Walter Ernsting wuchs, bedingt durch die Heiraten und Scheidungen seiner Mutter, in Essen, Lüdenscheid und Bonn auf, besuchte bis zur elften Klasse das Gymnasium und schlug sich als Dackelzüchter durch. 1940 wurde er kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zur Wehrmacht eingezogen. Über Polen, Königsberg, Norwegen, Frankreich und Riga kam er 1945 ins Kurland, wo er in Gefangenschaft geriet. Ein Mitgefangener denunzierte ihn bei den Behörden, so dass Ernsting 1947 zu fünf Jahren Straflager in Karaganda (Kasachstan) verurteilt wurde. Nach seiner Entlassung aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft 1950 kam er bei Verwandten in Velken (Ruppichteroth) unter. Dort lebte er fast ein Jahr lang.
Ab 1952 arbeitete er als Übersetzer bei den britischen Besatzungsbehörden. Während dieser Tätigkeit kam er mit der amerikanischen Science-Fiction der amerikanischen Pulp-Magazine in Berührung. Seit 1954 arbeitete Ernsting hauptberuflich beim Pabel Verlag, wo er den Utopia-Großband als Redakteur und Übersetzer betreute. Der Schwerpunkt der Hefte lag auf englischsprachigen Autoren.
Im August 1955 gründete Ernsting mit anderen zusammen den Science Fiction Club Deutschland (SFCD). Mit großem Enthusiasmus arbeitete er an seinem Ziel, Science-Fiction und Fandom in der Bundesrepublik heimisch zu machen und deren Bedeutung zu erhöhen. Dabei vertrat er seine persönlichen Standpunkte mit großer Überzeugung und tat sich mit Kritik daran schwer.
1981 zog Ernsting, der in Bayern und Österreich lebte, nach Irland (nahe Youghal in County Cork). Er kehrte aber später aus gesundheitlichen Gründen zurück, um in der Nähe seiner Kinder in Salzburg zu leben.
Rainer Eisfeld beschreibt Ernsting als vom Naturell her den Menschen zugewandt. Im Guten wie im Bösen habe er sein Herz auf der Zunge getragen.
Seinen ersten RomanUFO am Nachthimmel veröffentlichte er 1955 mithilfe eines Tricks. Da der Pabel-Verlag, für dessen SF-Reihe Utopia-Großband er damals als Übersetzer arbeitete, keine deutschen Autoren herausbringen wollte, reichte Walter Ernsting seinen Roman als angeblich übersetztes Werk des fiktiven britischen Autors Clark Darlton mit dem Originaltitel To-Morrow the Future ein. Das mit dem vorgeblich englischsprachigen Ursprungsautor hatte allerdings zuvor bereits der deutsche Schriftsteller Joachim Rennau gemacht. Für UFO am Nachthimmel und Die Zeit ist gegen uns (1956) wurde Ernsting als Darlton im September 1957 in Bad Homburg auf einer Tagung des Science Fiction Clubs Deutschland (siehe unten) der Hugo Award verliehen.
Weitere Romane, die unter dem Pseudonym Clark Darlton verfasst wurden, sind unter anderen Raum ohne Zeit (1957) und eine Trilogie um einen galaktischen Krieg, die im Jahr 1958 erschien, bestehend aus den Romanen Attentat auf Sol, Zurück aus der Ewigkeit und Die Galaktische Föderation. Außerdem war er einer der Mitbegründer des Science Fiction Club Deutschland, dessen Vorsitz er auch einige Zeit innehatte.
Gemeinsam mit Karl-Herbert Scheer hob er 1961 die Romanserie Perry Rhodan aus der Taufe. Scheer war allein für die Hintergründe, die Exposés und die Vorgaben für die Handlung verantwortlich, während Ernsting unter anderem die Namenswahl der jeweiligen Helden übernahm.
Der Politologe und Science-Fiction-Experte Rainer Eisfeld erkennt in den Anfängen der Perry-Rhodan-Serie Parallelen zur Sun-Koh-Heftromanserie (1933–1936), für die sich Walter Ernsting bereits als Schüler begeistert hatte.
Ernstings Beitrag zu Perry Rhodan umfasst 192 Hefte, 26 Taschenbücher und 32 Romane zur parallel laufenden Atlan-Serie. Gucky der Mausbiber, eine (gemeinsam mit Scheer erfundene) Figur Ernstings, ist zu einer der beliebtesten Figuren der Serie geworden. Gemeinsam mit dem 1991 verstorbenen Scheer und dem 1995 verstorbenen Johnny Bruck blickte er auf die längste Karriere im Rhodan-Universum zurück.
Offiziell hatte er sich mit der Heftnummer 1622 aus der Serie zurückgezogen, wurde aber noch immer als Mitglied des Autorenteams gesehen und war gern gesehener Gast auf Veranstaltungen.
Ernstings Werk umfasst mehr als 300 Romane und Dutzende Kurzgeschichten. Den Großteil machen die serienbezogenen Erzählungen aus, die unter dem Namen Clark Darlton veröffentlicht wurden; aber auch unter dem Namen Walter Ernsting veröffentlichte er zahlreiche Bücher.
Bibliographie
Romane
Soweit nicht anders vermerkt wurden alle Bücher bis 1972 unter dem Namen Clark Darlton veröffentlicht.
Die Schwelle zur Ewigkeit. Pabel, Rastatt 1957. DNB363716017. (Utopia-Großband #54) (auch: An der Schwelle zur Ewigkeit. Pabel, Rastatt 1981, DNB1139982915 Utopia-Classics #32)
Das Planetenabenteuer. S. Mohn, Gütersloh 1966, DNB456571973. (Neuausgabe: Mit Lichtgeschwindigkeit zu Alpha II. Boje Verlag, Stuttgart 1974, ISBN 3-414-16570-8.)
Leben aus der Asche. Moewig, München 1966, DNB456571922. (mit Robert Artner; Neuausgabe: Pabel, Rastatt 1985, ISBN 3-8118-3309-X. (nennt nur Darlton als Autor))
Walter Ernsting war auf zwei Titelbildern der Perry-Rhodan-Heftserie abgebildet. Auf dem Titelbild von Johnny Bruck zu Band 1007, Die Kosmische Hanse, (1980) trägt Ernsting die von ihm mit erdachte und geprägte Romanfigur Gucky auf dem Arm. Nach Ernstings Tod im Januar 2005 erschien am 9.September 2005 Perry-Rhodan-Band Nr.2299, Ahandaba. Das von Swen Papenbrock geschaffene Titelbild dieses Bandes zeigt ebenfalls ein Porträt Ernstings.
Gustav R. Gaisbauer (Hrsg.): Walter Ernsting zum Gedächtnis. (= Fantasia. 188/189; = Sekundärliterarische Reihe / Erster Deutscher Fantasy-Club. 56). Erster Deutscher Fantasy Club, Passau 2005, ISBN 3-932621-80-8.
Heiko Langhans: Clark Darlton. Der Mann, der die Zukunft brachte. Verlagsunion Pabel Moewig, Rastatt 2000, ISBN 3-8118-2098-2.
Ein Freund der Menschheit. Abschied von Walter Ernsting, Pionier der deutschen Science Fiction. Terranischer Club Eden, Bottrop 2005.
Wolfgang Thadewald/Ulrich Blode (Hrsg.): UNSER WALTER. Ein kleines Büchlein zum Gedenken an Walter Ernsting anlässlich seines 100. Geburtstags – mit Texten von Weggefährten, Kollegen und Freunden, Gebliebenen und Weitergereisten, Winnert (p.machinery) 2020, ISBN 978-3-95765-202-7, ISBN 978-3-95765-887-6.
Dieter Braeg (Hrsg.): Walter Ernsting. Ein Leben ohne und mit Science Fiction. Berlin (Die Buchmacherei) 2019, ISBN 978-3-9820783-6-6.
Norbert Fiks: Walter Ernsting – ein Pionier der Prä-Astronautik. Lange vor Erich von Däniken ließ der SF-Schriftsteller Außerirdische die frühgeschichtliche Erde besuchen. Er war nicht der einzige, in: phantastisch!, Nr. 85, 2022, S. 28–32.
123456Klaus N. Frick im Interview mit Rainer Eisfeld: Wie war das eigentlich «damals» – in den 50er- und frühen 60er-Jahren? – Über die Anfänge der PERRY RHODAN-Serie und die beiden Gründungsautoren,. In: Perry Rhodan report Nr. 532, S. 3–6, in: Michelle Stern: Die Stunde des Orakels, Perry Rhodan Nr. 3.020, Pabel-Moewig, Rastatt. 5. Juli 2019.
↑In Bad Homburg wurde der „Hugo“ verliehen. Leben in Utopia. Es ging um utopische Literatur und Weltraumfahrt. In: Frankfurter Neue Presse v. 18. September 1957.