Visimar

Visimar, auch Wisimar (gest. um 335) war ein König der Vandalen aus dem Geschlecht der Asdingen im 4. Jahrhundert. Zu Visimar liegen nur wenige antike Nachrichten vor, dennoch gilt er als einer der frühen Könige der Vandalen.

Die gotisch-vandalischen Asdingen siedelten bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. in Pannonien am Nordrand des Karpatenbeckens auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens und Ungarns. Archäologisch ist eine zeitgleiche Expansion der Przeworsk-Kultur in diese Region nachweisbar. Auch Visimars asdingisches Vandalengebiet umfasste Teile des heutigen Siebenbürgens in Rumänien, der Region an der Theiß in der Ukraine und einen Teil der damaligen römischen Provinz Dakien.

Dass die Asdingen unter ihren Königen Raptus und Raus in Pannonien während der Markomannenkriege des römischen Kaisers Marcus Aurelius an der Nordgrenze der Provinz Dakien in Kämpfe mit dem Römischen Reich verwickelt waren, überliefern die spätantiken Nachrichten des oströmischen Geschichtsschreiber Cassius Dio sowie des Diplomaten Petrus Patricius aus Ostrom. Der römische Militärstatthalter Sextus Cornelius Clemens erlaubte ihnen zwar keine Ansiedlung im Bereich der Römer, aber er unterstützte sie indirekt dabei, das angrenzende Land der Kostoboken einzunehmen. Markus Aurelius schloss etwas später mit den Asdingen einen Vertrag (feudus), der ihnen Land und Geld zusicherte.

Zur Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts werden vandalische Asdingen neben gotischen Terwingen als militärische Bündnispartner des greutungischen Königs Ostrogotha genannt. Der spätantike oströmische Geschichtsschreiber Jordanes berichtet, dass sie Kriegerkontingente zu Ostrogotha sandten, um ihn in seinem Kampf gegen die Römer zu unterstützen.

Auch für die Regierungszeit Konstantins des Großen im 4. Jahrhundert sind die Siedlungsgebiete der Asdingen in Pannonien bezeugt. Um 335 n. Chr. kämpften Visimars Asdingen höchstwahrscheinlich als Verbündete Konstantins gegen die Goten Geberichs, als diese an der Donaugrenze ins römische Reich durchbrachen. König Visimar verlor wohl in diesen kriegerischen Auseinandersetzungen sein Leben.

Visimar wird nur von Jordanes in den Getica genannt, der ihn als König (rex Vandalorum) aus dem Geschlecht der vandalischen Asdingen (Asdingorum stirpe) bezeichnet.

Anmerkungen

  1. ↑ Wojciech Nowakoswki: Die Germanen in der polnischen Archäologie. In: Germanen. Eine archäologische Bestandsaufnahme. Darmstadt 2021, S. 465–479, hier S. 474. Die Zugehörigkeit des Asdingen zu den Vandalen findet sich jedoch erst in spätantiken Quellen.
  2. 1 2 3 Vgl. Jordanes, Getica 22, 113–114. In: Theodor Mommsen (Hrsg.): Auctores antiquissimi 5,1: Iordanis Romana et Getica. Berlin 1882, S. 113–114 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat).
  3. ↑ Arthur Stein: Raptus 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I A,1, Stuttgart 1914, Sp. 249 f.
  4. ↑ Vgl. Cassius Dio 71,12; vgl. Petrus Patricius, Fragment 7. In: Karl Müller et al. (Hrsg.): Fragmenta historicorum graecorum. Band 4. Paris 1851 (Digitalisat), S. 186.
  5. ↑ Jan Bulas: Friend or foe? The political relations between inhabitants of the Upper Tisza region and the Roman Empire at the end of the 2nd and the 3rd century AD, in the light of archaeological and historical sources. In: Hans-Ulrich Voß, Alexander Rubel (Hrsg.): Experiencing the Frontier and the Frontier of Experience: Barbarian perspectives and Roman strategies to deal with new threats. Oxford 2020, S. 37–55 (Digitalisat), hier S. 43.
  6. ↑ Vgl. Jordanes: Getica. 16, 91. - In: Theodor Mommsen (Hrsg.): Auctores antiquissimi 5,1: Iordanis Romana et Getica. Berlin 1882, S. 91 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat); bei Astringis handelt es sich um einen Lesefehler in der Handschrift (vgl. Max Ihm: Astringi. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 1798.).
  7. ↑ Vgl. Max Ihm: Asdingi. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 1528.
  8. ↑ Vgl. Friedrich E. Grünzweig: Visimar. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 35, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-018784-7, S. 359 f. (kostenpflichtig über GAO).; vgl. Visimar eorum rege qui Asdingorum stirpe (...) Richard Wünsch (Übers.): Johannes Lydos, De magistratibus populi Romani libri tres 3,55; In: Ioannis Lydi De magistratibus populi Romani libri tres. Leipzig 1903 (Digitalisat). – Nachdruck 1967; vgl. Johann Kaspar Zeuß: Die Deutschen und die Nachbarstämme. München 1837 (Digitalisat) 461 (vgl. S. 73–74).

Literatur

Personendaten
NAME Visimar
KURZBESCHREIBUNG König der Vandalen aus dem Geschlecht der Asdingen
GEBURTSDATUM 3. Jahrhundert
STERBEDATUM um 335