Wakash-Sprachen

Die Wakash-Sprachen oder Wakashan-Sprachen sind eine indigene nordamerikanische Sprachfamilie aus sieben Sprachen, die in und auf Vancouver Island in British Columbia, Kanada, sowie südlich der Juan-de-Fuca-Straße im Nordwesten der Olympic Peninsula in Washington, USA, gesprochen wurden. Die meisten Einzelsprachen (bzw. Dialekte) zählen zu den ernsthaft gefährdeten Sprachen (Haisla, Heiltsuk, Oowekyala, Nuu-chah-nulth und Ditidaht), das Kwak'wala (inklusive dem Lik'wala) gilt als stark gefährdet und das Makah aktuell als ausgestorbene Sprache jedoch zugleich als „ruhend“ (englisch dormant).

Verteilung der Wakash-Sprachen vor Ankunft der Europäer

Klassifikation

Intern werden die Wakashan-Sprachen bzw. das Wakashan sowohl geographisch als auch linguistisch in zwei Gruppen unterteilt:

I. Nördliche Wakashan-Sprachen (auch: Kwakiutl-Sprachen)

1. Haisla oder X̄a'’islak̓ala / X̌àh̓isl̩ak̓ala bzw. Haisla-Henaksiala (engl. Aussprache: Hyzlah, Sprache der Haisla, auch: Xiʔslak'ala, Kitamat, Kitlope, Nördliches Kwakiutl, Haishilla genannt; zwei regionale Dialekte; lt. FPCC-Bericht 2018: 89 Sprecher und 123 Lernende Sprecher, Population: 1.871)

2. Kwak'wala oder Kwak̓wala (Sprache der Kwakwaka'wakw mit vier Dialekten sowie der Ligwilda'xw (Laich-kwil-tach); lt. FPCC-Bericht 2018: Sprecher: 139, 367 Halbsprecher und 763 Lernende Sprecher, Population: 6.224)

a. Kwak'wala/Kwak̓wala oder Nördliches Kwakiutl

b. Lekwala/Lik'wala/Liq̓ʷala oder Südliches Kwakiutl

A. Heiltsuk-Oowekyala (auch: Heiltsuk, Bella Bella, Heiltsuk-Oweek'ala, Belbellah, Heiltsuk-Oowekyala)

3. Heiltsuk oder Hailhzaqvla bzw. Haíɫzaqv/Híɫzaqvḷa (engl. Aussprache: Hel-sic, Sprache der Heiltsuk (Haíɫzaqv / Híɫzaqv), in Ethnologue als Nördliches Heiltsuk bezeichnet, auch Bella Bella und Haihais, mindestens fünf Dialekte, lt. FPCC Bericht 2018: 39 Sprecher, 169 Halbsprecher und 337 Lernende Sprecher, Population: 3.330)

4. Oowekyala oder ’Wuik̓ala (auch: 'Uik'ala, Ooweekeeno, Wuikala, Wuikenukv, Oweekeno, Wikeno, Owikeno, Oweekano, Awikenox, Oowek'yala, Oweek'ala, in Ethnologue als Südliches Heiltsuk bezeichnet, Sprache der Wuikinuxv (Oowekeeno bzw. Rivers Inlet People), lt. FPCC Bericht 2018: 6 Sprecher, 5 Halbsprecher und 10 Lernende Sprecher, Population: 280)

II. Südliche Wakashan-Sprachen (auch: Nootka-Sprachen)

5. Nuu-chah-nulth oder Nuučaan‘uƚ (auch: Nootka, Aht, Nuuchahnulth, Nuučaan̓uɫ, Nutka, West Coast, Quuquu'aca, T̓aat̓aaqsapa/T'aat'aaqsapa, Sprache der Nuu-chah-nulth, lt. FPCC Bericht 2018: 108 Sprecher, 497 Halbsprecher und 794 Lernende Sprecher, Population: 7.895, 12 Dialekte)

6. Ditidaht oder Ditidaqiic̓aq Cicqiʔ ("Ditidaht-Sprache") bzw. DiiɁdiitidq / Diidiitidq ("Ditidaht sprechen") (meist jedoch als: Diitiidʔaaʔtx̣/Ditidaht, auch: Nitinaht, Nitinat, Ditidaht-Pacheedaht und früher Südliches Nookta, zwei (evtl. drei) Dialekte, Sprache der Ditidaht, Pacheedaht und Ts'uubaa-asatx (Lake Cowichan), lt. FPCC Bericht 2018: 7 Sprecher, 30 Halbsprecher und 83 Lernende Sprecher (hierunter jedoch aktuell keine Pacheedaht und Ts'uubaa-asatx), Population: 1.354)

7. Makah oder Qʷi·qʷi·diččaq (auch: Kwe-Nee-Chee-Aht, Kweedishchaaht, Macaw, Sprache der Makah (Kwih-dich-chuh-aht/Qʷidiččaʔa·tx̌) und der heute ausgestorbenen Ozette; keine Muttersprachler, seit 2002 eine ausgestorbene Sprache)

Der linguistische Abstand zwischen der Nord- und Südgruppe ist relativ groß, während die Sprachen innerhalb dieser Gruppen eng miteinander verwandt sind.

Externe Beziehungen

Chimakum und Mosan

Ein älterer Vorschlag verbindet die Wakashan-Sprachen genetisch mit den fast ausgestorbenen Chimakum-Sprachen. Die Sprachen beider Gruppen sind typologisch ähnlich und besitzen einige lexikalische Gemeinsamkeiten, die Campbell 1997 allerdings eher auf areale Kontaktphänomene zurückführt. Darüber hinaus wurde von Edward Sapir und Morris Swadesh eine Zugehörigkeit beider Familien und der Salish-Sprachen zum Mosan vorgeschlagen, wobei Swadesh seine Meinung später änderte und die Wakash-Sprachen als mit dem Eskimo-Aleutischen verwandt ansah, worüber er allerdings nichts veröffentlichte. Die Mosan-Hypothese hat sich in der Forschung nicht durchgesetzt.

Eskimo-Aleutisch

Nach dieser von Morris Swadesh initiierten und von Jan Henrik Holst ausgebauten Theorie sind die Wakashan-Sprachen mit den eskimo-aleutischen Sprachen verwandt. Holst (2005) begründet das durch eine Liste von 62 Wortgleichungen, die Herleitung einiger Lautgesetze und grammatische Evidenz. Diese Beziehung überschreitet die von Joseph Greenberg gezogene Grenze zwischen den eskimo-aleutischen und den Amerind-Sprachen (siehe dort). Auch diese Verwandtschaftstheorie wird in der Forschung überwiegend abgelehnt.

Gemeinsame grammatische Eigenschaften

Phonologie

Wakash-Sprachen zeichnen sich durch ein großes Phoneminventar aus. Charakteristisch ist dabei eine Reihe von Ejektiven sowie eine Reihe labialisierter Konsonanten. Außerdem gibt es eine große Zahl von Affrikaten.

Morphologie

Wakash-Sprachen sind wie die meisten nordamerikanischen Sprachen polysynthetisch. Die Wakash-Sprachen weisen dabei eine große Zahl lexikalischer Affixe auf und verfügen über ein Evidentialsystem. Sie weisen eine nur sehr schwach durch morphosyntaktische Eigenschaften repräsentierte Nomen-/Verb-Unterscheidung auf (vgl. Wortart).

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Language Geek - Wakashan - Xaislakala (Haisla)
  2. ↑ First Nations Pronunciation - A Basic Guide to Names
  3. ↑ FPCC First Peoples' Map of B.C.
  4. ↑ FPCC-Language Report
  5. ↑ Endangered Languages Project (ELP) - Metadaten der Sprache
  6. ↑ Homepage der Gwa'sala-'Nakwaxda'xw Nations
  7. ↑ die "Qwe-Qwa-Sot'Enox" und "Ḵwiḵwa̱sut'inux̱w" bildeten ursprünglich eine Gruppe mit der Hauptsiedlung Gwayasdums, die jedoch die dort ansässigen Familien vorübergehend verlassen mussten, um sich vor den Nuxalk in Sicherheit zu bringen, einige Familien schlossen sich den Mamalilikulla an und identifizieren sich als "Qwe-Qwa-Sot'Enox", die anderen Familien schlossen sich als "Ḵwiḵwa̱sut'inux̱w" den Haxwa’mis an und besiedelten mit diesen später erneut die Siedlung Gwayasdums
  8. ↑ so dass in manchen Publikationen über die Kwakwaka'wakw bzw. Laich-kwil-tach die "Comox (K’ómoks)" und "Pentlatch (Puntletch)" als Küsten-Salish gruppiert werden und in solchen über Küsten-Salish als Kwakwaka'wakw bzw. Laich-kwil-tach
  9. ↑ die Ts'uubaa-asatx - meist als "Lake Cowichan" bekannt und von den Ditidaht c̓uubaʕsaʔtx̣ genannt - werden daher oft mit den benachbarten Cowichan Tribes (Quw’utsun Mustimuhw / Quw’utsun Hwulmuhw - "Volk des warmen Landes") verwechselt, die jedoch einen "Hul'qumi'num (Island)"-Dialekt des Halkomelem (einer Sprache der Küsten-Salish) sprechen, bezüglich Vertragsverhandlungen mit der Regierung sind die Ts'uubaa-asatx jedoch weiterhin Teil der "Hul'qumi'num Treaty Group". Aktuell versuchen sie mit Unterstützung der Nuu-chah-nulth und Ditidaht ihre ursprüngliche Kultur und Sprache wiederzubeleben.
  10. ↑ Website der Ts'uubaa-asatx Nation (früher: Lake Cowichan First Nation)
  11. ↑ Lyle Campbell: The Indigenous Languages of the Americas. History and Classification. Oxford University Press, 2024, S. 46.
  12. ↑ Lyle Campbell: The Indigenous Languages of the Americas. History and Classification. Oxford University Press, 2024, S. 35.