Ethylvinylether

Strukturformel
Strukturformel von Ethylvinylether
Allgemeines
Name Ethylvinylether
Andere Namen
  • Vinylethylether
  • Agrisynth
  • Ethoxyethylen
Summenformel C4H8O
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit etherischem Geruch

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 109-92-2
EG-Nummer 203-718-4
ECHA-InfoCard 100.003.382
PubChem 8023
Wikidata Q1371500
Eigenschaften
Molare Masse 72,11 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,75 g·cm−3

Schmelzpunkt

−115 °C

Siedepunkt

36 °C

Dampfdruck
  • 231 hPa (0 °C)
  • 570 hPa (20 °C)
  • 1634 hPa (50 °C)
Löslichkeit

8,3 g·l−1 Wasser bei 15 °C

Brechungsindex

1,3767 (20 °C)

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 225
P: 210​‐​233​‐​240​‐​403+235
Toxikologische Daten

8,16 ml·kg−3 (LD50, Ratte, oral)

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−167,4 kJ/mol

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Ethylvinylether oder Vinylethylether ist ein Zwischenprodukt (Monomer) bei der Herstellung von polymeren Klebstoffen. Die frühere versuchsweise Verwendung als Narkotikum wurde aufgrund von Komplikationen bei der Dosierung aufgegeben.

Darstellung und Gewinnung

Ethylvinylether wird großtechnisch durch Reaktion von Acetylen (Ethin) mit Ethanol unter Anwesenheit stark basischer Substanzen hergestellt (Reppesche Vinylierungsreaktion). Temperaturen zwischen 150 und 180 °C sowie hoher Druck begünstigen die Umsetzung. Jährlich werden mehr als 1000 Tonnen Vinylethylether produziert (Stand 1988).

Eigenschaften

Vinylethylether ist eine farblose, leichtflüchtige, brennbare Flüssigkeit von etherähnlichem Geruch, die bei Erwärmung spontan polymerisieren kann. Zur Stabilisierung wird dem Stoff daher festes Kaliumhydroxid, Diethylamin, Triethanolamin oder Hydrochinon beigefügt.

Sicherheitstechnische Kenngrößen

Vinylethylether bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt unterhalb von −45 °C. Der Explosionsbereich liegt zwischen 1,7 Vol.‑% (50 g·m−3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 28 Vol.‑% (835 g·m−3) als obere Explosionsgrenze (OEG). Die Zündtemperatur beträgt 200 °C. Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T4.

Verwendung

Ethylvinyether wird neben der Synthese von Klebstoffen auch bei Ringöffnungsmetathese-Polymerisationen (kurz ROMP) zur Ablösung des Metallinitiators (siehe Grubbs-Katalysator) von dem propagierenden Kettenende benutzt. Durch Addition von Trifluoracetylchlorid kann 4-Ethoxy-1,1,1-trifluor-3-buten-2-on gewonnen werden.

Toxikologie

Im Tierversuch erweist sich der Ethylvinylether als schwach toxisch (LD50 Ratte oral 8,16 ml/kg). Die Haut wird allenfalls schwach gereizt. Die narkotische Wirkung des Vinylethylethers tritt erst bei höheren Konzentrationen auf, wobei aber im Einzelfall schon früher Krämpfe, Atem- und Kreislaufdepressionen bis zum Atem- und Herzstillstand auftreten können. Aus diesem Grund wurde die Verwendung als Narkotikum beim Menschen eingestellt.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Eintrag zu Ethylvinylether in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016. (JavaScript erforderlich)
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Toxikologische Bewertung von Vinylethylether (PDF) bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), abgerufen am 22. August 2012.
  3. ↑ David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-256.
  4. 1 2 Eintrag zu Ethyl vinyl ether in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM), abgerufen am 19. Dezember 2016. (Seite nicht mehr abrufbar)
  5. ↑ David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-26.
  6. ↑ Patent EP2334645B1: Verfahren zur Synthese fluorierter cyclischer Verbindungen. Angemeldet am 25. September 2009, veröffentlicht am 6. November 2019, Anmelder: Solvay, Erfinder: Max Braun.‌
  7. ↑ Patentanmeldung EP1803703A1: Verfahren zur Reinigung von Alkenonethern durch Ausfrieren. Angemeldet am 29. Dezember 2005, veröffentlicht am 4. Juli 2007, Anmelder: Solvay Fluor GmbH, Erfinder: Wolfgang Wiesenhäfer et al. („Halogenierte Alkenonether, beispielsweise 4-Ethoxy-1,1,1-trifluoro-3-buten-2-on ("ETFBO"), sind Bausteine in der chemischen Synthese. Man kann sie herstellen, indem man ein Säurechlorid mit einem Vinylether in Anwesenheit einer Base miteinander umsetzt; dabei kann die Base auch im Überschuss als Lösemittel eingesetzt werden.“).‌
  8. ↑ Vgl. Chauncey D. Leake, Mei-Yü Chen: The anesthetic properties of certain unsaturated ethers. In: Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine. Band 28, (November) 1930, S. 151–154.