Walter Titel

Walter Titel (* 13. Mai 1894 in Forsthaus Seehorst, Zerrin, Provinz Pommern; † 15. Juli 1944 bei Vilnius) war ein deutscher SS-Standartenführer.

Werdegang

Titel leistete Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, zuletzt als Zahlmeister und Oberjäger. Danach trat er in die Schutzpolizei ein. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er in das Kommandoamt im Hauptamt der Ordnungspolizei im Reichsministerium des Innern übernommen und war in dieser Funktion Verbindungsoffizier zum Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Er trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.640.683). Am 9. November 1938 trat er, damals Hauptmann der Schutzpolizei, auch der SS bei (SS-Nummer 310.317) und wurde sogleich zum SS-Hauptsturmführer und zum SS-Führer beim Stab des SS-Hauptamtes ernannt.

Titel war Mitglied des Vorstandes des Organisationskomitees für die Olympischen Winterspiele 1936. Im Vorfeld der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs war er im März und April 1938 Teil des „Organisationsstabs zur Durchführung der Führerkundgebungen in Österreich“. Daraufhin wurde er im November 1938 von Adolf Hitler zum Major der Schutzpolizei befördert.

Ab September 1941 wurde er vom SS-Führungshauptamt zum Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda abkommandiert, wo er die Abteilung „Reichsverteidigung“ leitete. Im Sommer 1942 leistete er als Angehöriger der Waffen-SS Kriegsdienst an der Ostfront; er wurde anschließend zum SS-Obersturmbannführer und Oberstleutnant der Schutzpolizei befördert. Danach kehrte er nach Berlin zurück und nahm seine Tätigkeit im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda wieder auf. Er wurde dann Teil des SS-Panzergrenadier-Ausbildungs- und Ersatz-Bataillons 1.

1944 kehrte er als Führer des SS-Polizei-Regiments 16 an die Ostfront zurück und wurde in Litauen eingesetzt. Am Morgen des 3. Juni 1944 wurde eine Autokolonne mit Angehörigen des 3. Bataillons des SS-Polizei-Regiments 16 auf der Straße von Vilnius nach Eišiškės im Wald etwa 2 km südlich von Pirčiupiai von Partisanen überfallen. 16 SS-Polizei-Angehörige wurden dabei getötet. Auf Befehl von Titel kam elf Stunden später eine Kolonne von 400 Mann auf etwa 20 Fahrzeugen und 3 Panzern nach Pirčiupiai und umzingelte das Dorf. Die Bewohner wurden aus den Häusern geholt, und alles Verwertbare aus den Häusern wurde auf die Fahrzeuge verladen. Die Männer des Dorfes wurden in ein Haus eingeschlossen, das dann in Brand gesteckt wurde. Ebenso wurden die Frauen und Kinder eingeschlossen und verbrannt. In der dreistündigen Aktion wurden 119 Bewohner verbrannt, darunter 69 Kinder. Wenige Personen im Wald außerhalb des Dorfes beobachteten das Geschehen und berichteten später. Die Durchführung des Massakers von Pirčiupiai stand unter der persönlichen Führung Titels.

Mitte Juli 1944 starb Titel bei einem Kampfeinsatz in der Nähe von Vilnius. Er war Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse, der Wiederholungsspange 1939 zum Eisernen Kreuz 2. Klasse und des Kriegsverdienstkreuzes II. Klasse mit Schwertern. Posthum wurde er von Hitler rückwirkend zum 1. Juli 1944 zum SS-Standartenführer und zum Oberst der Schutzpolizei befördert. Außerdem wurde ihm posthum das Deutsche Kreuz in Gold verliehen.

Titel war verheiratet und Vater einer Tochter.

Rezeption

Im 1981 veröffentlichten sowjetischen Film Der Fakt des Regisseurs Alimantas Grikiavicius über das Massaker von Pirčiupiai wurde Titel von Donatas Banionis gespielt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/44851609
  2. 1 2 Deutsches Historisches Museum Berlin: Litauen: Der Widerstand und das Leid (abgerufen am 19. September 2026).
  3. ↑ Stefan Klemp: „Nicht ermittelt“, Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz - Ein Handbuch. 3. korrigierte, erweiterte und überarbeitete Auflage. Metropol Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-86331-588-7, S. 373–380.
  4. ↑ Der Fakt. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 20. September 2026.
Personendaten
NAME Titel, Walter
KURZBESCHREIBUNG deutscher SS-Standartenführer
GEBURTSDATUM 13. Mai 1894
GEBURTSORT Forsthaus Seehorst, Zerrin
STERBEDATUM 15. Juli 1944
STERBEORT bei Vilnius