Nachdem das Magazin leergeschossen wurde, hält der Verschlussfang den Verschluss in hinterer (geöffneter) Position.
Der Verschlussfang (engl. bolt catch oder bolt hold-open device) ist eine Vorrichtung bei einigen Handfeuerwaffen, die den Verschluss nach dem Abfeuern der letzten Patrone in geöffneter (rückwärtiger) Position hält. Die Munition für die Waffe wird dabei durch ein Magazin bzw. Magazinkasten zugeführt.
Bei Pistolen wird der Verschlussfang als Schlittenfang bezeichnet.
Funktionsweise
Der Verschlussfang wird bei leerem Magazin durch eine entsprechende Fläche am Magazinzubringer während des Rücklaufs des Verschlusses in die obere Position gedrückt. Beim anschließenden Vorlauf des Verschlusses läuft dieser auf den Verschlussfang auf. Der Verschluss wird durch den mittels Haftreibung arretierten Verschlussfang in offener Position festgehalten. Hierdurch wird dem Schützen angezeigt, dass das Magazin leer ist und die letzte Patrone gezündet hat. So wird verhindert, dass der Schütze seine Waffe fälschlicherweise für schussbereit hält. Nach dem Wechseln des Magazins muss der Verschlussfang lediglich gelöst werden. Dadurch entfällt ein zusätzliches Durchladen mit dem Spannschieber, um die Waffe wieder schussbereit zu machen, was ein schnelleres Nachladen ermöglicht.
Je nach Bauart der Waffe wird der Verschlussfang auf unterschiedliche Art gelöst:
durch Zurückziehen des Verschlusses bzw. des daran angebrachten Spannschiebers, z. B. beim SKS,
durch Einstecken eines Magazins, z. B. beim EM-2,
durch Drücken des Verschlussfanghebels, z. B. beim AR-10 (alternativ kann bei dieser Waffe auch die erste Methode verwendet werden, da der Verschlussfang federbelastet ist)
Verschlussfanghebel einer Ruger AR-556: Wird die Oberseite des Hebels gedrückt, bewegt sich der Verschlussfang nach unten und der arretierte Verschluss schnellt nach vorne. Wird die Unterseite gedrückt, bewegt sich der Verschlussfang nach oben und man kann den Verschluss in seiner hinteren Position arretieren.
Der Verschlussfang der Waffe reicht durch die Aussparung (roter Kreis) bis ins Magazin hinein und wird durch den sich nach oben bewegenden Magazinzubringer nach oben gedrückt.
M27 mit offenem Verschluss während des Magazinwechsels
Nach einem Magazinwechsel betätigt der Schütze den Verschlussfanghebel.
Weitere Funktionen
SIG 550 mit offenem Verschluss auf einem Schießstand
Ist der Verschluss hinten arretiert, kann man leicht erkennen, ob sich eine Patrone im Patronenlager befindet. So muss z. B. der Verschluss einer abgelegten Waffe auf Schießständen grundsätzlich offen sein.
Bei einigen Waffen, z. B. dem SKS, dient der Verschlussfang auch zum einfacheren Befüllen mittels Ladestreifen.
Nachteilig ist die erhöhte Komplexität der Waffe. Außerdem kann durch den offenen Verschluss leichter Schmutz in die Waffe gelangen. Einige Waffen – wie z. B. die Kalaschnikows, das FAMAS oder FN FNC – haben daher keinen Verschlussfang.
Sonstiges
Einige Waffen haben auf beiden Seiten einen Verschlussfanghebel, z. B. die XM7, MP7, M110A1 und LMT MARS-L (Bild).
Verschlussfanghebel-Verlängerung (Magpul B.A.D. Lever) zum Betätigen mit dem rechten Zeigefinger
Einige Waffen – wie z. B. die MP5 – haben keinen Verschlussfang. Der Spannschieber kann jedoch per Hand in eine Aussparung im Waffengehäuse abgelegt werden.
Neben halb- und vollautomatische gibt es auch Repetierwaffen mit einem Verschlussfang, z. B. den Karabiner 98k oder Karabiner 31. Ist die Waffe leergeschossen, lässt sich der Verschluss nicht mehr nach vorne schieben.
Literatur
Technische Informationen: TM 9-1005-249-23&P (Department of the Army Technical Manual)