Viviane Chassot wurde 1979 in Zürich geboren und wuchs in Wollerau auf. Mit 12 Jahren begann sie, Akkordeon zu spielen, und entschied sich für eine klassische Musikrichtung.
Chassot schloss 2006 ihr Diplomstudium an der Hochschule der Künste Bern ab, während dessen sie beim italienischen Akkordeonisten Teodoro Anzellotti lernte. 2005 nahm sie eine Stelle an der Musik-Akademie in Basel an. Von 2009 bis 2013 lebte sie als freischaffende Künstlerin in Leipzig und besuchte mehrere Meisterkurse, darunter solche von András Schiff und Alfred Brendel. Anschliessend zog sie zurück nach Basel, wo sie seitdem lebt.
Sie wurde als erste klassische Akkordeonistin bei Sony Classical unter Vertrag genommen und veröffentlichte dort 2017 erstmalig ein Album. Hierfür nahm sie mit dem Kammerorchester Basel insgesamt vier Konzerte von Joseph Haydn auf, für welche Chassot eigene, teils improvisierte Kadenzen schuf.
Neben musikalischen Auftritten ist Chassot auch im Lehrbereich tätig. Sie unterrichtete unter anderem am Konservatorium Winterthur sowie am Konservatorium in Trossingen.
Künstlerische Tätigkeit
Chassot tritt als Solistin und als Kammermusikerin auf. Ihre Programme beinhalten sowohl Originalkompositionen als auch Arrangements für das Akkordeon. Sie interpretiert Werke, welche ursprünglich für Cembalo, Clavichord oder Hammerklavier konzipiert wurden, beispielsweise von Rameau, Haydn und Mozart. Dabei verbindet sie oft Klassik, Jazz und zeitgenössische Musik mit Improvisationen.
Weiterhin ist Chassot im Musiktheater aktiv; 2007 spielte sie Akkordeon in Roland MosersRahel und Pauline und 2024 verband sie das Akkordeonspiel mit einer schauspielerischen Tätigkeit im Stück Atemnoten.
Diskografie
Chassot veröffentlichte bislang mehrere Alben. Für die ersten beiden spielte sie bearbeitete Klavierwerke von Haydn und Rameau ein. Neben Arrangements für Akkordeon nahm sie später auch Originalkompositionen auf, darunter Musik von Stefan Wirth, Heinz Holliger, Rudolf Kelterborn, Helena Winkelman und Bernhard Lang.
2009: Joseph Haydn: Sonatas. Klaviersonaten. (Genuin)
2011: Jean Philippe Rameau. Pièces de Clavecin. (Genuin)
2014: New Horizons. Neue Horizonte der Akkordeonliteratur. (Genuin)
2016: Objets trouvés. Werke für Akkordeon und Zither. (Genuin)
Chassot wird in den Medien vor allem für ihr technisches Verständnis und die daraus resultierende vielfältige Nutzung des Akkordeons gewürdigt. Das Magazin Pizzicato sagt ihr eine «phänomenale technische Beherrschung» nach. Im Musikmagazin Rondo heisst es: «In den Händen der in Zürich geborenen Virtuosin wird das Instrument geradezu sinnlich und entfaltet ein riesiges Spektrum.»
123456Nick Joyce: Ich habe nur neun Finger zur Verfügung. In: Basler Zeitung. 15. April 2023.
123Sounds Stilübergreifend. Viviane Chassot spielt in Liestal. In: Basler Zeitung. 23. April 2018.
123Das Instrument ist noch nicht fertig. Eine Begegnung mit der Schweizer Akkordeonistin Viviane Chassot. In: Basler Zeitung. 13. Dezember 2014.
123Christian Berzins: Die Vertraute der Tante der Königin. Viviane Chassot beweist, dass das Akkordeon auch in den klassischen Konzertsälen einen Platz haben kann. In: Mittelland Zeitung. 12. Oktober 2011.
↑Susanne Kübler: Ein Instrument wie ein Chamäleon. In: Tages-Anzeiger. 20. April 2017.
↑Lilo Lévy-Moser: Zurück nach Bern für den Concours Nicati. In: Berner Zeitung. 11. September 2009.