Walther Scheidig wurde 1902 in Suhl geboren. Er studierte an der Universität Jena Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Germanistik. 1928 wurde er dort mit der Dissertation Der Miniaturenzyklus zur Weltchronik Ottos von Freising im Codex Jenensis Bose q. 6promoviert.
Ab 1927 war er zunächst als Volontär bei den Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar tätig, 1929 wurde er dort Assistent. 1932 wurde er stellvertretender Direktor, 1933 ad interim Nachfolger von Wilhelm Koehler und 1942 zum Direktor der im Weimarer Stadtschloss befindlichen Kunstsammlungen berufen. Daneben war er während des Dritten Reichs kommissarischer Leiter der Museen in Eisenach und Altenburg und übte das Amt eines regionalen Sachverständigen für den „Schutz des deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung“ aus. Die Funktion des Direktors der Kunstsammlungen hatte er bis 1967 inne. Ihm folgten Gerhard Pommeranz-Liedtke und ab 1975 Liselotte Honigmann-Zinserling. Unter Scheidigs Leitung entstanden vielbeachtete Ausstellungen etwa zu Lucas Cranach (1953), Rembrandt (1960) und Christian Rohlfs (1963) sowie zur Weimarer Malerschule (1960).
Walther Scheidig war Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zur Kunstgeschichte, die teilweise in mehreren Auflagen erschienen. Eines seiner bekanntesten Werke ist: Die Geschichte der Weimarer Malerschule 1860–1900. Das 1971 erstmals erschienene Buch ist eine Aufarbeitung des Wirkens an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar.
Der Komponist Hans Tutschku ist ein Enkel von Walther Scheidig.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Der Miniaturenzyklus zur Weltchronik Ottos von Freising im Codex Jenensis Bose q. 6. Heitz, Strassburg 1928
Die Fayencemanufaktur in Ilmenau und die Versuche zur Porzellanherstellung am Hofe des Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. 37, 1931, S. 333ff. (Digitalisat)
Thüringer Glasschneiderei und Glasmalerei im Dienste des Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar (1708–1748). In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. 37, 1930/31, S. 476–482
Der Reformationsteppich im Weimarer Schloßmuseum und sein Meister Seger Bombeck (Leipzig 1543–1559). In: Das Thüringer Fähnlein. Bd. 4, Neuenhahn, Jena 1935
mit Hildegard Marchand: Bernhard von Weimar und der Dreißigjährige Krieg. Katalog der Gedächtnis-Ausstellung im Schloßmuseum zu Weimar, Uschmann, Weimar 1939
Zur Baugeschichte der Weimarischen Bibliothek. In: Hermann Blumenthal (Hrsg.): Aus der Geschichte der Landesbibliothek zu Weimar und ihren Sammlungen (= Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte 23. Beiheft). Jena 1941, S. 1–32.
Das Schloss in Weimar. Thüringer Volksverlag, Weimar 1949
Deutsche Graphik der Goethezeit. Graphik-Verlag Mock, Weimar 1949
Die Weimarer Malerschule des 19. Jahrhunderts. Richter, Erfurt 1950
Handzeichnungen aus dem Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen in Weimar. Anger-Museum, Erfurt 1952
Katalog der Lucas-Cranach-Ausstellung: Weimar und Wittenberg, Juli bis Oktober 1953. Einleitung und biographische Übersicht: Heinz Lüdecke. Gesamtbearbeitung und erklärender Katalog: Walther Scheidig, Dt. Lucas-Cranach-Komitee, Weimar 1953
Franz Horny: 1798 Weimar–Olevano 1824. Henschelverlag, Berlin 1954
Die Holzschnitte des Petrarca-Meisters: Von der Artzney bayder Glück, des guten und widerwärtigen, Augsburg 1532. Henschelverlag, Berlin 1955
Otto Herbig: Ehren-Ausstellung anlässlich seines 65. Geburtstages. Weimar 1955
Rembrandt: Radierungen, Zeichnungen. (Katalogtext und Gesamtanordnung), Ausstellung in Dresden, Weimar, Schwerin und Leipzig, Lucas-Cranach-Kommission beim Ministerium für Kultur der DDR, Berlin 1956
Rembrand als Zeichner. Seemann, Leipzig 1962 (4. Auflage 1976) / Rembrandt's Drawings. Englisch von Margaret Playle, Boston Book & art shop, 1965
Christian Rohlfs, 1849–1938: Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik. Ausstellung zum 25. Todestag. Nationalgalerie (Berlin, Ost) und Staatliche Kunstsammlungen Weimar, Berlin 1963
Meisterwerke der Malerei: Schätze aus kleinen und mittleren Sammlungen. Edition Leipzig, 1964
Unbekannte Meisterwerke der Malerei: Schätze aus kleinen und mittleren Sammlungen Ostdeutschlands. Bruckmann, München 1965 (Lizenz, Edition Leipzig, 1964)
Christian Rohlfs. Verlag der Kunst, Dresden 1965
Bauhaus Weimar: 1919–1924; Werkstattarbeiten. Aufnahmen Klaus G. Beyer, Süddt. Verlag, München 1966 / Edition Leipzig, 1966 und 1971
Die Geschichte der Weimarer Malerschule 1860–1900. Böhlau, Weimar 1971
Ulrike von Hase-Schmundt: Walther Scheidig, 24.1.1902 bis 26.12.1977. In: Weltkunst. 48, 1978, S. 1084.
Lothar Ehrlich:Der „Schloßkrieg“ von 1967 – Nicht nur ein Beitrag zur gescheiterten Übernahme der Staatlichen Kunstsammlungen Weimar durch die NFG. In: „Forschen und Bilden“. Die Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar 1953–1991. Böhlau, Köln (u.a.) 2005, ISBN 3-412-22705-6, S.53–68 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
Gerda Wendermann:Walther Scheidig und die Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar im ‘Dritten Reich’. In: Publications of the English Goethe Society. Band84, Nr.3, Oktober 2015, S.239–251, doi:10.1179/0959368315Z.00000000058.