Victor Dillard

Pater Victor Dillard-Gedenktafel an der Kirche Sankt Konrad in Wuppertal

Victor Dillard (* 24. Dezember 1897 in Blois an der Loire; † 12. Januar 1945 im Konzentrationslager Dachau) war ein französischer katholischer Geistlicher (Jesuit) und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wird als Seliger verehrt.

Leben und Wirken

Herkunft

Victor Dillard wurde in eine gutbürgerliche Familie aus Blois hineingeboren. Er hatte neun Geschwister, darunter drei Brüder. Einer davon, Robert (1889–1968), war Ingenieur und Flottillenadmiral bei der Marine, ein weiterer, Pierre (1891–1915), war ebenfalls bei der Marine und starb während des Ersten Weltkrieges. Sein Bruder Étienne Dillard war der Vater der französischen Sängerin Françoise Hardy (1944–2024).

Wirken als Jesuit

Im Ersten Weltkrieg diente Victor Dillard in der französischen Armee als Instrukteur der polnischen Armee; im November 1919 trat er den Jesuiten bei. Er studierte Katholische Theologie, unter anderem in Innsbruck, sowie später Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und reiste während seines Studiums unter anderem nach Großbritannien und Deutschland. Sein besonderes Interesse galt sozialen Fragen und der Jugendarbeit. Nach seiner Priesterweihe zelebrierte er 1931 in seiner Heimatstadt seine erste Messe in der Kapelle des Schulinternats Notre-Dame des Aydes, das er selbst besucht hatte. Anschließend arbeitete er in einem Haus des Jesuitenordens, wo er Studenten betreute. Er betrieb weiter seine Studien und machte mit der finanziellen Unterstützung des Unternehmers Isidor Straus eine Reise in die Vereinigten Staaten, in deren Verlauf er auch den Präsidenten Franklin D. Roosevelt traf.

Widerstand in Wuppertal

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde Dillard erneut Soldat, wurde gefangen genommen, konnte aber fliehen. Weil er politische Gefangene im Gefängnis besuchte, fiel er der Gestapo auf. Als die französischen Bischöfe zur Auslandsseelsorge aufriefen, wollte er ursprünglich nach Nordafrika reisen. Stattdessen nahm er dann aber im Oktober 1943 unter falschem Namen und als Elektriker getarnt eine Arbeit bei der Wuppertaler Dampfkessel- und Apparatebaufabrik Siller & Jamart an. Neben seiner Arbeit betreute er die französischen Zwangsarbeiter und feierte Gottesdienste, unter anderem in der Kapelle des Krankenhauses St. Josef. Dies musste heimlich geschehen, da das Naziregime den Zwangsarbeitern keine Seelsorge zugestand. Im Dezember 1943 erließ der Chef des Reichssicherheitshauptamtes, Ernst Kaltenbrunner, eine Verordnung, die auch jegliche heimliche pastorale Aktivität untersagte. Im April 1944 wurde Dillard verraten und kam ins Polizeigefängnis Bendahl, wo er unter anderem Maria Husemann und Hans Carls kennenlernte. Am 12. November 1944 wurde er ins KZ Dachau gebracht, wo er am 12. Januar 1945 aufgrund der dort herrschenden schlechten Lebensbedingungen starb.

Ehrungen

Victor Dillard zählt zu den französischen Schriftstellern, die zwischen 1939 und 1945 im Krieg gefallen oder deportiert worden und verstorben sind, weshalb sein Name in der Liste der "197" im Pariser Pantheon aufscheint.

Am 12. Januar 2002, dem 57. Todestag Victor Dillards, wurde in der Hauskapelle des Krankenhauses St. Josef in Wuppertal-Elberfeld eine Gedenktafel für Victor Dillard enthüllt. Im August 2005 wurde im Rahmen des Weltjugendtags in Köln an der Kirche St. Konrad in Wuppertal eine Gedenktafel angebracht sowie im Januar 2006 an der Schule Notre-Dame des Aydes in Blois eine weitere für Père Dillard.

Seit 2007 gibt es eine vom französischen Staat anerkannte Stiftung, die den Namen „Fondation Victor Dillard“ trägt. Sie setzt sich für das katholische Bildungswesen im Departement Loire-et-Cher ein, in dem auch Dillards Geburtsort Blois liegt.

Der Luxemburger Erzbischof Kardinal Jean-Claude Hollerich sprach im Auftrag von Papst Leo XIV. Victor Dillard und 49 weitere Märtyrer am 13. Dezember 2025 in Paris selig. Sie alle waren Teil der sogenannten „Mission des Heiligen Paulus“: Junge Priester und Laien, die sich ab 1943 bewusst als Zwangsarbeiter nach Deutschland begaben, um französische Deportierte heimlich seelsorgerisch zu begleiten. Ihre religiösen Aktivitäten wurden aus Glaubenshass verfolgt und unter Todesstrafe verboten. Ihr gemeinsamer liturgischer Gedenktag ist der 5. Mai, der Todestag des Jüngsten der 50 Märtyrer, Jean Mestre.

Publikationen

Literatur

Commons: Victor Dillard – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Faire une recherche - Mémoire des hommes. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. Dezember 2021; abgerufen am 8. Juni 2026 (französisch).
  2. 1 2 IN MEMORIAM – père DILLARD, résistant-interné (décédé le 12 janvier 1945) | Theatrum Belli. 12. Januar 2026, abgerufen am 8. Juni 2026 (französisch).
  3. ↑ P. Jérôme Guingand SJ: Béatification du père Victor Dillard - jésuite et martyr- le 13 décembre. In: Jésuites. 8. Dezember 2025, abgerufen am 8. Juni 2026 (französisch).
  4. ↑ Jérémi Coulon: Qui est le Père Victor Dillard, qui sera béatifié le 13 décembre à Paris et qui exerça à Vichy ? In: RCF. 26. November 2025, abgerufen am 8. Juni 2026 (französisch).
  5. ↑ Fondation Dillard: Nous connaitre. Fondation Victor Dillard, 11. Juni 2013, abgerufen am 9. Juni 2026 (französisch).
  6. ↑ Facebook-Mitteilung des Erzbistums München und Freising am 13. Dez. 2025
  7. ↑ Quel jour seront fêtés les cinquante martyrs du nazisme ? Abgerufen am 8. Juni 2026 (französisch).
Personendaten
NAME Dillard, Victor
KURZBESCHREIBUNG französischer Jesuit und Widerstandskämpfer
GEBURTSDATUM 24. Dezember 1897
GEBURTSORT Blois
STERBEDATUM 12. Januar 1945
STERBEORT Konzentrationslager Dachau