Verteilungstyp ist ein Fachbegriff der Wahrscheinlichkeitstheorie für die Zugehörigkeit einer reellen Zufallsvariablen zu einer linearen Transformationsfamilie von Wahrscheinlichkeitsverteilungen, der aber in der angewandten Statistik auch abweichend für die Zugehörigkeit zu einer parametrischen Familie von Wahrscheinlichkeitsverteilungen verwendet wird.
Der Verteilungstyp einer reellen Zufallsvariablen ist die Familie von Wahrscheinlichkeitsverteilungen, die alle Wahrscheinlichkeitsverteilungen von Zufallsvariablen
enthält.
Ein Verteilungstyp heißt stabil, wenn für zwei stochastisch unabhängige Zufallsvariablen dieses Verteilungstyps auch die Summe zu diesem Verteilungstyp gehört. Eine Verteilung, die einem stabilen Verteilungstyp angehört, heißt auch stabile Verteilung. Für diskrete Verteilungen gibt es den Begriff der diskret-stabilen Verteilung.
Alle stabilen Verteilungstypen sind vollständig durch die alpha-stabilen Verteilungen beschrieben, wobei jeder charakteristische Exponent einen stabilen Verteilungstyp festlegt. Für ergibt sich als stabiler Verteilungstyp die Familie der Normalverteilungen.
Die Verteilungstypen von Extremwertverteilungen, die im Zusammenhang mit dem Maximum stochastisch unabhängiger und identisch verteilter Zufallsvariablen als nichtausgeartete Grenzverteilungen auftreten können, werden durch drei Typen von Verteilungsfunktionen beschrieben:
Typ I oder Gumbel-Typ
Typ II oder Fréchet-Typ
Typ III oder Weibull-Typ
Der Typ I ist die Verteilungsfunktion einer Gumbel-Verteilung. Die Typen II und III enthalten für jedes eine Verteilungsfunktion bzw. , die jeweils einen Verteilungstyp im Sinn der obigen Definition charakterisiert. ist die Verteilungsfunktion einer speziellen Fréchet-Verteilung. Wenn die Verteilungsfunktion hat, dann hat die Zufallsvariable eine Weibull-Verteilung mit der Verteilungsfunktion .
Wegen sind die Extremwertverteilungen, die im Zusammenhang mit dem Minimum stochastisch unabhängiger und identisch verteilter Zufallsvariablen als nichtausgeartete Grenzverteilungen auftreten können, durch die möglichen Verteilungen von beschrieben, wenn eine Extremwertverteilung für ein Maximum hat. Daraus ergeben sich folgende Extremwertverteilungen für das Minimum:
Typ I oder Gumbel-Typ
Typ II oder Fréchet-Typ
Typ III oder Weibull-Typ
Wenn die Verteilungsfunktion hat, dann ist Gumbel-verteilt mit der Verteilungsfunktion . Wenn die Verteilungsfunktion hat, dann ist Fréchet-verteilt mit der Verteilungsfunktion . ist die Verteilungsfunktion einer Weibull-Verteilung.
In Anwendungsbereichen der Statistik wird der Begriff Verteilungstyp auch in einem eher umgangssprachlichen Sinn für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten parametrischen Verteilungsfamilie, wie der Familie der Normal-, Exponential-, Poisson- oder Binomialverteilungen, verwendet. Eine Formulierung der Art „ hat den Verteilungstyp einer Poissonverteilung“ meint dann „Die Verteilung von gehört zur parametrischen Familie der Poissonverteilungen“ oder kürzer „ ist Poisson-verteilt“, wobei kein Bezug zum technischen Begriff des Verteilungstyps aus der Wahrscheinlichkeitstheorie besteht.
Bei einigen parametrischen Verteilungsfamilien, z. B. bei der Familie der Normalverteilungen und der Familie der Cauchy-Verteilungen, fallen die beiden Verwendungen des Begriffs Verteilungstyp zusammen.