Volker Herrmann (* 31. Mai 1967 in Schwabach) ist ein deutscher Mittelalterarchäologe und Bauforscher.
Herrmann studierte von 1988 bis 1994 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Vor- und Frühgeschichte, Volkskunde und Denkmalpflege. Zu seinen akademischen Lehrern zählen Walter Sage, Björn-Uwe Abels und Klaus Guth. Den Abschluss eines Magister Artium erwarb er mit dem Thema Ergebnisse der stadtkernarchäologischen Untersuchungen im Randbereich der hochmittelalterlichen Stadt Haßfurt a. Main.
Die Promotion legte er 1999 bei Ingolf Ericsson am Bamberger Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ab. Die im Jahr 2001 im Druck veröffentlichte Dissertation behandelt Ergebnisse eines vom Land Sachsen-Anhalt finanzierten Forschungsprojektes zur Entwicklung von Halle (Saale) im Mittelalter. Das Landesforschungsprojekt war von Herrmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Prähistorische Archäologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Klaus-Dieter Jäger) 1996 bis 1999 geleitet worden. Die Arbeit legte neue Grundlagen für die weitere Erforschung der früh- und hochmittelalterlichen Stadtentwicklung von Halle und Giebichenstein sowie des mittelalterlichen Salzwirkerhandwerks in der Region.
Neben der Tätigkeit als Wissenschaftler ist Herrmann in der akademischen Lehre tätig, so in Bamberg und Essen sowie an der Berner Fachhochschule (BFH) und an der Gewerblich Industriellen Berufsschule Bern (gibb).
Während und nach seinem Studium war Herrmann auf zahlreichen archäologischen Ausgrabungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege leitend tätig, u. a. in Bamberg (Am Kranen, Lugbank, Maxplatz), Goldkronach (Goldbergbau), Haßfurt a. Main (Deutsche Schule an der Engelmeßgasse), Scheßlitz (mittelalterliche Wüstung) und Wunsiedel (Anwesen Breite Straße 3).
Nach dem Studium führte sein beruflicher Weg in die Bodendenkmalpflege Sachsen-Anhalts. Dort zeichnete er 1994 bis 1996 sowie 2004 bis 2006 für das dortige Landesdenkmalamt als wissenschaftlicher Leiter innerstädtischer Grabungsprojekte zur Mittelalter- und Neuzeitarchäologie verantwortlich. Wichtige neue Beiträge zur Erforschung der mittelalterlichen Bau-, Siedlungs- und Kulturgeschichte im Süden Sachsen-Anhalts haben die Projekte an der Marktgasse in Weißenfels, an der Stadtbefestigung Querfurt sowie am Trödel und auf dem Marktplatz von Halle (Saale) geliefert. Hervorzuheben sind insbesondere die dortigen hervorragenden Erhaltungsbedingungen für organische Bau- und Siedlungsreste. Die Resultate sind allesamt gut zugänglich publiziert.
Im Jahr 2000 wechselte Herrmann für insgesamt vier Jahre an das städtische Museum in Hilpoltstein/Mittelfranken. Unter seiner Ägide wurde das dortige neue bauhistorische und stadtgeschichtliche Museum „Schwarzes Roß“ eingerichtet. Nicht zuletzt dank einer parallel dazu ins Leben gerufenen Schriftenreihe hat sich die Einrichtung unter den nichtstaatlichen Museen in Bayern etabliert und macht mit vielfältigen Sonderausstellungen auf sich aufmerksam. In der Reihe erschienen sind bislang Bände zum historischen Holz- und Steinbau, zur Baugeschichte der Burg und der Residenz Hilpoltstein. Parallel zur Museumsarbeit wurde in enger Kooperation mit dem Institut für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg die Erforschung der frühmittelalterlichen Niederungsburg Greuth bei Greding-Obermässing vorangetrieben.
2006 wurde Herrmann in das Amt des Stadtarchäologen von Duisburg am Rhein berufen. Während seines fünfjährigen Wirkens konnte die seit den 1980er Jahren fest in der Stadtverwaltung verankerte Bodendenkmalpflege auf ein neues Fundament gestellt und personell deutlich verstärkt werden (z. Z. drei Archäologen und drei technische Kräfte). Schwerpunkte seiner Arbeit lagen auf dem öffentlichen Dialog zwischen Unterer Denkmalbehörde, Wissenschaft, städtischen Behörden und Bauherrn mit ihren unterschiedlichen Interessen. Zur Stärkung der öffentlichen Akzeptanz der Bodendenkmalpflege in der Großstadtgemeinde wurde eine neue Schriftenreihe der Unteren Denkmalbehörde, Duisburger Denkmalthemen, installiert. Daneben wurden die bereits in der Wissenschaft etablierten Reihen Archäologie und Denkmalpflege in Duisburg sowie Funde aus Asciburgium fortgeführt.
Wichtige neue Beiträge verfasste Herrmann zur frühen Siedlungsgeschichte von Duisburg, Huckingen und Meiderich. Bedeutung besitzt zudem seine Neubewertung des Huckinger Steinturms als ältestes erhaltenes Baudenkmal im Duisburger Stadtgebiet, dessen Anfänge noch in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Bedeutung besaß der Turm zunächst wohl als Zollstätte an der wichtigen Wegeverbindung zwischen den Königspfalzen von Duisburg und Kaiserswerth.
Im Kulturhauptstadtjahr 2010 wurde im Stadtmuseum eine gemeinsame Ausstellung von Kultur- und Stadthistorischem Museum Duisburg und Stadtarchäologie gezeigt. Unter dem Titel Hömma, der Kaiser kommt! Hafen, Markt und Stadt im Mittelalter wurden im Rahmen der Veranstaltungen von Ruhr 2010 wichtige Funde aus Duisburg gezeigt, ergänzt durch nationale und internationale Leihgaben. Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch von Herrmann erschienen, das Kindern wie Erwachsenen Einblick in die mittelalterliche Geschichte der Stadt gibt.
2011 bis 2020 war Herrmann beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern als Bereichsleiter für Stadt-, Burgen-, Kirchenarchäologie und Bauforschung tätig. Die aktive Belebung der Schnittstellen zur Kantonalen und zur Städtischen Denkmalpflege stand im Zentrum seines dortigen Wirkens. Insbesondere die durch ihn seit einigen Jahren intensivierte bauarchäologische Untersuchung des ländlichen und städtischen Hausbestands schaffen für die historische Hausforschung zwischen Mittel- und Oberland im Kanton Bern eine neue Basis. Darüber hinaus entwickelte sich unter seiner wissenschaftlichen Führung die Sanierung und Pflege von Ruinen zu einem wichtigen Arbeitsfeld der Archäologie im Kanton Bern. Hervorzuheben sind insbesondere Sanierungen an der Ruine des frühneuzeitlichen Kurbads in Weissenburg/Simmental, an der mittelalterlichen Kirchenruine Ringgenberg-Goldswil bei Interlaken und am Kirchenrest des Cluniazenserpriorats Rüeggisberg. Wichtige wissenschaftliche Ergebnisse legte er u. a. zur Geschichte und Struktur der Stadt Unterseen im 13. bis 15. Jahrhundert, zum "Cappeli" im Stockental, zum Heidenhaus von Ringoldingen, zum Cluniazenserpriorat Hettiswil, zur Befestigung der Stadt Thun und zur Bauernhausforschung vor. Kulturhistorische Bedeutung besitzt die Entdeckung einer traditionellen Ziegelhütte in Péry im Berner Jura, die inzwischen in das Freilichtmuseum Ballenberg versetzt wurde. Sie stammt gemäß vorliegenden Dendrodaten aus dem Jahr 1763 und kann demnach als älteste erhaltene frühindustrielle Anlage ihrer Art im Kanton Bern und als eine der ältesten in der Schweiz gelten.
Im Juni 2020 wechselte Herrmann als Museumsleiter zum Zweckverband Niederbayerische Freilichtmuseen Massing im Rottal und Finsterau im Bayerischen Wald. Im November gab der Museumsträger bekannt, dass nach Auslaufen der sechsmonatigen Probezeit man die Zusammenarbeit mit Herrmann beenden möchte.
Seit Juli 2021 ist er Bereichsleiter Architektur und Hausforschung im Freilichtmuseum Ballenberg (Berner Oberland) in der Schweiz.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Herrmann, Volker |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mittelalterarchäologe und Bauforscher |
| GEBURTSDATUM | 31. Mai 1967 |
| GEBURTSORT | Schwabach |