Walter Trier

Walter Trier, einen Bleistift spitzend
Illustration Walter Triers für das Buchcover von Emil und die Detektive (Erich Kästner 1929)
Gustav Hochstetter: Maruschka Braut gelibbtes! Briefe aus „Debberitz“ (1915)
Eugen Szatmari: Das Buch von Berlin (1927) aus der Reihe Was nicht im „Baedeker“ steht
Berliner Gedenktafel am Haus, Herwarthstraße 10, in Berlin-Lichterfelde

Walter Trier (* 25. Juni 1890 in Prag, Österreich-Ungarn; † 8. Juli 1951 in Craigleith bei Collingwood, Ontario, Kanada) war ein Zeichner, Illustrator und Karikaturist.

Leben

Walter Trier war Sohn des Handschuhhändlers Heinrich Trier. Er hatte sechs Geschwister. Er besuchte die kaiserlich-königliche Erste Deutsche Staatsschule in Prag in der Nikolandergasse. Er studierte nur kurz an der Kunstgewerbeschule in Prag und dann an der Münchner Akademie bei Franz von Stuck und nahm Stunden an der Privatakademie von Heinrich Knirr. Er arbeitete ab 1909 für den Simplicissimus, die Jugend und die Lustigen Blätter, als deren "stärkste Säule" er galt, zeichnete seit 1910 für den Ullstein-Verlag, so für die Berliner Illustrierte, den Uhu und Die Dame. Er war zudem für Ulk und die satirische Monatszeitschrift „Die Frechheit“ tätig. Um 1911 zog er nach Berlin. Während des Ersten Weltkrieges zeichnete er eine Reihe propagandistischer Karikaturen gegen Großbritannien und die anderen Ententemitglieder für die Kriegsnummern der Lustigen Blätter, Berlin.

Trier war außerdem Werbezeichner, schuf Zeichentrickfilme, Bühnenbilder und Kostüme. Auch das Kinderspielzimmer auf dem Dampfer Bremen stammte von ihm. 1919–1920 veröffentlichte er Karikaturen für die Illustrierte Filmwoche.

Der bereits sehr erfolgreiche und weltweit angesehene Trier wurde durch seine Illustrationen zu Kinderbüchern von Erich Kästner langzeitig berühmt. 1929 machte die Verlegerin Edith Jacobsohn ihn mit Erich Kästner bekannt und so wurde er noch im selben Jahr zum Illustrator des ersten Kinderbuches von Erich Kästner, Emil und die Detektive, und trug viel zu Kästners Erfolg als Kinderbuchautor bei. Bis 1933 illustrierte er fünf Bücher von Kästner, insgesamt wurden es dreizehn. Daneben war er gestalterisch auch bei Werken von Erika und Klaus Mann, Alexander Roda Roda, Kurt Tucholsky und Hermann von Wedderkop tätig.

Ab 1927 fertigte er insgesamt 17 Einbandentwürfe für die Reihe des Piper Verlags Was nicht im „Baedeker“ steht, die bis Ende der 1930er-Jahre erschien. Ab 1934 folgten sechs Trier-Einbände in gleicher Manier für die Reihe Was nicht im Wörterbuch steht. Auch die Illustrationen der bekannten Geschichte für kleine und große Jungen Klapzubova jedenáctka (dt. Klapperzahns Wunderelf) stammten von Trier, der 1929 bekannte, ein Fußballenthusiast zu sein, und zum Kreis des Berliner Künstler-Sportclubs Oase gehörte. Für ein Sammelbildalbum der „Haus Bergmann“ Zigarettenfabrik AG zeichnete er um 1930 Karikaturen bekannter deutscher Sportler (z. B. Max Schmeling, Otto Schmidt, Inge und Ellen Braumüller).

Nach der Machtübergabe an die Nazis 1933 waren die Illustrationen zu Mark Twains Die Abenteuer des Tom Sawyer und Huckleberry Finn sein letztes Werk auf dem europäischen Festland,. 1935 wurden alle Bücher mit "Beteiligung des Juden Walter Trier" verboten. Er emigrierte daraufhin mit Frau und Tochter Ende 1936 nach London, wo er für die Satirezeitschrift Liliput und die Illustrierte Picture Post zeichnete. Politische Zeichnungen zum Massaker von Lidice und dem Attentat auf Heydrich erschienen im britischen deutschsprachigen Wochenblatt Die Zeitung. 1942 schrieb und gestaltete er für das britische Informationsministerium ein Flugblatt „Nazi-Deutsch in 22 Lektionen“, welches von Maschinen der Royal Air Force über den von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten abgeworfen wurde und eine andere Lesart oder Definition der gängigsten Nazi-Begriffe und Thesen anbieten sollte. In Zusammenarbeit mit dem tschechischen Karikaturisten Adolf Hoffmeister gab er 1944 die Sammlung politischer Karikaturen Jesters in Earnest heraus. Weiterhin steuerte er Illustrationen zu Kinderbüchern bei und gab eigene Bände und Spielbücher heraus. 1945 illustrierte er das Heft 34 Brer Rabbit der englischen Kinderzeitschrift Puffin Picture Books.

1947 wanderte Trier mit seiner Frau zu seiner Tochter nach Kanada aus, wo er sein zeichnerisches Wirken fortsetzte, als Werbegrafiker und weiterhin als Illustrator für Bücher Kästners. Er lebte mit seiner Frau in Collingwood.

Walt Disney bot ihm eine Stelle als Trickfilmzeichner an, Trier lehnte das aber ab, da er nicht unter einem fremden Konzernlogo arbeiten wollte.

Trier signierte seine Werke meistens in der rechten unteren Ecke mit seinem Nachnamen in Druckschrift.

Walter Trier verstarb am 8. Juli 1951 in seinem Atelier an den Folgen eines Herzschlags. Er war seit 1912 mit der aus Polen stammenden Helene Mathews (1893–1994) verheiratet. Aus der Ehe ging die Tochter Margarete (geb. 1914) hervor.

Zeitgenössische Rezeption

Er "macht die Wirklichkeit zum Märchen und das Märchen zur Wirklichkeit. … Die Figuren, mit denen er die Kartons bevölkert, sind so rührend schlicht und drollig..."

Ehrung

Am 1. Juli 2024 wurde an seinem ehemaligen Wohnort, Berlin-Lichterfelde, Herwarthstraße 10, eine Berliner Gedenktafel enthüllt.

Ausstellungen

Werk

Buchillustrationen

  • Felix Schloemp – Walter Trier: Schabernack und Lumpenpack. Die lustigsten Moritaten und Schauerballaden. Georg Müller Verlag München und Leipzig 1913
  • Fred A. Colman – Walter Trier: Artisten. Paul Aretz, Dresden 1928
  • Die von Walter Trier illustrierten Kinderbücher von Erich Kästner finden sich mit Abbildungen der Umschläge bei der Erich Kästner Gesellschaft.
  • Erich Kästner – Walter Trier: Till Eulenspiegel – Atrium Verlag Zürich 1999 (erstmals erschienen 1938 im Atrium Verlag Zürich)
  • Erich Kästner – Walter Trier: Georg und die Zwischenfälle – Atrium-Verlag Basel, Mährisch-Ostrau 1938 (Spätere Ausg. u.d.T.: Der kleine Grenzverkehr oder Georg und die Zwischenfälle. Zürich 1949ff.; München Dtv 172008. ISBN 978-3-423-11010-5)
  • Harry Rowohlt – Walter Trier: Der lustige Dampfer. Cecilie Dressler, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7915-1675-2
  • Paul Benndorf – Walter Trier: Till Eulenspiegel. (Neudruck), Klaus-Becker-Verlag, Potsdam 2022, ISBN 978-3-88372-366-2.

Bücher

  • Walter Trier: Nazi-Deutsch in 22 Lektionen (Nazi-German in 22 lessions [sic]). Mit hilfreichen Informationen für Führer, Saboteure, Gauleiter und Quislinge. Nachdruck einer Flugschrift aus dem Jahr 1942. Favoritenpresse, Berlin, 2. Auflage 2022. Nicht paginiert, ca. 80 Seiten mit drei Kurzbiographien und Bemerkungen in Deutsch und Englisch zu den 24 Abbildungen von Antje M. Warthorst (Walter-Trier-Archiv, Konstanz) sowie zu Walter Trier und Max Czollek. ISBN 978-3-96849-053-3 (Ursprünglich in sechs europäischen Sprachen veröffentlicht. Allerdings sind neben dem Englischen nur noch die Ausgaben in Niederländisch (Nazi-Duitsch in 22 Lessen, 1942) und Portugiesisch (Alemao-Nazi in 22 Licoes, 1942) erhalten.)
  • 10 kleine Negerlein. Blüchert, Stuttgart 1954.

Illustrationen in Zeitschriften und Zeitungen

Filme

  • Ein Tag des Reichspräsidenten – Zeichentrickfilm (verschollen) – Zeichnungen von Walter Trier – 1919 – Berlin
  • Großer Internationaler Boxkampf – Triers Trick-Film – Zeichentrickfilm ca. 7 Minuten (verschollen) – Zeichnungen von Walter Trier – 1920 – Projektions A.G. Union – Berlin
  • Filmsterne – Teil 1 – Zeichentrickfilm ca. 6 Minuten (verschollen) – Zeichnungen von Walter Trier – 1920 – Projektions A.G. Union – Berlin
  • Filmsterne – Teil 2 – Zeichentrickfilm ca. 6 Minuten (verschollen) – Zeichnungen von Walter Trier – 1920 – Projektions A.G. Union – Berlin
  • Der Markt von Titipu – Zeichentrickfilm ca. 5 Minuten (verschollen) – Zeichnungen von Walter Trier – 1921 – Projektions A.G. Union – Berlin
  • Schönheitsabend – Triers Trick-Film – Zeichentrickfilm ca. 5 Minuten (verschollen) – Zeichnungen von Walter Trier – 1921 – Projektions A.G. Union – Berlin
  • Der böse Geist Lumpaci Vagabundus – Stummfilm (Bauten und Figurinen von Walter Trier) – 1922 – Carl Wilhelm-Film G.m.b.H. – Berlin
  • Acht Maler und ein Modell – Dokumentarfilm (verschollen) – 1927 – Universum-Film AG (Ufa) – Berlin
  • Mein Herz ist eine Jazzband – Stummfilm (Kostüme von Walter Trier) – 1928 – Efzet-Film G.m.b.H. – Berlin

Bühnendekorationen und Kostüme

  • Für Dich – Revue in 2 Akten mit 20 Bildern – von Erik Charell – Musik und Gesangstext von Ralph Benatzky – 1925 – Berlin – Großes Schauspielhaus – Bühnen- und Vorhangentwürfe zum 11. Bild „Alpensymphonie“ von Walter Trier

Sonstige Arbeiten

  • zusammen mit Ebi Naumann: Crazy People. Ein Hin- und Her-Klappbuch, Cecilie Dressler Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-7915-1426-0

Literatur

Commons: Walter Trier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Humor um uns! Ein lachendes Hausbuch. Paul Franke Verlag, Berlin, 1931, S. 310
  2. 1 2 3 4 Christoph Haacker in Walter Trier, Biografien in Klapperzahns Wunderelf, Arco Verlag, Wuppertal 2007, 2. Auflage, S. 166–169.
  3. ↑ Patrick Rössler: Der Sterngucker. Walter Trier und die „Illustrierte Filmwoche“ 1919/20, in: Aus dem Antiquariat NF 14 Nr. 1 (2016), S. 18–21.
  4. ↑ Biographie Walter Trier auf walter-trier.de
  5. ↑ Nazi-German in 22 lessons. 23. Februar 2022, archiviert vom Original; abgerufen am 10. Februar 2024.
  6. ↑ Der lustige Dampfer, perlentaucher.de, abgerufen am 7. Juli 2013.
  7. ↑ Jeanpaul Goergen: Von der Filmgeschichte bisher nicht beachtet – Der Zeichner Walter Trier schuf 1919 die ersten Kabarettfilme – Boshaftes über Ebert. in: Der Tagesspiegel, Berlin, 20. Januar 1991