Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Unsinn (Begriffsklärung) aufgeführt.
Unsinn (von mittelhochdeutsch/althochdeutsch unsinnig/unsinnec: nicht bei Verstand, nicht bei Sinnen, ohnmächtig, bewusstlos, wahnsinnig, geisteskrank, verrückt, wütend, verblendet, töricht, delirant) ist ein von Substanz, Sinn und Logik gelöster Satz, Ausdruck oder Begriff zu einem Sachverhalt oder einer Meinung. Unsinn ist etwas anderes als Sinnlosigkeit und Aussichtslosigkeit.
Im Mittelalter gab es unter anderem den Begriff der „Unsinnigkeit“, der etwa für Manie oder Delirum stehen konnte. Mittellateinische Bezeichnungen waren amentia, dementia und frenesis, wobei dementia und delirium auch für Wahnsinn und „Wahnwitz“ (von althochdeutsch uuanawizzi) stehen konnten. Um 1790 unterschied der Würzburger Mediziner Meinolph Wilhelm verschiedene Klassen von Geisteskranken: „Tollsinnige“, „Wahnsinnige“, „Trübsinnige“ und „Blödsinnige“.
1916 wurden in der Dadaismus-Bewegung unsinnige oder widersinnige Gedichte (Unsinnspoesie) und Texte als Anti-Kunst vorgetragen. Die Bewegung gilt als Reaktion auf die Erfahrung der Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs. Hugo Ball trug in Zürich Lautgedichte vor.
Der Philosoph Ludwig Wittgenstein beschrieb Unsinn in seinem Spätwerk als das, was entsteht, wenn man „den Unterschied zwischen sachlichen und begrifflichen Untersuchungen verwischt“. Unsinnige Sätze oder Aussagen sind demnach als semantische „Regelformulierungen falsch und als vermeintliche Erfahrungssätze Nichtsinn“, das heißt „Unsinn“.
Der Linguist Noam Chomsky verwies auf den Satz “Colorless green ideas sleep furiously.”(deutsch: „Farblose grüne Ideen schlafen zornig.“) als Beispiel für einen unsinnigen, aber syntaktisch grammatischen Satz. Logisch stiftet das keinen Sinn, denn Ideen sind nicht grün und schlafen nicht; was grün ist, kann nicht farblos sein, und wütendes Schlafen scheidet aus. In der Poesie hingegen kann ein solcher Satz durchaus einen Sinn haben.
In Sprichwörter scheint das Wort kaum eingegangen zu sein, denn in Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon (5 Bände, erschienen 1866–1880) gibt es lediglich zwei Beispiele („Der Unsinn schert die Sau und sengt das Schaf“).
In der Literatur sind manche Werke dem Nonsens zuzuordnen. Ein Kinderbuch aus den 1970er Jahren schon nach dem Titel erkennbar ist hier einzuordnen: Quatsch – Bilder, Reime und Geschichten. Das Buch präsentiert Nonsens-Texte verschiedener Autoren für Kinder.
Literatur
Nils Dorenbeck: „Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns“: Philosophische Diskurskritik – ein dritter Weg linguistischer Diskursforschung. In: David Römer, Steffen Pappert, Kersten Sven Roth (Hrsg.): Zivilgesellschaftliche Linguistik. Buske, Hamburg 2025, ISBN 978-3-691-10012-9, S. 157–164.
↑Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 479 (vnsynnigkeyt) und 482 (wanwitz).
↑Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 65.
↑Ludwig Wittgenstein:Zettel. In: G. E. M. Anscombe, G. H. v. Wright (Hrsg.): Bemerkungen über die Farben/Über Gewißheit/Zettel/Vermischte Bemerkungen. Werkausgabe, Band 8, S. 259–443. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S.381.
↑Nils Dorenbeck:Von der Notwendigkeit einer Begründung der Sprachwissenschaft in der Sprache. Plädoyer für eine substantiiertere linguistische Wittgenstein-Rezeption. In: Rolf Bergmann, Karin Donhauser, Natalia Filatkina, Elvira Glaser, Susanne Kabatnik, Claudine Moulin, Theo Vennemann (Hrsg.): Sprachwissenschaft. Band50, 1, S. 61–74. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2025, S.64.
↑Quatsch – Bilder, Reime und Geschichten (= Rororo Rotfuchs. Band 66). 1974, ISBN 3-499-20066-X, S. 480.