Wasserfall

Wasserfall eines Baches in Australien
Wasserfall Ulaan tsutgalan in der Mongolei
Wasserfall im Auerbachtal in Bayern

Ein Wasserfall ist ein Abschnitt eines Fließgewässers (Fluss, Bach), an dem die Strömung, bedingt durch die Formung des Gesteinsuntergrundes, mindestens teilweise in freien Fall übergeht.

In der Vielfalt der Formen ist der klassische freie, senkrechte Absturz eher die Ausnahme. Meistens befinden sich gleitende Abschnitte in der Fallstrecke, die oft durch Bildung von Gumpen in stufige Absätze umgeformt werden. Je nach Steilheit der Talstufe können daraus treppenartige Kaskaden oder weitständige Abfolgen mehrerer Wasserfälle entstehen.

Typische Merkmale von Wasserfällen

Rheinfall, dem Volumenstrom nach zweitgrößter Wasserfall Europas

Ein idealtypischer Wasserfall vereint folgende Merkmale:

Bei Wasserfällen lassen sich verschiedene Abschnitte unterscheiden:

Ein Wasserfall ist ein Ort besonders aktiven Naturgeschehens. Je nach Größe wirkt das Wasser unterschiedlich stark auf seine Umgebung ein. Das Prozessgefüge eines Wasserfalls kann beschrieben werden unter anderem anhand

Das Naturgeschehen des fallenden Wassers ist vorwiegend Forschungsgegenstand der Physik (z. B. Strömungsmechanik) und auch der Hydrologie; die Formungsgeschichte, also die Veränderungen des Wasserfalls im Laufe der Zeit und ihre Regelhaftigkeiten, sind Gegenstand der Geomorphologie.

Begriff und Abgrenzung

Wasserfallähnlich gestaltete Brunnenanlage (Grugapark, Essen)

Der allgemeinsprachliche, etwas unscharfe Begriff hat bei mehreren Merkmalen von Wasserfällen Untergrenzen:

Weitere Abgrenzungen gibt es bei künstlichen Wasserfällen:

Begriffliche Sonderfälle:

Ein Beispiel für die schwierige Abgrenzung zwischen Wasserfällen und Stromschnellen ist der Sarpsfossen in Norwegen, der vor dem Bau des Kraftwerks auf einer Strecke von gut 40 Metern eine Fallhöhe von etwa 18 Metern aufwies. Heute ist nur noch die untere natürliche Fallstrecke mit einer Höhe von 12 Metern vorhanden. Wollte man ihn, wie in Norwegen üblich, als Wasserfall betrachten, wäre er vor dem Kraftwerksbau bei einer mittleren Wasserführung von 577 m³/s vor Dettifoss und Rheinfall Europas mächtigster Wasserfall gewesen.

Entstehung und Typen

Vereister Wasserfall an einer Felswand in der Rhön

Generell hat ein Fließgewässer die Tendenz, durch rückschreitende Erosion und durch seine Schleppfracht (Transport von Sand, Kies usw.) Gefällebrüche abzuschwächen und ein ausgeglichenes Längsprofil auszubilden. Diese Tendenz steht der Bildung von Wasserfällen entgegen, so dass sich Fallstufen nur bei besonderen Gegebenheiten bilden und erhalten. Es lassen sich zwei wesentliche Arten von Fallstufen mit Untergruppen unterscheiden:

Beispiele für destruktive, durch Erosionsprozesse sich formende Wasserfälle
  • Wasserfälle bilden sich besonders oft dort, wo unter widerstandsfähigem Gestein leicht ausräumbares folgt. Am Übertritt des Wassers in den Bereich, wo das weichere Gestein ausstreicht, entsteht aus einer anfänglichen Auskolkung eine Stufe mit Gumpe und schließlich die Unterspülung des härteren Gesteins. Über dieser Höhlung bricht mit der Zeit das Gestein nach. Die Lage des Wasserfalls verschiebt sich dadurch im Laufe der Zeit stromaufwärts. Diesen Formungsprozess nennt man auch „rückschreitende Erosion“. Berühmtestes Beispiel sind die Niagarafälle. Sehr viele kleine Fälle dieser Art findet man beispielsweise im Südwestdeutschen Schichtstufenland. Ähnlich verhält es sich bei den meisten Fällen Islands, wo Basaltdecken als Fallbildner wirken.
Weshalb ein Wasserfall infolge von Auskolkung rückwärts wandert
  • Auch in nahezu homogenem Gestein wie Granit oder Porphyr können sich aus Kolken über Stufen mit Gumpen formschöne Kaskadentreppen formen wie beispielsweise die Sieben Bütten. Dies gilt auch für Höhlenwasserfälle und eine ihrer Sonderformen, die Gletschermühlen.
Beispiele für konstruktive, durch Mineralausfällung sich formende Wasserfälle
Beispiele für sich verstärkende oder regenerierende Fallstufen:
  • Wasserfälle, die über Geländestufen aktiver Verwerfungen hinabstürzen. Hierzu kann man auch Gletschermühlen zählen, die Gletscherspalten hinabstürzen.
  • Wasserfälle, die über Brandungskliffs ins Meer stürzen („Brautschleier“ bei Seixal auf Madeira, Kieler Wasserfall auf Rügen)
  • Wasserfälle von Nebenbächen, die der stärkeren Tiefenerosion des Vorfluters nicht folgen können und daher eine Mündungsstufe hinabstürzen (Raumünzacher Wasserfall im Murgtal, Wasserfall des Bornichbaches am Mittelrhein)
  • Wasserfälle von Nebenbächen, die über Prallhängen von Vorflutern münden und daher eine Mündungsstufe hinabstürzen (Tannegger Wasserfall in der Wutachschlucht)
Beispiele für gegebene, sich nicht regenerierende Fallstufen:
  • Talstufen, die durch eiszeitliche Gletscher entstanden sind (Mitunter sehr hohe Wasserfälle, manchmal fast ohne eigene Überformung der Felsstufe, manchmal mit Klamm- oder Kaskadenbildung)
  • Wechsel von widerstandsfähigem zu leicht ausräumbarem Gestein oder freigelegter Wechsel zu Lockermaterialien wie am Rheinfall
  • Querende Verwerfungsfugen mit leicht ausräumbarem zerrüttetem Gestein (Großer Ravennafall im Höllental) oder große Klüfte (wichtiger Faktor der Detailausformung von Fallstufen, beispielsweise bei den Triberger Wasserfällen)
  • Natürliches Abkürzen von Talwindungen (meist Abschnürung gebundener Mäander oder ähnlich: Abkürzung eines Nebenbaches direkt zum Hauptfluss). Beispiele: Cirque de Navacelles in den Cevennen, Schlichemklamm bei Rottweil
  • Künstliche Abkürzungen von Gewässerläufen (Wasserkraftnutzung, Hochwasserschutz, oft nur Vorgriff zu erwartender natürlicher Entwicklung). Beispiele: Wasserfälle von Coo und Elzbach-Wasserfall bei Pyrmont.
  • Rückläufe aus künstlichen Zuleitungen zu ehemaligen Wasserkraftanlagen (natürliche Weiterformung abgeschlossener anthropogener Geländeformen). Beispiele: Spiegeltaler Wasserfall im Harz, Blauenthaler Wasserfall im Erzgebirge
  • Künstliche Gefällebrüche durch Steinbrüche in Talsohlen (natürliche Weiterformung abgeschlossener anthropogener Geländeformen). Beispiele: Krenkinger Wasserfall im Tal der Steina, Laubachfälle im Neandertal
  • Als solche gestaltete künstliche Wasserfälle. Beispiele: Radauwasserfall; Wasserfälle im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel

Zwischen diesen Typen gibt es zahlreiche Übergangs- und Mischformen. Beispielsweise kommen in glaziär geprägtem Relief oft gerundete Längsprofile von Steilstufen vor. Hängetäler (Seitental, das hoch über dem Boden eines gletschergeformten Trogtales mündet) können ganz allmählich in die Wand eines Trogtales übergehen und diese wiederum in die breite Talsohle. Die Auskolkung führt erst im Zuge weiterer Überformung durch den Wasserfall zu einer ausgeprägten Prallzone bzw. zu einer kaskadenartigen Stufenfolge in der Kopfzone des Falles.

Bekannte Wasserfälle

Video: Meerestiefen am Polarkreis (ab 0:59 Dänemarkstraße-Katarakt)
Besonders hohe Wasserfälle

Das größte Wassergefälle der Erde befindet sich übrigens unter Wasser; an der Dänemarkstraße strömt das sogenannte Dänemarkstraßen-Überstromwasser von 600 Meter unterhalb des Meeresspiegels auf 4000 Meter hinab. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um einen Wasserfall, sondern um eine wichtige Wassermasse des globalen thermohalinen Strömungssystems.

Besonders breite Wasserfälle
Besonders wasserreiche Wasserfälle
Wasserfälle in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Bekannte Wasserfälle Europas
Als Wasserfall benannte Katarakte und Stromschnellen

Mehrere so genannte Wasserfälle sind nur als Katarakt oder Stromschnelle anzusprechen. Bekannt sind:

Ökologische Aspekte

Wasserfälle stellen für flussaufwärts ziehende Fischarten ein Hindernis dar, welches von den daran angepassten Arten (z. B. Lachs) überwunden werden kann. Daher wurde beispielsweise der Saynbach-Wasserfall im November 2008 beseitigt. Zur Überwindung kleinerer, vor allem künstlich angelegter, Wasserfälle und Staustufen werden mancherorts Fischtreppen errichtet.

In Klimagebieten mit längeren Trockenphasen können im Umfeld größerer Wasserfälle inselhafte, humide Lebensräume entstanden sein; bekannt hierfür ist besonders das Umfeld der Viktoriafälle.

Kulturlandschaftliche Aspekte

Wasserfälle in der Kunst

Geltenschuss, dramatische Darstellung von Caspar Wolf (entstanden 1785 bis 1794)

Wasserfälle wirkten in vielfältiger Weise als Inspiration in der Kunst. Beispielsweise wählten bereits Pioniere der Schweizer Landschaftsmalerei im 18. und 19. Jahrhundert Wasserfälle als Motiv. Sie wurden nicht nur in einer Vielzahl von Reiseberichten, literarischen Werken und Fotoreportagen dokumentiert, sondern auch auf Plakaten gezeigt, mit denen Tourismusorganisationen für ihre Destinationen warben.

Typische Wasserfallnamen

Die Namen von Wasserfällen beziehen sich oftmals auf immer wieder ähnliche Merkmale und Auffälligkeiten wie die Dynamik der Bewegung, die Lichteffekte und Geräusche oder lokale Mythen. Umgekehrt kann auch die Umgebung nach dem Wasserfall benannt sein. Im Folgenden sind Namensbeispiele nach typischen Bezügen gegliedert. Ausgenommen sind alleinige Bezüge zum jeweiligen Fluss, Tal oder nahen Ort.

Die Bewegung und Form des Falls beschreibend

Das Geräusch des Falls hervorhebend oder lautmalend

Auf Gischt- und Lichteffekt anspielend

Die Topographie beschreibend oder nennend

Geräusch als Eigenschaft des Tosbeckens

Fallgeschehen als Eigenschaft des Tosbeckens

Der Fall und seine Bewegung als Eigenschaft der Fallwand

Fallgeschehen als Merkmal des Baches oder Tals

Auf beängstigende Wirkungen anspielend

Auf Kultur, Sagen und Begebenheiten Bezug nehmend

Auf Auswirkungen des Falls anspielend

Auf den Wasserfall bezogene Toponyme der Umgebung

Bilder

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Wasserfall – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Wasserfall – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Wasserfall – Zitate

Einzelnachweise

  1. ↑ GetYourGuide: Cygnet Bay Einzigartige Gezeiten-Wasserfall-Riffe Scenic Cruise. 2023, abgerufen am 6. August 2023.
  2. ↑ Horizontal Falls. In: The Kimbeley. Jimmyweb, 2023, abgerufen am 6. August 2023 (englisch).
  3. ↑ Gunter Heim: Gezeiten-Wasserfall. In: Rhetos Lernlexikon. 2023, abgerufen am 6. August 2023.
  4. ↑ Florian Spichtig, Christian Schwick: Mürrenbachfall. In: Waterfall.ch. Abgerufen am 26. Juni 2012.
  5. 1 2 Julia Slater: Wasserfälle: Welcher ist der Höchste im ganzen Land? In: swissinfo.ch. 1. März 2010, abgerufen am 26. Mai 2012.
  6. ↑ Florian Spichtig, Christian Schwick: Serenbachfälle. In: Waterfall.ch. Abgerufen am 26. Juni 2012.
  7. 1 2 Florian Spichtig: Wo die Wasser fallen, Geosciences actuel 2/2007 (PDF; 3,4 MB)
  8. ↑ Florian Spichtig, Christian Schwick: Staubbachfall. In: Waterfall.ch. Abgerufen am 26. Juni 2012.
  9. ↑ Max Schefold: Der Wasserfall als Bildmotiv - Anregungen zu einer Ikonographie -. In: Aachener Kunstblätter. Band 41, 1971, ISSN 2510-2427, S. 274–289, doi:10.11588/akb.1971.0.34869 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 9. Juni 2026]).
  10. ↑ Auf der Suche nach den senkrechten Wassern, Schweiz. Nationalbibliothek, 30. April 2026