



Ein Wappenbuch ist eine Sammlung von Wappendarstellungen in Buchform. Oft werden auch Wappenrollen wie die bekannte Zürcher Wappenrolle zu den Wappenbüchern gezählt, umgekehrt werden manche Wappenbücher auch „Wappenrolle“ genannt. Im Französischen und Englischen bezeichnet der Begriff armorial buch- und rollenförmige Wappensammlungen. Die Bezeichnung Wappenbücher hat sich vor allem aufgrund der Häufigkeit buchförmiger Wappensammlungen im deutschsprachigen Raum durchgesetzt, nicht aus inhaltlichen Gründen.
Wappensammlungen in Form von Rollen und Büchern entstanden in Europa spätestens seit dem 13. Jahrhundert, zunächst als Handschriften, seit dem späten 15. Jahrhundert auch in gedruckter Form. Material waren Pergament, Papier oder bei Rollen auch Leinen, auf denen die Wappen gemalt wurden.
Die enthaltenen Wappen können bildlich darstellt und/oder sprachlich beschrieben (Blasonierung) sein. Handschriftliche Wappenbücher sind oft farbig gemalt, gedruckte hingegen stellen die Wappen oft unfarbig dar; die Farben können in diesen Fällen durch Buchstaben, Zeichen oder Schraffuren angedeutet werden, und viele Exemplare wurden von den jeweiligen Besitzern nachkoloriert. Auch deshalb können die Farben eines Wappens von Wappenbuch zu Wappenbuch und sogar von Exemplar zu Exemplar relativ häufig schwanken. Quantitative Analysen legen nahe, dass auch in als verlässlich angesehenen historischen Wappenbüchern bis zu einem Drittel der Wappendarstellungen hinsichtlich Farben oder Figuren fehlerhaft sein können.
Wappenbücher konnten aus unterschiedlichen Gründen angelegt werden, oft mit dem Ziel, die Wappen von bestimmten Personen, Familien oder Institutionen gesammelt darzustellen, z. B. die Wappen aller Adeligen, Herrschaften und Städte einer bestimmten Region. Sogenannte „universelle“ Wappenbücher mit oft Tausenden Wappendarstellungen haben dabei den Anspruch, Wappen aus ganz Europa und darüber hinaus darzustellen.
Die Grenzen zwischen Wappenbüchern und anderen Quellengattungen ist dabei fließend; vor allem Werke, in denen größere Personengruppen mit ihren Wappen dargestellt werden (z. B. Turnierbücher, Lehenbücher, Zunftbücher, Nekrologe, Universitäts-Matrikel, Urkunden, Wandmalereien) werden in der Forschung als Wappensammlungen interpretiert, auch wenn der eigentliche Zweck der Werke in der Aufzählung der Personen (Turnierteilnehmer, Lehnsleute, Zunftmitglieder usw.) lag. Viele Chroniken des Mittelalters und der Neuzeit enthalten so viele Wappen, dass sie (oder Teile davon) ebenfalls als Wappenbuch gezählt werden. Auch wappengeschmückte Liederhandschriften wie der Codex Manesse werden als oft als Wappenbücher verstanden.
Wappenbücher sind eine der wichtigsten Quellen für die Heraldik und, schon aufgrund der großen Zahl der Wappen, auch wichtige Quellen der Genealogie, der Prosopographie sowie der Sozialgeschichte. Mittelalterliche Wappenbücher enthalten für viele Wappen die frühesten oder sogar einzigen farbigen Darstellungen. Häufiger als andere Wappendarstellungen enthalten Wappenbücher außerdem oft die Namen der Wappenträger und erlauben so die Identifikation derselben.
Die Anordnung der Wappen kann bestimmten Kriterien folgen, entweder für das ganze Wappenbuch oder für einzelne Abschnitte. Die Forschung unterscheidet Anordnung nach Stand und Rang (Adel vs. Nichtadel, Geistliche vs. Laien, statushoch vs. statusniedrig), nach räumlichen Kriterien oder nach bestimmten, konventionellen Gruppierungen (insbesondere die sogenannten Quaternionen der Reichsverfassung).
Sowohl die Aufnahme als auch das Fehlen von Wappen können als Aussagen des Kompilators interpretiert werden. Die Anordnung der Wappen (z. B. die Reihenfolge innerhalb des Werkes, die Gliederung in Abschnitte oder das mis-en-page) und ihre unterschiedliche Darstellung (z. B. Größe, Farbigkeit, Beizeichen) geben wichtige Hinweise auf die Beziehung zwischen den Wappenträgern, z. B. ihren sozialen Rang oder Herrschaftsverhältnisse. Zum Beispiel kann das Wappen eines Herrschers besonders groß und am Anfang eines Abschnitts dargestellt werden, die Wappen seiner Lehnsleute hingegen kleiner. Allerdings kann es auch sein, dass diese Darstellungen mehr Ausdruck der Vorstellungen des (oft anonymen) Kompilators des Wappenbuchs als der tatsächlichen Verhältnisse sind.
Ein Vergleich verschiedener Wappenbücher kann Wappenwechsel, unterschiedliche Darstellungen des gleichen Wappen und allgemein die räumlich und zeitlich unterschiedlichen Stile der Wappendarstellung belegen.
Mittelalterliche Wappenbücher sind oft nur in einer einzigen Handschrift überliefert, die unter Umständen sehr viel jünger als das Wappenbuch selbst ist. Auch in der Forschung wird oft nicht zwischen dem Datum der Entstehung des jeweiligen Wappenbuchs und der Anfertigung der erhaltenen Handschrift unterschieden. Da die meisten Wappenbücher des Mittelalters anonym sind, herrschen Notnamen vor, die sich auf den Inhalt und/oder den Aufbewahrungsort der bzw. einer Handschrift beziehen; manche Werke haben mehrere Namen, manche Namen werden für unterschiedliche Wappenbücher verwendet, was zu Verwechselungen führen kann.
Angaben zur Zahl der mittelalterlichen Wappenbücher hängt stark von der zugrundegelegten Definition ab. Egon von Berchem, Donald Lindsay Galbreath, Otto Hupp haben 80 mittelalterliche Wappensammlungen (einschließlich einiger in Rollenform) aus dem Reichsgebiet erfasst. Clemmensen hat 228 vor 1500 kompilierte Wappenbücher aus ganz Westeuropa in seiner Datenbank erfasst, 117 davon vollständig. Hofman hat für Frankreich und das Reich 135 Handschriften von Wappenbüchern analysiert. Sicher ist, dass die meisten handschriftlichen Wappenbücher im 15. und 16. Jahrhundert entstanden.
Zu den bekanntesten, umfangreichsten und/oder am weitestens verbreiteten Wappenbüchern aus dem Reichsgebiet gehören:
Ab dem 16. Jahrhundert wurden Wappensammlungen meist in Form gedruckter Bücher veröffentlicht. Oft hängen sie eng mit genealogischen Werken oder Adelsmatrikeln zusammen.
Im 19. Jahrhundert entstanden sehr viele, teils sehr umfangreiche Wappenbücher, die oft eng mit genealogischen Werken zusammenhängen oder identisch sind. Im deutschen Sprachraum besonders einflussreich war und ist der ab Mitte des 19. Jahrhunderts gedruckte sogenannte „Neue Siebmacher“; im Rahmen dieses Werkes erschienen zahlreiche Einzelbände v. a. mit Familienwappen des Adels und des Bürgertums. Viele Wappenbücher des 19. Jahrhunderts sind auf einen Staat oder eine Region bezogen, wobei man immer beachten muss, dass die politischen Grenzen häufig wechselten. Wichtige Werke aus dem deutschen Sprachraum sind:
Viele Wappenbücher des 20. Jahrhunderts sind ähnlich aufgebaut wie die Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert oder sogar direkte Fortsetzungen wie im Fall des „Neuen Siebmachers“. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die kommunale Heraldik wichtiger, sowohl private als auch offiziöse (von Behörden herausgegebene) Sammlungen entstanden. Lokale Wappenbücher wie das „Heidelberger Wappenbuch“ stellen die an einem Ort vorfindlichen Wappendarstellungen zusammen