Wahlkanton

Wahlkantone Belgiens (Stand Dezember 2023)

Wahlkanton, französisch Canton électoral, niederländisch Kieskanton ist ein Begriff des belgischen Wahlrechts. Ein Wahlkanton gliedert eine Anzahl von Gemeinden Belgiens unter einem gemeinsamen Wahlauswertungsbüro. Rechtsgrundlage für die Einteilung ist die Tabelle zu Art. 87 des Wahlgesetzbuches von 1894.

Die Größe des Wahlkantons kann von der Größe des Gerichtskantons abweichen. Seit 2019 bestehen 210 Wahlkantone, die sich anzahlmäßig wie folgt auf die Region Brüssel-Hauptstadt und die zehn Provinzen verteilen:

GebietWahl-
kantone
Gerichts-
kantone
 Region Brüssel-Hauptstadt819
 Provinz Flämisch-Brabant1514
 Provinz Limburg1511
 Provinz Antwerpen1723
 Provinz Ostflandern3121
 Provinz Westflandern2517
 Provinz Wallonisch-Brabant55
 Provinz Hennegau3420
 Provinz Namur148
 Provinz Luxemburg205
 Provinz Lüttich2619
Summe210162

Geschichte

Die Wahlkantone gehen auf die Anfangsjahrzehnte des belgischen Staates zurück. Anfänglich war das Wahlrecht an die Steuerleistung geknüpft, was dazu führte, das im Jahr der Staatsgründung (1831) bei einer Bevölkerung von 4.076.515 (einschließlich der noch ungeteilten Provinz Limburg) nur 46.099 Männer, entsprechend etwa 1,1 % der belgischen Bevölkerung, wahlberechtigt waren. Diese Wähler verteilten sich auf die damals 2498 Gemeinden, was einem Durchschnitt von 18 Wählern pro Gemeinde entsprach. Daher schien es aus praktischen Überlegungen und auch aus Gründen der Wahrung des Wahlgeheimnisses sinnvoll, größere Einheiten zur Stimmauszählung zu schaffen. Die so geschaffenen Wahlkantone orientierten sich an den Grenzen der Gerichtsbezirke. Obwohl sich schon nach der Wahlrechtsrefom von 1893 die Zahl der Stimmberechtigten auf etwa 1,37 Millionen verzehnfachte und durch spätere Wahlrechtsausweitungen weiter zunahm – insbesondere nach der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1948 – blieben die Wahlkantone bei föderalen und später auch regionalen Wahlen die kleinsten Einheiten unterhalb der Ebene der Wahlkreise, für die Wahlergebnisse bekannt gegeben wurden. Dies stieß zunehmend auf Kritik, und es gab Forderungen, die Ergebnisse bei föderalen und regionalen Wahlen aus Gründen der größeren Transparenz auch auf Gemeindeebene zu veröffentlichen. Auch waren die Wahlkantone sehr unterschiedlich groß. Im Jahr 2011 hatte der größte Wahlkanton (Antwerpen) 510.585 Einwohner und der kleinste (Fauvillers im Süden der Provinz Luxemburg) nur 2.231 Einwohner. Seit 2014 werden föderale und regionale Wahlergebnisse durch den Föderalen Öffentlichen Dienst Inneres auch auf Gemeindeebene bekanntgegeben.

Einzelnachweise

  1. ↑ ANNEXE I A LA LOI (ARTICLE 87) / BIJLAGE I BIJ DE WET (ARTIKEL 87): TABLEAU DES CIRCONSCRIPTIONS ELECTORALES / TABEL VAN DE KIESKRINGEN. (pdf) Föderaler Öffentlicher Dienst Inneres, abgerufen am 25. Juni 2024 (französisch, niederländisch).
  2. ↑ Wahlkantone. Föderaler Öffentlicher Dienst Inneres, abgerufen am 25. Juni 2024.
  3. ↑ Jean-Baptiste Nothomb: Historisch-diplomatische Darstellung der völkerrechtlichen Begründung des Königreiches Belgien. 3. Auflage. J. G. Cottasche Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1836, S. LXXIII, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10274342-0 (französisch: Essai historique et politique sur la revolution belge. Brüssel 1834. Übersetzt von Adolph Michaelis).
  4. ↑ Wilfried Dewachter: De informatierijkdom van de verkiezingen maximaliseren. In: Standpunten van de Koninklijke Vlaamse Academie van België voor Wetenschappen en Kunsten. 2012 (niederländisch, kvab.be [PDF]).
  5. ↑ Vocabulaire politique: canton électoral. Centre de recherche et d’information socio-politiques (CRISP), 2020, abgerufen am 25. Juni 2024 (französisch).