synonyme für Veratrum L. nom. cons. sind: Acelidanthus Trautv. & C.A.Mey., Anepsa Raf., Evonyxis Raf., Helleborus Gueldenst. nom. illeg., Leimanthium Willd., Melanthium J.Clayton ex L.

Die Gattung Veratrum ist in den Gemäßigten Gebieten auf der Nordhalbkugel verbreitet. In China gibt es etwa 13 Arten, acht davon nur dort. In Nordamerika kommen fünf Arten vor.

Die Gattung der Germer (Veratrum) enthält 25 bis 40 Arten. Die Zahl hängt vor allem davon ab, ob die einzelnen Untersippen der drei weitverbreiteten Sippen Veratrum album, Veratrum nigrum und (die auch „unechte Nieswurz“ genannte Pflanze) Veratrum viride als Arten oder Unterarten eingestuft werden.

Es gibt folgende Arten (Stand 2018):

Nutzung

Einige Arten wurden aufgrund ihres Alkaloidgehaltes medizinisch genutzt. Einige Arten sind außerordentlich giftig. Die Beobachtung der Giftwirkung von intravenös injiziertem Germerextrakt führte zur Entdeckung des Bezold-Jarisch-Reflexes. Manche Germerarten werden als Zierpflanzen kultiviert.

Belege

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Dale W. McNeal Jr., Aaron D. Shaw: Veratrum, S. 72 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales, Oxford University Press, New York und Oxford, 2002. ISBN 0-19-515208-5
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Chen Xinqi, Hiroshi Takahashi: Veratrum., S. 82–85 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000. ISBN 0-915279-83-5
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Veratrum. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 29. August 2016.
  4. ↑ Vgl. etwa Paul Martini: Über das Wesen und die Behandlung des essentiellen Hochdrucks. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 33–42 (O. Bollinger-Vorlesung, gehalten in München am 11. Dezember 1952), hier: S. 36.
  5. ↑ Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  6. ↑ N. Tanaka: Veratrum shanense W. W. Sm. (Melanthiaceae) - A review of its taxonomic and distribution range. In: The Journal of Japanese Botany, Volume 85, 2010, S. 137–147.
  7. ↑ Domingo M. Aviado, Domingo Guevara Aviado: The Bezold-Jarisch reflex. In: Annals of the New York Academy of Sciences. Januar 2006, doi:10.1111/j.1749-6632.2001.tb03666.x (englisch).
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Wiktionary: Germer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen