Der Begriff der Wandelgestirne und ihr Bezug zu den Fixsternen war bis in die Neuzeit ein zentraler Aspekt der vorantiken und antiken Proto-Astronomie und Kosmologie, als nur die sieben gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Himmelskörper Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn regelmäßig mit bloßem Auge sichtbar und namensgebend für die sieben Wochentage waren. Er spielt auch noch in Keplersastrologischem Werk eine bedeutende Rolle, ebenso wie in seinem wissenschaftlichen Werk, etwa der Harmonice mundi. Die Berechnung der „Sternörter“ ist für Wandelgestirne wesentlich schwieriger als für die Fixsterne (siehe auch Ephemeriden).
Im Sprachgebrauch werden Wandelgestirn und Wandelstern oft synonym verwendet. Das Wort Wandelstern ist ein Neologismus des 17.Jahrhunderts. Es entstand als Übertragung von Planet (von griechischπλανάομαιplanáomai ‚umherirren, umherschweifen‘) und galt anfangs als „poetische Sprache“. Die Ausweitung etwa auf Kometen (Schweifsterne) findet sich beispielsweise bei Goethe. Krünitz schlug für Kometen die Bezeichnung Irrstern vor, die sich aus der wörtlichen Übersetzung des lateinischen Begriffs "sidus errans" aus der Naturalis historia von Plinius dem Älteren ergibt. Die fünf in der Antike bekannten Planeten werden in der Einheitsübersetzung "Wandelsterne" genannt. In der Luther-Bibel wird der entsprechende hebräische Begriff "מַזָּלָה" ("mazzaroth", in der Septuaginta "μαζουρωθ") mit "Planeten" übersetzt, wohingegen die Vulgata "duodecim signis" ("zwölf Zeichen" für den Lebewesenkreis) schreibt, der von den Wandelgestirnen fortwährend durchlaufen wird.
Der Ausdruck Fixstern ist in der Astronomie allgemein üblich (obschon ebenfalls überholt, seit die Eigenbewegung der Sterne bekannt ist). Der Ausdruck Wandelgestirn genügt der präzisen Fachsprache der Astronomie in keiner Weise. Trotzdem hat der Begriff in der einführenden Astronomiedidaktik bis heute seinen Platz, weil er zahlreiche spezielle Problemstellungen der theoretischen Himmelsmechanik, der astronomischen Phänomenologie, der astronomischen Zeitmessung wie auch der numerischen Modellierung oder der Konstruktion von Planetarien anschaulich illustriert.
Literatur
M. Jeitler: Transformation heliozentrischer in geozentrische Wandelgestirnkoordinaten. Verschärfung der "Ahnert-Tafeln". Referat, in: Gebrauch astronomischer Jahrbücher. 2. Sternfreunde-Seminar, 1974. Zeiss Planetarium der Stadt Wien und Österreichischer Astronomischer Verein 1974
Wolfgang Vollmann: Wandelgestirnörter; Physische Wandelgestirn-Daten; Hermann Mucke: Wandelgestirn-Parallaxen; Abschätzung der Sichtbarkeit der hellen Wandelgestirne und Sterne – erdweit, stündlich, von −2000 bis +4000; Norbert Pachner: Die Hauptstellungen der Wandelgestirne. Alle Beiträge in: Hermann Mucke (Hrsg.): Moderne astronomische Phänomenologie. 20. Sternfreunde-Seminar, 1992/1993. Zeiss Planetarium der Stadt Wien und Österreichischer Astronomischer Verein 1992, div. S. (astronomisches-buero-wien.or.at).
Einzelnachweise
↑Michael Tirabassi: Plato. (Memento vom 24. Juni 2012 im Internet Archive) perseus.mpiwg-berlin.mpg.de/, Greek Science course, Prof. Gregory Crane, Tufts University, 1995 (englisch).
↑Plinius der Ältere:Naturalis historia (Naturgeschichte). VIII. Kapitel: De natura syderum errantium ("Von der Natur der Irrsterne"). Band1, Nr.2. Römisches Reich 79.