Matthäus Waissel

Matthäus Waissel und latinisiert Matthaeus Waisselius (* um 1540 in Bartenstein/Ostpreußen; † 1602 möglicherweise in Königsberg) war ein deutscher lutherischer Theologe, Lautenist, Herausgeber von Musiksammlungen und Schriftsteller.

Leben

Ob er jener Matthaeus Waiszel Borussus war, der sich 1553 an der Universität Frankfurt (Oder) immatrikulierte, ist unsicher; in diesem Fall müsste sein Geburtsdatum deutlich vor 1540 liegen. Am 1. Februar 1561 immatrikulierte sich Waissel an der Albertus-Universität in Königsberg, wo er Theologie studierte.

Waissel wurde 1573 Schulleiter einer Schule in Schippenbeil bei Königsberg. Von 1574 bis 1587 war er Pfarrer an der Kirche Langheim (polnisch Łankiejmy). 1573 gab er ein Buch mit Lautenmusik heraus, das überwiegend Arrangements von Vokalkompositionen italienischer und deutscher Komponisten enthielt. Insgesamt veröffentlichte er vier Tabulaturbücher mit Spielstücken für die Laute. Das dritte enthielt auch Anleitungen zum Spiel der Laute. Das 1592 veröffentlichte letzte Tabulaturbuch, unter anderem Tonsätze von Philippe Verdelot enthaltend, war für lange Jahre die letzte Lautentabulatur in Deutschland und die letzte Veröffentlichung, welche die deutsche Lautentabulatur überhaupt benutzte. Waissel verlangt bei vielen Stücken ein ausgeprägtes Lagenspiel und somit die gute Beherrschung des Instruments. Seine Tabulaturbücher waren in ganz Europa verbreitet. Ob Waissel auch einige Stücke in den von ihm herausgegebenen Tabulaturbüchern selbst komponiert hat, gilt als nicht gesichert.

Waissel veröffentlichte später noch drei weitere Bücher: 1594 erschien ein Traktat Von dem wahren Adel, 1596 ein Buch mit biblischen Erzählungen in Versen, und 1599 die Chronica Alter Preusscher Eifflendischer und Curlendischer Historien.

Bekannt wurde Waissel auch durch eine Landeschronik und seine Sammlungen geistlicher und weltlicher Lieder, die er dem Herzog Albrecht Friedrich von Preußen widmete.

Sein Sohn, der auch den Namen Matthäus Waissel trug, wurde ebenfalls Musiker; 1598 ist er als Instrumentist in Riga nachweisbar, und von 1616 bis 1619 war er Mitglied der Hofkapelle von Königsberg.

Werke

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Tabulatura continens insignes et selectissimas quasque cantiones […] In lucem aedita per Matthaeum Waisselium im VD 16.; RISM ID: 990067633
  2. ↑ Douglas Alton Smith: A history of the lute from antiquity to the Renaissance. Lute Society of America, Lexington 2002, ISBN 0-9714071-0-X, S. 179 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. ↑ Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 1. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1968, S. 129.
Personendaten
NAME Waissel, Matthäus
ALTERNATIVNAMEN Waisselius, Matthaeus
KURZBESCHREIBUNG deutscher Pfarrer, Lautenist und Schriftsteller
GEBURTSDATUM um 1540
GEBURTSORT Bartenstein
STERBEDATUM 1602
STERBEORT unsicher: Königsberg