Walter Menzl

Walter Menzl (* 29. Mai 1906 in der Nähe von Zwickau in Sachsen; † 1994 in Marxzell) war ein deutscher Philosoph, Schriftsteller und Abenteurer.

Leben

Walter Menzl wurde als Sohn einer Bergarbeiterfamilie in einfachen Verhältnissen geboren. 1919 siedelte die Familie nach Westfalen um. Nach dem Besuch der Volksschule in Bockum-Hövel begann er eine Lehre als Vermessungstechniker. Nach zwei Jahren orientierte er sich um und wollte Bautechniker werden. Ein Jahr später beendete der Lehrherr diese Ausbildung. Menzl arbeitete danach im Bergbau wie sein Vater. Im Alter von 17 Jahren wanderte er das erste Mal nach Brasilien aus. Er bereiste Südamerika, kehrte aber mehrmals in seine Heimat zurück. In dieser Zeit übte Menzl unterschiedlichste Berufe aus.

Während philosophischer Studien in Berlin entwickelte er 1935 die Grundgedanken seiner Philosophie. Sein Hauptwerk Die Totalschau des Universums enthält acht Thesen. Es handelt sich um ein philosophisches System zur Weltverbesserung. Da den Nazis seine Erkenntnisse nicht zusagten, musste er Deutschland wieder verlassen und ging wieder nach Südamerika, dieses Mal für zwei Jahrzehnte. In dieser Zeit lernte ihn der österreichische Schriftsteller Robert Menasse, damals noch ein Kind, kennen.

Peter Paul Rubens Der Höllensturz der Verdammten

In den 1950er Jahren kehrte Walter Menzl nach Deutschland zurück und lebte zunächst in Konstanz, dann im Aachener Raum und zuletzt im Schwarzwald.

Unrühmliche Bekanntheit erlangte Menzl durch einen Anschlag mit acetonhaltigem Abbeizmittel auf das Rubens-Gemälde Der Höllensturz der Verdammten am 26. Februar 1959 in der Alten Pinakothek in München. Er wollte so auf seine Philosophie aufmerksam machen. Kurz nach dem Attentat erreichten Eilbriefe mit dem Absender „Freies Philosophisches Institut, Walter Menzl, Überlingen/Bodensee“ Münchner Zeitungsredaktionen, in denen die Zerstörung des Bildes Die Vier Apostel angedroht wurde. Der restliche Inhalt des Briefes ist wirr, es ist vom explosionsartigen Ausbruch seines Geistes die Rede, der etwas Entscheidendes zur Zukunft der Menschheit zu sagen habe. Die Polizei konnte Menzl schnell in einer Pension ausfindig machen und in weniger Stunden festnehmen. Am 15. Juli 1959 wurde Menzl vom Landgericht München wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ zu einer Haftstrafe von drei Jahren und Schadensersatz von 800.000 DM verurteilt.

Robert Menasse verewigte Menzl als „Kurt Walmen“ in seinem Roman Selige Zeiten, brüchige Welt. Die erste Seite beginnt in der Alten Pinakothek mit dem Attentat Walmens auf Rubens Höllensturz.

Teile seiner Werke veröffentlichte Walter Menzl unter dem Pseudonym „Paul Brecher“.

Werke (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Karl Stankiewitz: Schwarze Tage - Das Münchner Katastrophenbuch. Franz Schiermeier Verlag, München 2006, ISBN 978-3-9809147-9-6, S. 73, 74.
Personendaten
NAME Menzl, Walter
ALTERNATIVNAMEN Brecher, Paul (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Philosoph und Schriftsteller
GEBURTSDATUM 29. Mai 1906
GEBURTSORT bei Zwickau, Sachsen
STERBEDATUM 1994
STERBEORT Marxzell