Walther Jacobsthal

Walther Jacobsthal (* 18. Februar 1876 in Straßburg; † 18. Juli 1950 in Syracuse, New York, USA) war ein deutscher Mathematiker.

Leben und Wirken

Walther Jacobsthal wurde als erster Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater war der außerordentliche Professor für Geschichte und Theorie der Musik Gustav Jacobsthal und seine Mutter war Blanka, geborene Joseph. Sein jüngerer Bruder Erwin wurde später Bakteriologe und Serologe.

Nach einem Studium der Mathematik bei den Straßburger Professoren Heinrich Weber und Josef Wellstein wurde er 1899 über eine Differentialgleichung zweiter Ordnung promoviert. Er gab in Zusammenarbeit mit seinen Straßburger Lehrern im Jahr 1905 mathematische Lehrbücher heraus. Spätestens ab 1911 war er als Oberlehrer in Berlin tätig. In den 1920er Jahren bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein fungierte er als Schuldirektor in Berlin am Königin-Auguste-Victoria-Realgymnasium für Mädchen und danach am Hindenburg-Realgymnasium.

Jacobsthal, der von seinen Eltern trotz deren jüdischer Herkunft christlich erzogen worden war, ließ sich christlich taufen und 1911 im elsässischen Lettweiler evangelisch mit seiner Ehefrau Lisbeth, geborene Bruns (1878 in Lichtenberg–1960), trauen. Sie waren seit 1909 standesamtlich verheiratet. Aufgrund der nationalsozialistischen Rassenpolitik sah er sich gezwungen, 1939 mit seiner Ehefrau und seinem Sohn Hans in die USA zu emigrieren. Dort nahm die Familie den Mädchennamen der Ehefrau an. Walter J. Bruns unterrichtete zunächst in New York Mathematik an den privaten Liberal Arts Hochschulen Hamilton College und Hobart and William Smith Colleges, bevor er an die Universität Syracuse wechselte. Er starb 1950 – wenige Wochen nach seiner Emeritierung – 74-jährig in einem Krankenhaus an seinem Wohnort Syracuse.

Sein Sohn Hans J. Bruns (1910–2002) war als Arzt in Syracuse tätig. Die Familiengrabstätte befindet sich auf dem Friedhof Oakwood in Syracuse.

Schriften

Literatur

Erwin Jacobsthal, Autobiografie Wechselspiel eines Lebens (Typoskript), auszugsweise (auch mit Mitteilungen und Ansichten über seinen Bruder Walther) abgedruckt in: Peter Sühring, Gustav Jacobsthal, ein Musikologhe im deutschen Kaiserreich. Musik inmitten von Natur, Geschichte und Sprache. Eine ideen- und kulturgeschichtliche Biographie mit Dokumenten und Briefen, Hildesheim 2012, S. 45–48.

Einzelnachweise

  1. 1 2 USA, bundesstaatliche und föderale Einbürgerungsregister. Nr. 443293. New York City 4. Oktober 1939 (ancestry.de – kostenpflichtig).
  2. 1 2 Prof. Bruns Dies, Retired Teacher. In: The Post-Standard. Syracuse, New York 19. Juli 1950, S. 6 (newspapers.com – kostenpflichtig).
  3. ↑ Dr. Hans J. Bruns, 91. In: The Post-Standard. Syracuse, New York 19. April 2002 (genealogybank.com – kostenpflichtig).
  4. ↑ Walter J. Bruns in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 10. August 2026.
Personendaten
NAME Jacobsthal, Walther
ALTERNATIVNAMEN Bruns, Walter J.
KURZBESCHREIBUNG deutscher Mathematiker und Schuldirektor
GEBURTSDATUM 18. Februar 1876
GEBURTSORT Straßburg
STERBEDATUM 18. Juli 1950
STERBEORT Syracuse, New York, USA