Walther Victor

Konferenz junger Autoren am 7. März 1954 in Leipzig, Walther Victor links vom Rednerpult

Walther Victor (* 21. April 1895 in Bad Oeynhausen; † 19. August 1971 in Bad Berka) war ein deutscher Publizist, Herausgeber und Schriftsteller. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Myschkin, C. Redo, Walter Zurlinden und Werner Voigt.

Leben und Wirken

Victor wurde am 21. April 1895 als Sohn jüdischer Eltern, des Fabrikanten Simon Victor (27. November 1860 bis 16. Februar 1943 Theresienstadt) und seiner Ehefrau Regina Victor, geb. Friedenthal (23. Februar 1873 in Posen, bis 4. September 1943 in Theresienstadt oder Treblinka), in Bad Oeynhausen geboren. Nach dem Abitur in Posen schloss er sich der Wandervogelbewegung an und studierte von 1913 bis zum Kriegsbeginn 1914 und nach 1918 Germanistik. Von 1914 bis 1918 war er Kriegsteilnehmer. 1919 trat er in die SPD ein. Von 1919 bis 1923 war er Redakteur des Hamburger Echo und von 1923 bis 1931 des Sächsischen Volksblatts Zwickau. Von 1926 bis 1931 war er sozialdemokratischer Stadtrat in Zwickau. Victor war seit 1919 Mitarbeiter an zahlreichen Zeitschriften wie Die Weltbühne und von 1932 bis 1933 Herausgeber des 8-Uhr-Abendblatts in Berlin.

Victor und seine damalige Ehefrau Cecilia (geb. Schönfelder) sind die Eltern von Walther Victor jr., geb. am 25. März 1925 in Zwickau.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 arbeitete Victor in der Illegalität, lebte unter verschiedenen Namen in Berlin und auf der Insel Reichenau am Bodensee und wurde 1935 verhaftet. Nach seiner Freilassung ging Victor 1935 in die Schweiz ins Exil. 1937 besuchte er Louise Freyberger (siehe auch Karl Kautsky), die letzte Haushälterin von Friedrich Engels, in London und entdeckte mit seiner zweiten Ehefrau Maria Gleit das Grab von Engels Frau Lydia Burns.

In der in Zürich erscheinenden Zeitschrift „Der Naturfreund“ schreibt im November 1938 der Redakteur und Schriftsteller Walther Victor mit „Von der Gemeinschaft durch die Idee“ sein Naturfreunde-Credo. Von der Wandervogelbewegung kommend, schloss er sich 1919 den deutschen Naturfreunden an. Nach mehrjähriger Redakteurarbeit am „Naturfreund“ (1936–1939) führte ihn sein Weg über Luxemburg, Frankreich, die Pyrenäen und Portugal im Jahr 1940 in die USA. Diese Zeitschrift „Der Naturfreund“ veröffentlichte auch im Mai 1941 vom ehemaligen Redakteur Walther Victor (Brooklyn, USA) den Bericht „Bekanntschaft mit den amerikanischen Naturfreunden“: „Ich war unter anderem in Bridgeport (Connecticut) und sprach dort. […] Es umarmten mich ein halbes Dutzend sächsischer Freunde.“

Nach seiner Rückkehr 1947 war er zunächst als Ministerialrat in der Sächsischen Landesregierung in Dresden, dann als freier Schriftsteller und Herausgeber tätig. 1947 Mitglied der SED. Seit 1948 lebte Victor in Berlin. Als Mitbegründer (1948) und 2. Vorsitzender des „Schutzverbandes Deutscher Autoren Zone“, forderte er von Johannes R. Becher, dem Präsidenten des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, bereits 1949 die Schaffung eines „wirklichen Schriftstellerverbandes“ und gab damit einen wichtigen Impuls für die Gründung des Deutschen Schriftstellerverbandes DSV.

Victor war von 1950 bis 1952 Geschäftsführender Vorsitzender des Deutschen Schriftstellerverbandes im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Gründungsmitglied der Kommission für Nachwuchsfragen, langjähriges Vorstandsmitglied im Schriftstellerverband und seit 1961 Ehrenmitglied des Vorstandes. 1957 erhielt er den neu gegründeten Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR. Als Westemigrant und Widersacher von Johannes R. Becher blieben ihm einflussreichere Positionen versagt, er durfte aber in der sogenannten Intelligenzsiedlung in Berlin-Schönholz wohnen, zu der auch die Straße 201 gehört. 1965 wurde er zum Professor ernannt, 1966 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Greifswald.

Das von Victor und Franz Hammer 1947 mit dem „Arbeitskreis Junger Autoren“ entwickelte Modell zur Förderung junger Schriftsteller wurde in den 50er Jahren vom Deutschen Schriftstellerverband übernommen als Einrichtung der literarischen Nachwuchsförderung und in der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren fortgesetzt.

Victor war ein bedeutender Herausgeber und Publizist. Begründet wurde von ihm die Buchreihe Lesebücher für unsere Zeit (Volkslesebücher) mit Einleitung und Zeittafel. Als Autor der Büchergilde Gutenberg machte sich Victor seit 1949 um die Neubegründung der Büchergilde verdient und war eine Zeitlang deren Leiter. 1953 gehörte er zur Gründungsredaktion der Zeitschrift Wochenpost.

Seit 1961 lebte und arbeitete Victor in Weimar. Er hatte ein Sommer-Studio in Bad Berka, wo ihn mit dem Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller Martin Hellberg eine enge Freundschaft verband. 1961 erhielt er den Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur „für seine großen Verdienste um die Popularisierung der klassischen deutschen Literatur, insbesondere für seine Volkslesebücher und Jugendschriften“ und 1960 den Vaterländischen Verdienstorden in Silber sowie 1969 in Gold.

Grabstätte

Victor wurde auf dem Ehrengräberfeld des Historischen Friedhofs in Weimar beigesetzt. Sein Nachlass wurde von seiner Witwe Marianne Victor betreut. Über das umfangreiche Walther-Victor-Archiv verfügt die Akademie der Künste (Berlin) in ihrem Literaturarchiv. In der Weimarer Parkvorstadt im Bereich Dichterweg gibt es die Walther-Victor-Straße.

Werke

als Herausgeber:

Brief

Sekundärliteratur

Commons: Walther Victor – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. ↑ Erinnerungen an Friedrich Engels. Die drei letzten Frauen im Hause „Generals“. In: Die Volks Illustrierte. VI. Jg., 1937, Nr. 35.
  2. ↑ https://www.max-lingner-stiftung.de/intelligenzsiedlung
  3. ↑ Heinz Knobloch: Peter Nell. In: Berliner Grabsteine. Buchverlag der Morgen, Berlin, 1987, S. 212
  4. ↑ Neues Deutschland, 7. Oktober 1961, S. 7
  5. ↑ Neues Deutschland, 28. April 1960, S. 2
  6. ↑ Neues Deutschland, 28. August 1969, S. 4
  7. ↑ über seine schwierige persönliche und familiäre Situation, die bürokratisch erzwungene vorübergehende Trennung von Maria Gleit, seiner zweiten Frau (von insges. drei) und seinem Sohn Vito. Der Brief ist hier aufgeführt, da in keiner Victor-Bibliographie erfasst. Die Herausgeber haben den Vornamen Victors falsch geschrieben, nämlich als „Walter“.