Virgel

Die Virgel als einziges Satzzeichen: Erste Seite aus William Caxtons Ausgabe von Sir Thomas Malorys Le Morte Darthur. London 1485.

Virgeln sind die Schrägstriche, die im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit zur Gliederung von Sätzen verwendet wurden und die heute in dieser Funktion durch Kommas ersetzt sind, was bis heute in manchen Sprachen für die Bezeichnung des Kommas anklingt (z. B. französisch virgule, italienisch virgola, portugiesisch vírgula, rumänisch virgulă). Der Gebrauch von Virgeln beschränkte sich dabei auf in gebrochenen Schriften gesetzte Texte, etwa im Deutschen, Niederländischen oder Englischen. Selbst in diesen wurde allerdings darauf geachtet, dass hinter einem in Antiqua gesetzten Wort (etwa einem französischen Lehnwort, das traditionell nicht in einer gebrochenen Schrift, sondern in Antiqua gesetzt wurde) ein Komma und keine Virgel erschien.

Im Lauf des 18. Jahrhunderts verkürzten die meisten deutschsprachigen Drucker die Virgeln auf die Länge von Kommata.

Virgeln verwendet man heute noch, wenn man Gedichtzeilen in einem Fließtext wiedergibt, um den Wechsel der Verszeilen anzuzeigen. Außerdem werden sie in Gesangbüchern verwendet, um Pausen oder auf einen Atem gesungene Abschnitte zu bezeichnen.

Virgeln in der Plandarstellung

Zumindest in Österreich bezeichnet man als Virgel auch eine Z- oder S-förmige Klammer, mit der in Vermessungs- und Flächenwidmungsplänen dargestellt wird, dass zwei Flächen beiderseits einer Trennlinie (Nutzungsgrenze, Gebäudekante usw.) zum gleichen Grundstück gehören.

Literatur

Wiktionary: Virgel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Transkription. pierre-marteau.com, abgerufen am 30. Oktober 2017.
  2. ↑ Virgel. In: Immobilien ABC. immogrand.at; Zitat: „Lat. Schrägstrich, in Vermessungsplänen Verbindungszeichen in Form eines lang gezogenen ‚S‘ quer über die Grenzlinien zwischen zwei Grundstücken, die bedeuten, dass diese Grundstücke zur selben Grundbuchseinlage gehören.“