
Altsyrische NT-Übersetzungen (Vetus Syra) sind die Übersetzungen der Evangelien in die syrische Sprache. Der Begriff Getrennt (= da-Mepharreshe) betont, dass es sich nicht um die Evangelienharmonie Diatessaron handelt. Sie werden zeitlich vor der Peschitta eingeordnet. Die Vetus Syra ist in zwei Handschriften und zwei Fragmenten erhalten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zwei Handschriften mit einer altsyrischen NT-Übersetzung entdeckt:
Bei erheblichen Textdifferenzen zeigen beide den gleichen Übersetzungsstil. Sie enthalten mit einigen Lücken den Text der vier Evangelien. Es sind keine Vetus-Syra-Handschriften mit Texten der Apostelgeschichte oder der Briefe erhalten; Zitate in den Schriften von Aphrahat und Ephräm dem Syrer belegen aber, dass es eine Übersetzung auch dieser Texte gab. Man geht davon aus, dass sie unter Einfluss des Diatessarons entstanden sind. Da die Sprache des Diatessarons – syrisch oder griechisch – sich nicht mehr sicher feststellen lässt, bleibt offen, ob es sich bei den altsyrischen Evangelien um Übersetzungen aus dem Griechischen oder Fortschreibungen syrischer Überlieferungen handelt.
Im 21. Jahrhundert wurden zwei weitere Fragmente gefunden:
Wie spätere syrische Evangelienhandschriften (z. B. das Wolfenbüttler Tetrevangelium Syriacum) belegen, hat sich aus ihnen fließend der Evangelientext der Peschitta entwickelt.