Das Wagner-Whitin-Modell ist ein Modell der dynamischen Losgrößenplanung und der Bestellmengenplanung. Es wurde 1958 erstmals von Harvey M. Wagner und Thomson M. Whitin formuliert.
Das Modell geht von folgenden Annahmen aus:
Ziel ist nun zu entscheiden, wann wie viel bestellt / produziert werden soll, um die Summe aus fixen und variablen Kosten so gering wie möglich zu halten.
Das Modell lässt sich mit der dynamischen Programmierung lösen. Alternativ kann es auch als Warehouse Location Problem formuliert werden und mit darauf spezialisierten Methoden gelöst werden. Außerdem lässt es sich als kürzeste-Wege-Problem in einem Graph formulieren.
Bei einer Formulierung als Warehouse Location Problem, entspricht die Auflage eines Loses / eine Bestellung den potentiellen Standorten für die Standorterrichtungskosten (fixe Kosten) anfallen. Die einzelnen Perioden entsprechen den Kunden die von den Standorten (Lose) zu beliefern sind.
Wenn man das Wagner-Whitin-Modell als kürzeste-Wege-Problem in einem Graphen formuliert, so hat der gerichtete Graph forgende Gestalt:
Wagner und Whitin haben mit dem nach ihnen benannten Wagner-Whitin-Algorithmus ein Vorgehen gefunden, dass optimale Lösungen liefert. Außerdem existieren noch einige Heuristiken:
Verschiedene Verfahren der dynamischen Losgrößenermittlung bieten Zeitvorteile, welche durch Qualitätsnachteile erkauft werden. Diese beziffert Leinz in Wettbewerbsvorteile durch den Einsatz dynamischer Lagerhaltungsmodelle wie folgt:
| Verfahren | k | RZ in ms |
| Wagner Whitin-Verfahren (Optimallösung) | 0 % | 325,7855 |
| Verfahren von Leinz/Bossert/Habenicht | 0,70 % | 1,7213 |
| Groff-Verfahren | 1,88 % | 0,1620 |
| Least Unit Cost-Regel | 7,31 % | 0,3104 |
| Stückperiodenausgleich | 3,27 % | 0,2499 |
| Dynamische Planungsrechnung (Freeland/Colley) | 25,49 % | 0,1782 |
k = Mehrkosten in % gegenüber der nach dem Wagner-Whitin-Algorithmus ermittelten Lösung
RZ = Rechenzeit
Prozentual sieht das dann so aus:
| Verfahren | %-Abweichung von der Referenzlösung |
| Verfahren von Leinz/Bossert/Habenicht | 0 % |
| Groff-Verfahren | – 268 % |
| Stückperiodenausgleich | – 466 % |
| Least Unit Cost-Regel | – 1041 % |
| Dynamische Planungsrechnung (Freeland/Colley) | – 3632 % |
Je nach Problemstellung sollte eine Entscheidung gefunden werden, die die verfügbare Zeit mit der notwendigen Genauigkeit ausgewogen abwägt.
Das Wagner-Whitin-Modell ist in vielerlei Hinsicht erweitert worden, beispielsweise durch knappe Lager- oder Produktionskapazitäten, variable Fertigungskosten oder Mengenrabatten.