
Die Villa Staudt in der Delbrückstraße 6 im Seebad Heringsdorf im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist ein Baudenkmal der Bäderarchitektur.

Die Villa wurde 1873 errichtet. Nach 1880 wurde sie von dem Berliner Großkaufmann Wilhelm Staudt gekauft, der sein Vermögen im Südamerikahandel erworben hatte. Die Familie Staudt gab dem Haus den Namen Miramar. Konsul Wilhelm Staudt starb 1906, seine Witwe Elisabeth Staudt, Mutter von Richard Staudt und drei Töchtern, erbte das Unternehmen und führte es selbständig weiter. Elisabeth Staudt wurde bei der Hochzeit ihrer Tochter Auguste-Viktoria mit Rittmeister Wilhelm von Kummer Kaiser Wilhelm II. vorgestellt, der Taufpate des Bräutigams war. Zwischen 1909 und 1912 kam Wilhelm II. jährlich im Rahmen seiner Nordlandreise zu einer Flotteninspektion nach Swinemünde. Dabei besuchte er jedes Mal auch Heringsdorf, wo Elisabeth Staudt ihn in ihrer Villa zum Tee empfing. 1938 kaufte Theo Morell, der Leibarzt Adolf Hitlers, die Villa und richtete ein privates Sanatorium ein. Ende 1943 beschlagnahmte die Wehrmacht das Haus, um es als Außenstelle des Swinemünder Lazaretts zu nutzen.
In der DDR diente die Villa der Interflug als Betriebserholungsheim mit dem Namen „Wilhelm Pieck I“. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Villa Staudt saniert und beherbergt heute elf Ferienwohnungen.

Im Garten steht seit 2003 ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I., dessen Porträtbüste vom Gießer Georg Howaldt nach einem Modell von Bildhauer Heinrich Pohlmann ausgeführt wurde. Die Büste war in Helmstedt bei Aufräumarbeiten aufgefunden worden; die Gemeinde Heringsdorf sprach sich gegen eine Aufstellung auf Gemeindeland aus.
Die Villa Staudt ist ein zweigeschossiger Putzbau mit Mansarddach. Jeweils ein Mittelrisalit befindet sich an der Vorder- und der Rückseite des Gebäudes. Der rückseitige trägt ein aufgeputztes Familienwappen. An der rechten Seite befindet sich ein dreigeschossiger runder Eckturm.
Koordinaten: 53° 57′ 16,5″ N, 14° 10′ 10,1″ O