Walter Holstein (* 26. Oktober 1881 in Konstantinopel; † 27. Dezember 1947) war ein deutscher Diplomat.
Walter Holstein, Sohn eines Kommerzienrates, besuchte das Gymnasium Carolinum in Osnabrück, wo er zu Ostern 1901 sein Abitur ablegte. Vom 1. Oktober 1901 bis 30. September 1902 diente er als Einjährig-Freiwilliger in der Armee und erreichte den Dienstgrad eines Leutnants der Reserve. Anschließend studierte er bis 1906 Jura in Berlin. 1905 legte er sein Dragomansdiplom in der türkischen Sprache am Seminar für Orientalische Sprachen, ebenfalls in Berlin, ab. Es folgte am 22. Dezember 1906 sein Referendarexamen. Ab dem 9. Mai 1907 war er im preußischen Justizdienst und wurde am 19. Oktober des gleichen Jahres in den Dragomanatsdienst des Deutschen Reiches einberufen. Er war von 1911 bis April 1918 Vizekonsul in Mossul; zeitweise war er kommissarischer Leiter des Konsulats.
Als Mitglied des deutschen Stabes bei der Osmanischen Armee in Mossul war Holstein Zeuge des Völkermords an den Armeniern. Der Völkermord empörte ihn, wie auch andere deutsche Diplomaten in der Region wie Max Erwin von Scheubner-Richter in Erzurum, Eugen Büge in Adana oder Walter Rößler in Aleppo, was bei diesen zu einer Erwartungshaltung an eine geeignete deutsche Reaktion führte. Am 10. Juni 1915 schickte er in diesem Zuge ein Telegramm an den deutschen Botschafter in Konstantinopel Hans von Wangenheim, worin er schrieb, dass die Armenier aus Diyarbakır angeblich nach Mossul umgesiedelt werden sollten, stattdessen aber als verstümmelte Leichen den Tigris hinuntergeschwommen kämen. Der Marineattaché der Deutschen Botschaft in Konstantinopel, Hans Humann, merkte handschriftlich auf dem Telegramm Holsteins an: „Die Armenier werden – aus Anlaß ihrer Verschwörung mit den Russen! – jetzt mehr oder weniger ausgerottet. Das ist hart, aber nützlich.“ Holstein hingegen drückte bei osmanischen Regierungsvertretern in Mossul seine tiefste Abscheu über die Verbrechen aus.
Nach Übernahme in den Konsulardienst war Holstein als Vizekonsul ab 1921 an der schwedischen Gesandtschaft in Konstantinopel als Bearbeiter der deutschen Interessen tätig, bis 1924 wieder eine eigene deutsche Gesandtschaft in der Türkei errichtet wurde, wo Holstein hinwechselte. Er wurde Legationssekretär und war ab 1925 Gesandtschaftsrat in Ankara, bis er 1927 deutscher Konsul für das neu eingerichtete Konsulat in Trabzon wurde. 1931 wurde er als Nachfolger von Wilhelm Padel Leiter des Konsulats in Izmir. 1936 wurde ihm die Amtsbezeichnung Generalkonsul verliehen. In seinen letzten Dienstjahren in der Türkei wurde Holstein mehrmals in kommissarischer Funktion als Botschaftsrat an der Botschaft in Ankara eingesetzt. Er leitete das Generalkonsulat Izmir bis 1943, als er von Herbert Dittmann abgelöst wurde. Anschließend übernahm Holstein eine Tätigkeit in der kulturpolitischen Abteilung in der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin. 1944 wurde er zur Disposition gestellt.
Zum 1. Oktober 1935 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.482.713). 1927 heiratet er Anna Wendemuth. Das Paar hatte mehrere Kinder. Holstein war römisch-katholisch, seine Frau und die gemeinsamen Kinder hingegen evangelisch.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Holstein, Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Diplomat |
| GEBURTSDATUM | 26. Oktober 1881 |
| GEBURTSORT | Konstantinopel |
| STERBEDATUM | 27. Dezember 1947 |