
Serge Vollin (* 20. Dezember 1946 (als Cherif Benamor) in Algerien) ist ein französischer Maler und Autor.
Vollin wurde in Messaouda (Region Ghassira im Atlasgebirge) in Algerien als Sohn berberischer Eltern geboren. Mit 17 Jahren ging er nach Frankreich, lebte, lernte und arbeitete in Grenoble, bevor er sich 1973 entschied, nach Deutschland zu ziehen.
Seine Kindheit und Jugend waren von traumatisierenden Erlebnissen des Algerienkrieges (1954–1962) geprägt. Eine Schockerfahrung im Alter von 8 Jahren löste Alpträume aus, die er beim Ziegenhüten zu zeichnen begann. Bis Soldaten auf seine Leidenschaft aufmerksam wurden und ihm Hefte und Stifte schenkten (später ein Fass Tinte und eine Feder), ritzte er seine Träume mit Silexsteinen (Feuersteinen) auf Felsen und nutzte Schiefertafeln und Kreide.
Als Teenager und junger Mann in Frankreich machte er Begegnungen mit Menschen, die ihn förderten und zu denen sich lebenslange Freundschaften entwickelten. In Frankreich und Deutschland arbeitete er in unterschiedlichen Jobs – immer mit dem eigentlichen Ziel, sein Leben als Künstler zu finanzieren.
Wiederholt forderte der aufreibende Konflikt zwischen Existenz, Kunst und traumatischen Kindheitserfahrungen seinen Tribut und führte zu Zusammenbrüchen, die die Phasen seiner Malerei kennzeichnen.
2005 lernte er Fatima Besnaci-Lancou kennen, eine französische, für ihre Harkisportraits bekannte Autorin. Harkis waren algerische Hilfstruppen, die im Algerienkrieg (1954–1962) für Frankreich kämpften. Es entstand ein gemeinsames Projekt, in dem Serge Vollin Fatimas Harkisportraits visualisierte. Am 7. Februar 2024 wurden Texte und Bilder in der Assemblée Nationale in Paris präsentiert und die Geschichte der Harkis mit 62 Werken Serge Vollins am Dôme des Invalides der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Heute lebt Serge Vollin in München, ist verheiratet und Vater eines Sohnes.
Vollins Arbeiten wurden u. a. 1998 in der Luise Ross Gallery in New York City ausgestellt, 2006 auf der Berliner Art brut Biennale und zuletzt 2024 im Rahmen eines Erinnerungsprogramms der französischen Regierung in Paris.
Sein Werk aus mittlerweile etwa 1700 Arbeiten passt in keine der klassischen Schubladen und umfasst Moderne Kunst, Art brut, Akt und Therapy Art in Öl und Acryl. Einige Arbeiten dienen als Vorlagen für Bleiglas-, Kupferstich- und Mosaikarbeiten, werden von einem Modedesigner aufgegriffen oder sind Ausgangspunkt für umfangreiche Gobelinwebarbeiten (Projekt in Voiron, Frankreich).
Von sich selbst sagt er, dass er sich für seine Kunst eine Kinderseele bewahrt habe. Er malt direkt und impulsiv, arbeitet ohne Skizzen oder Studien. Trigger sind Eindrücke aus Begegnungen, Erlebtem und zeitlebens seine Träume. Arbeiten entstehen ausschließlich am Tisch oder bei größeren Formaten auf dem Boden. Aufgrund der Intensität der Auseinandersetzung und der Detaillierung benötigt er für Letztere in der Regel länger als ein halbes Jahr.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vollin, Serge |
| ALTERNATIVNAMEN | Cherif Benamor (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Maler und Autor |
| GEBURTSDATUM | 20. Dezember 1946 |
| GEBURTSORT | Algerien |