Viola Gentry

Viola Gentry in ihrem Fliegeranzug. Archiv des San Diego Air and Space Museum

Viola Estelle Gentry (* 13. Juni 1894 in Rockingham, North Carolina, USA; † 23. Juni 1988 in Danville, Virginia, USA) war eine US-amerikanische Pilotin. Sie war eine der ersten amerikanischen Fliegerinnen und die erste Frau aus North Carolina, die eine staatliche Pilotenlizenz erhielt. Sie stellte 1928 den ersten offiziell dokumentierten Langstreckenflugrekord für Frauen ohne Zwischenlandung auf.

Leben und Werk

Gentry war die Tochter von Nettie G. Walters Gentry und Samuel Garrett Gentry. 1910 lief sie von zu Hause weg, um sich einem Zirkus in Greensboro anzuschließen. Während des Ersten Weltkriegs verkaufte sie Kriegsanleihen und arbeitete in einer Rüstungsfabrik. Nach Kriegsende engagierte sie sich ehrenamtlich beim Amerikanischen Roten Kreuz, reiste nach San Francisco und fand eine Anstellung als Telefonistin. Am 7. November 1924 heiratete sie in Manhattan Needham Rutherford Lee, von dem sie sich kurz danach wieder scheiden ließ. Ihre Eltern schickten sie zu ihrer Tante und ihrem Onkel nach Jacksonville und während eines Ausflugs zu einer Straußenfarm lernte sie den Piloten George A. Gray kennen, mit dem sie ihren ersten Flug unternahm. Die nächsten acht Jahre arbeitete sie als Hotelrezeptionistin und Kassiererin.

1924 lernte sie auf dem Curtiss Field auf Long Island fliegen und war damit die erste Frau aus North Carolina, die ein Flugzeug steuerte. 1925 flog sie ihren ersten Alleinflug in einer Curtiss JN-4. Die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) verlieh Gentry 1926 die Pilotenlizenz. Am 14. März 1926 mietete sie eine Curtiss Oriole, startete vom Curtiss Field und flog wahrscheinlich als erste Frau unter der Brooklyn Bridge und der Manhattan Bridge hindurch.

Zwei Jahre später stellte sie den ersten Solo-Langstreckenflugrekord für Frauen mit einer Zeit von acht Stunden, sechs Minuten und siebenunddreißig Sekunden auf. Ebenfalls 1928 war sie die erste bundesweit lizenzierte Pilotin aus North Carolina und eine der ersten neun in den USA. Im folgenden Jahr gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Ninety-Nines.

1929 wollte sie einen Rekord für einen Langstreckenflug mit Luftbetankung aufstellen. Die bisherige Bestzeit hatte die Besatzung der Fort Worth, einer Ryan B-1 Brougham, mit über 172 Stunden in der Luft gehalten. Gentry bat „Big Jack“ Ashcraft, einen weiteren bekannten Piloten jener Zeit, sie bei ihrem Rekordversuch zu unterstützen. Dichter Nebel verhinderte, dass das Tankflugzeug die Kabine der beiden Piloten erreichen konnte und eine Landung war aufgrund der schlechten Sicht nicht möglich. Das Flugzeug stürzte ab und Ashcraft war sofort tot. Schwer verletzt verbrachte Gentry die nächsten 18 Monate im Hospital in Manhattan. Sie flog danach stets mit einem weiteren Piloten. 1960 und 1961 nahm sie zusammen mit Myrtle „Kay“ Thompson Cagle am Transkontinentalen Flugrennen für Frauen teil. Thompson Cagle gehörte später zu den sogenannten Mercury 13, jener Gruppe von Frauen, die zeitgleich mit den ersten US-Astronauten für den Weltraumflug trainierten, aber nie die Chance zum Start erhielten.

Anfang 1933 heiratete sie Jack Warren. 1934 meldeten Gentry und ihr Ehemann Konkurs an und gaben ihr Vermögen mit Null an.

Nach fast 50 Jahren als Kassiererin erhielt Gentry 1967 ihre erste Stelle im Luftfahrtbereich bei dem History of Aviation Archives. Im Auftrag der University of Texas warb sie bei ihren ehemaligen Pilotenkollegen der Early Birds dafür, ihre Unterlagen dem Luftfahrtarchiv der Universität zu spenden.

Sie starb 1988 im Alter von 94 Jahren in Danville, Virginia, und wurde auf dem dortigen Leemont Cemetery beigesetzt.

Auszeichnungen und Ehrungen

Literatur

Commons: Viola Gentry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Women's History Month Feature | Viola Gentry: The Flying Cashier Who Made Aviation History. Abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  2. ↑ Viola E. Gentry Project. Abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  3. ↑ Special to The New York Times: WOMAN FLIER STAYS ALOFT EIGHT HOURS; Miss Viola Gentry Says She Will Claim World's Record for Duration Flight. In: The New York Times. 21. Dezember 1928, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 27. August 2026]).
  4. ↑ Tami Lewis Brown: Fly! Fly! Fly! Viola Gentry. In: Tami Lewis Brown. 20. Dezember 2011, abgerufen am 27. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  5. 1 2 Viola Estelle Gentry (1889-1988) – Find a Grave... Abgerufen am 27. August 2026.
  6. ↑ https://themarconline.org/history-corner/viola-gentry-of-rockingham-county-americas-flying-cashier-guest-article-by-jennifer-bower
  7. ↑ https://www.loc.gov/resource/sn82014519/1926-03-17/ed-1/?sp=14&r=-0.184,0.021,1.78,1.533,0
  8. ↑ Special to The New York Times: MISS GENTRY IS BADLY HURT, HER PILOT KILLED IN CRASH; RIVALS IN AIR BEG FOR NEWS; VIEW OF THE WRECKAGE OF MISS VIOLA GENTRY'S ENDURANCE PLANE. In: The New York Times. 29. Juni 1929, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 27. August 2026]).
  9. ↑ Special to The New York Times: MISS GENTRY IS BADLY HURT, HER PILOT KILLED IN CRASH; RIVALS IN AIR BEG FOR NEWS; VIEW OF THE WRECKAGE OF MISS VIOLA GENTRY'S ENDURANCE PLANE. In: The New York Times. 29. Juni 1929, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 27. August 2026]).
  10. ↑ https://www.nytimes.com/1934/08/01/archives/viola-gentry-bankrupt-aviatrix-and-husband-list-debts-of-1651.html
  11. ↑ CAM_Admin: Viola Gentry Lived a Life in the Clouds. In: Sullenberger Aviation Museum. 20. September 2023, abgerufen am 27. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  12. ↑ Rebecca Maksel: A Female Aviator in 1926 Needed a Stunt. So She Flew Under the Brooklyn Bridge. Abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Gentry, Viola
ALTERNATIVNAMEN Gentry, Viola Estelle (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Pilotin
GEBURTSDATUM 13. Juni 1894
GEBURTSORT Rockingham, North Carolina, USA
STERBEDATUM 23. Juni 1988
STERBEORT Danville, Virginia, USA