Inhärenter Vokal

Der inhärente Vokal ist eine Besonderheit bei Abugidas wie den indischen Schriften und der äthiopischen Schrift, in denen jedes Konsonantenzeichen mit einem in der jeweiligen Sprache besonders häufigen Vokal (meist „a“, in der Bengalischen Sprache aber „o“) verknüpft ist. In Khmer werden Konsonanten entweder mit einem „a“ oder einem „o“ verknüpft. In Thai hängt die Zuordnung („a“ oder „o“) von weiteren Kriterien ab. Die isolierten Konsonanten entsprechen also vollständigen Silben ka, kha, ga, gha usw.

Soll aber ein anderer Vokal als das „a“ folgen, wird das durch Zusatzzeichen (matra) am, unter oder über dem Silbenzeichen angezeigt: ki, khi, gi, ghi ... oder ku, khu, gu, ghu ... In manchen Fällen entstehen durch die Ligatur des Konsonanten mit dem Vokal auch spezielle, nicht regelmäßig vorhersagbare Formen, z. B. beim Buchstaben „ja“ in Gujarati-Schrift.

In diesem System ist die Darstellung von Konsonantenclustern grundsätzlich problematisch, da man für eine Silbe wie „ktra“ die inhärenten Konsonanten von „ka“ und „ta“ neutralisieren muss. In den indischen Schriften gibt es dazu verschiedene Ansätze:

Die von den indischen Schriften abgeleiteten Alphabete Südostasiens haben das Prinzip des inhärenten Vokals übernommen. In Thai und Lao wird der Ausfall des inhärenten Vokals grundsätzlich nicht angezeigt, für Pali- oder Sanskrit-Texte nutzt man im Thai aber auch den Virāma. Im Khmer werden Konsonantencluster durch Tiefstellung gebildet. Khmer ist aufgrund der vielen Vokale und Diphthonge auch darin einzigartig, dass es zwei Gruppen von Konsonantenzeichen unterscheidet, die mit unterschiedlichen inhärenten Vokalen verknüpft sind (a oder o).

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